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Ausgabe Nr. 18/2020 vom 27.04.2020, Fotos: dpa
Marlène Charell ist glücklich mit ihrem Hund.
Mit ihrem Mann Roger Pappini und ihrer Tochter Angelina.
Marlène Charell ordnet ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes neu, mit Hund und neuer Wohnung
Sie durfte in keiner großen Samstag-Abend-Show fehlen. Mit ihrem Charme und den langen Beinen begeisterte die in Deutschland geborene Entertainerin Marlène Charell stets ein Millionen-Publikum. Der Durchbruch gelang der 75jährigen einst im berühmten Pariser Lido, dessen Chef Roger Pappini sie 1971 heiratete. Mit ihm lebte Charell stets in Frankreich, doch sein Tod im Vorjahr traf die Künstlerin schwer. Obwohl ihr Mann zuletzt ein Pflegefall war. Trost und Hilfe gab ihr die Tochter Angelina, 46. Nun will Charell eine Wohnung in Tirol beziehen.
Frau Charell, im Vorjahr starb Ihr Mann Roger Pappini, den Sie lange Zeit voller Hingabe gepflegt haben. Wie geht‘s Ihnen denn heute?
Die Zeit hilft. Und meine Tochter hilft mir sehr. Ebenso die Freunde, die ich hier in Frankreich habe. Aber heute in der Früh hatte ich wieder einen Durchhänger. Die habe ich öfter. Roger hat eine riesige Leere in meinem Leben hinterlassen. Diesen Platz kann auch niemand sonst einnehmen. Aber ich habe jetzt einen acht Monate alten Dackel. Meine Tochter hat mich damit überrascht. Sie dachte, es hilft mir bestimmt, wenn es so ein kleines Wesen zum Liebhaben in meinem Leben gibt. Sie hat Recht. Der Hund ist eine große Hilfe.

Was ist für Sie das Tragischste am Tod Ihres Mannes?
Die Einsamkeit. Das ist schlichtweg eine Katastrophe. Alleine nur mit dem Hund würde ich es nicht schaffen. Selbst mit diesem Hund nicht. Deshalb hat meine Tochter gesagt: Du musst zu uns kommen. Aber das ist auch nicht gerade der nächste Weg. Meine Tochter lebt derzeit in Österreich. Fast 1.000 Kilometer von mir entfernt. Diese Distanz lege ich nicht auf die Schnelle zurück. Doch ich habe mir nahe meiner Tochter, in der Nähe von Kitzbühel (Tirol), eine kleine Wohnung gemietet. Ich wollte nicht direkt zu meinen Kindern ziehen, weil ich ihnen nicht zur Last fallen möchte. Ich werde sicherlich einen großen Teil des Jahres in Österreich verbringen, behalte aber meine Häuser in Savoyen, in La Rochette, und an der Cote d‘Azur. Ich möchte Frankreich nicht ganz verlassen. Aber um der Einsamkeit aus dem Weg zu gehen, ist es besser, in der Nähe meiner Kinder zu wohnen. In meinen Häusern in Frankreich erinnert mich alles an meinen Mann; insofern ist ein Tapetenwechsel gar nicht schlecht. Und solange meine Gesundheit mitspielt, werde ich auch wieder reisen.

Sie haben ja allein schon aus beruflichen Gründen die ganze Welt bereist. Dennoch packt sie jetzt die Lust, wieder aus dem Koffer zu leben?
Das stimmt, ich glaube, ich habe alle Länder dieser Erde gesehen. Aber Reisen ist auch ein Mittel, um der Einsamkeit aus dem Weg zu gehen. Freunde besuchen, Freundschaften wiederauffrischen, die in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben sind, ist wichtig. Zum einen hatte ich immer ein aktives Leben, zum anderen habe ich mich in den letzten Jahren meines krebskranken Mannes fast ausschließlich um ihn gekümmert. Dadurch habe ich viele Freundschaften vernachlässigt.

Was hilft Ihnen sonst noch, die Trauer zu bewältigen?
Tanzen. Seit dem Tod meines Mannes tanze ich zu Hause fast jeden Tag. Körperliche Bewegung in Einklang zu bringen mit der Musik – das ist Therapie. Für mich war das Tanzen ja nie einfach nur ein Beruf – es ist eine Leidenschaft. Tanzen beflügelt mich. Dadurch, dass ich körperlich eine andere Haltung einnehme, komme ich sofort in eine ganz andere Schwingung.

Diese Art der Therapie ist wohl nicht für jedermann geeignet …
Natürlich kann nicht jeder professionell tanzen, aber jeder Mensch hat ein Gefühl für Musik und Rhythmus. Die Musik alleine hat ja schon therapeutische Wirkung. Wenn es nicht gerade der „Gefangenenchor“ aus der Oper „Nabucco“ von Verdi ist. Der war heute in der Früh im Radio zu hören, und wahrscheinlich war es das, was mich niedergeschmettert hat. Das war jene Musik, die ich gewünscht hatte, als Roger aus der Kirche hinausgetragen wurde. Wenn dieselbe Musik dann im Radio ertönt, werden bei mir natürlich all die Erinnerungen und Gefühle wieder aufgerührt.

Aber dann hilft Ihnen Ihre Tochter …
Ja, wir wollen jetzt auch nachholen, was wir in den vergangenen Jahrzehnten versäumt haben. Mein Mann war äußerst besitzergreifend. Er betrachtete mich als sein Eigentum. Wenn meine Tochter und meine Enkelin Antonella in der Nähe waren, gab es immer eine gewisse Spannung, die ich auch Eifersucht nennen könnte. Einerseits fand Roger es gut, wenn meine Tochter zu Besuch war, aber wenn ich mich in seinen Augen zu lange mit ihr beschäftigte, ließ er mich seine Eifersucht spüren. Diese Eifersucht gibt es nun nicht mehr. Jetzt können meine Tochter, meine Enkelin und ich so richtig füreinander da sein. Wir haben einen unglaublichen Austausch miteinander, der für uns etwas Neues ist.
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