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Ausgabe Nr. 18/2020 vom 27.04.2020, Foto: Herbert Frei
Dieses impossante Exemplar wurde von Tauchern am Traunfall in Oberösterrech gesichtet.
Der „König der Alpenflüsse“ liebt Fressorgien
Der Huchen gehört zu den größten Fischarten in unserem Land. Er gilt als „König der Alpenflüsse“, erreicht eine Maximallänge von 150 Zentimetern und wird im Extremfall bis zu 50 Kilo schwer. Doch obwohl der imposante Gigant als Raubfisch an der Spitze der Nahrungskette steht, ist sein Fortbestehen stark gefährdet.
Die Donau, ihre größeren Zubringer und einige Alpenflüsse waren einst voll von ihnen, doch heute sind die strömungsliebenden Huchen, auch als „Donaulachse“ bekannt, äußerst seltene Gäste in diesen Gewässern. Als Hauptgrund für ihr Verschwinden gilt – neben der Wasserverschmutzung und mancherorts wohl auch der Überfischung – vor allem der hemmungslose Verbau unserer Fließgewässer.

Zwar ist der Huchen kein typischer Wanderfisch, aber bei der Laichplatzsuche von März bis Mai kann er schon einmal hundert Kilometer flussaufwärts zurücklegen. Denn nur dort, auf gut überströmten, sauberen und sauerstoffreichen Kiesbänken kann sein Nachwuchs zur Welt kommen. Als Kinderstube braucht der Huchen zudem spezielle Schotterkörner von zwei bis vier Zentimeter Durchmesser, in die die fünf Millimeter großen Eier zum Schutz vor Fressfeinden hineinrutschen können.

Die Letzten ihrer Art

„Leider ist der Weg zu geeigneten Geburtsplätzen in Donauzuflüssen heute oft durch Wasserkraftwerke versperrt und es existieren häufig auch keine geeigneten Fischtreppen für den Giganten“, kritisiert die Gewässerexpertin Bettina Urbanek vom „World Wide Fund For Nature“, WWF.

Der Abbau von Kies aus Flussbetten trägt zusätzlich zur Vernichtung von Laich- und Aufzuchtplätzen bei und hat den Raubfisch in die höchste Gefährdungskategorie „vom Aussterben bedroht“ katapultiert.

„Einst besiedelte der Huchen ein Zwölftel unserer Flüsse und damit etwa 2.700 Flusskilometer, nunmehr sind es bloß 1.400“, mahnt Ludwig Vogl, Präsident des Österreichischen Fischereiverbandes.

Immer seltener wird daher auch das eindrucksvolle Laichschauspiel dieser Süßwasserfische, bei dem die Weibchen mit ihren Schwänzen flache Gruben ins Flussbett schlagen und dort etwa 1.000 Eier pro Kilo Körpergewicht ablegen.

„Nach etwa 35 Tagen, bei einer Wassertemperatur von acht bis zehn Grad Celsius, schlüpfen dann die Jungtiere, die selbst schon mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif werden“, weiß der Fachmann.

Sich selbst vermehrende und stabile Huchenpopulationen gibt es hierzulande allerdings nur noch auf rund 250 Flusskilometern in der steirischen Mur, in der Pielach in Niederösterreich sowie in der Gail in Kärnten. Und weil heutzutage bereits der Großteil ihrer natürlichen Laichplätze verschwunden ist, züchten Fischer die Huchen nach und setzen sie in Flüssen aus, um die Population zu erhöhen. „Ohne diesen künstlichen Besatz wäre der ‚Donaulachs‘ bereits ausgestorben“, sagt Vogl.

Huchen aus Wildfang ist deshalb auch auf keiner Speisekarte zu finden, der Verkauf an die Gastronomie verboten. Trotzdem werden Züchtern immer wieder „unmoralische Angebote“ von 100 Euro pro Kilo gemacht. Schließlich gilt der Huchen unter Kennern als die feinste Art unter den Salmoniden, also den Lachsfischen. Vielfach mangelt es den Huchen aber auch selbst an Nahrung. Denn die kräftigen Raubfische haben einen hohen Futterbedarf. Nahezu alles, was hineinpasst, verschwindet in ihren Mäulern. Kiloweise Forellen, aber auch gerne einmal kleine Wirbeltiere wie etwa Amphibien oder im Wasser schwimmende Mäuse oder Entenküken. Biologen berichten, dass bereits wenige Monate alte Huchen gezielt Fischbrutschwärmen folgen und sich jede halbe Stunde einen kleinen Schuppenträger herauspicken.

Weshalb der Huchen von einigen Fischern noch immer als blutrünstiger Konkurrent wahrgenommen wird, der im Zuge seiner Fressorgien ganze Gewässer leerfrisst. Beliebt ist in diesem Zusammenhang jedoch der Vergleich mit fischfressenden Vögeln. So verputzt ein Kormoran, der sich das Winterhalbjahr in heimischen Gewässern aufhält, mehr als 80 Kilo Fisch, also etwa das Vierfache des Jahresbedarfes eines 90 Zentimeter großen
Huchens. Hwie
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