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Ausgabe Nr. 19/2020 vom 05.05.2020, Fotos: Roman Zach-Kiesling, VCOE Rita Newman
Christian Pesau, Christian Gratzer
Verschrottungs-Prämie für alte Autos?
Die Corona-Krise wird „wesentlich schlimmer als die globale Finanzkrise von 2008 bis 2009“, warnt eine Wirtschaftsexpertin. Das spürt auch die Autobranche. Im März wurden um zwei Drittel weniger Pkw neu zugelassen als im Jahr zuvor. 2009 förderte die Regierung den Kauf neuer Wagen mit der „Ökoprämie“. Ein mindestens 13 Jahre altes Auto musste dafür verschrottet werden. 30.000 Mal wurden 1.500 Euro ausbezahlt, Autohändler und Staat teilten die Kosten.
JA: Christian Pesau, Arbeitskreis
der Automobilimporteure:

„Die Lage der Automobilwirtschaft und des Autohandels ist derzeit dramatisch und viele Betriebe bangen um ihre Existenz. Sowohl der Kfz-Handel als auch die Produktion mussten über mehrere Wochen eingestellt werden. Eine Ökologisierungsprämie, die man für den Kauf eines umweltfreundlichen Neuwagens und Verschrottung eines emissionsstarken alten Pkw erhält, könnte in dieser schwierigen Zeit eine klare ,Win-Win-Situation‘ darstellen. Die Umwelt würde von der Verjüngung des Fahrzeugbestandes profitieren – ,alte Stinker‘ würden entsorgt, stattdessen kommen emissionsarme Neuwagen auf die Straße. Die Maßnahme würde zudem den Markt ankurbeln und sich somit positiv auf die heimische Wirtschaft auswirken. Zu guter Letzt würde auch der Staat durch höhere Steuereinnahmen profitieren, die sich aus dem Kfz-Verkauf beziehungsweise der Zulassung ergeben. Die Automobilindustrie ist eine Leitbranche der österreichischen Wirtschaft und ein Einbruch in diesem Sektor würde sich auf die gesamte Wirtschaftslage auswirken. Eine Ökologisierungsprämie als konjunkturfördernde Maßnahme wäre daher jedenfalls positiv zu bewerten.“

NEIN: Christian Gratzer,
Sprecher VCÖ – Mobilität mit Zukunft:

„Die Autokonzerne scheffelten im Vorjahr Gewinne in Milliarden-Höhe. Sie könnten damit mit satten Rabatten den Autokauf ankurbeln. So wie es auch Kleidungs-, Schuh- oder Sportgeschäfte machen. Aber nein, jetzt soll mit Steuergeld der Autoverkauf gestützt werden. So wie vor zehn Jahren. Das hieß schon damals ,Ökoprämie‘. Beim Abgasskandal hat sich dann herausgestellt, dass etliche der als ,öko‘ angepriesenen Pkw alles andere als sauber waren. Die Autokäufer mussten beim Dieselskandal vor Gericht für ihre Rechte gegen die Hersteller kämpfen. Die Verschrottungsprämie ist nicht klimafreundlich. Schon die
Herstellung eines Pkw verursacht etwa so viel CO2 wie 30.000 Kilometer Autofahren. Auch aus wirtschaftlicher Sicht gab und gibt es viel Kritik. Wir brauchen jetzt staatliche Maßnahmen, die langfristig Arbeitsplätze schaffen und zur Bewältigung der Klimakrise beitragen. Alte Autos halten länger als neue. Was noch funktioniert wegzuwerfen ist sündhaft, war ein Credo meines zu früh verstorbenen Vaters. Ein besserer Weg, die Umweltbilanz des Verkehrs zu verbessern: möglichst wenig Auto zu fahren. Und wenn, dann spritsparend.“
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