Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 18/2020 vom 27.04.2020, Foto: Peter Just
Josef Kollmann und seine Hüte
Jeder Kopf findet seinen Deckel
Urlauber schätzen das Metnitztal im Nordosten Kärntens wegen seiner heilen Natur. Aber auch Freunde exklusiver Kopfbedeckungen werden dort fündig. In der Ortschaft Metnitz fertigt Josef Kollmann in mühevoller Handarbeit Hüte in den verschiedensten Farben und Formen an. Der 53jährige ist der letzte Hutmachermeister Kärntens.
Da werden‘s jetzt eingesperrt, meine Kinder“, sagt Josef Kollmann mit einem Schmunzeln, während er das etwa einen Quadratmeter große Loch in der Wand mit einer Tür schließt. Seine „Kinder“ sind natürlich nicht aus Fleisch und Blut. Die würden einen Tag bei 90 Grad auch nicht überstehen. Im Gegensatz zu seinen Kindern aus Filz, die diese Behandlung geradezu brauchen. Denn das Einsperren im Trockenraum ist einer der letzten Arbeitsschritte, die Kollmann setzt, um in seiner Werkstatt aus schnöden Filzkegeln außergewöhnliche Kopfbedeckungen zu machen. Der 53jährige Kärntner aus Metnitz ist der letzte Hutmachermeister des südlichsten Bundeslandes.

„Vor 50 Jahren gab es in jedem Ort noch einen Hutmacher. Heute sind wir im ganzen Bundesgebiet höchstens noch eine Handvoll“, sagt Kollmann, der eigentlich gelernter Maschinenschlosser ist. „Nach dem Bundesheer habe ich aber umgesattelt, weil ich meine damalige Frau kennenlernte und bei ihrem Vater in die Hutmacherlehre gegangen bin.“ Im Jahr 1988 hat Josef Kollmann dann die Meisterprüfung gemacht und neun Jahre danach den Betrieb übernommen. Die Hutmacherei „Kollmann“ gibt es aber bereits seit 1868 und wurde immer nur von Männern fortgeführt. „Für Frauenhände ist dieses Handwerk nicht besonders geeignet. Denn die an sich zwar weichen Materialien wie Schafwolle und Kaninchenhaare werden bei großer Hitze in Form gebracht. Da braucht es einen großen Kraftaufwand“, erklärt der Hutmacher.

Ungefähr eine Stunde benötigt Josef Kollmann für die Fertigung eines Hutes, die kegelförmigen Filz-Rohlinge dafür kauft er an. Die Filzwolle kommt aus Amerika, das Kaninchenhaar aus Polen und der Ukraine. „Im ersten Schritt tauche ich den Filzkegel in eine Schellacklösung, eine harzige Substanz, damit der Stoff imprägniert wird. Danach wird der Rohling in einer Walze wieder ausgewrungen. In dem noch feuchten Zustand kommt er dann in den Dampfkessel, wo er bei 100 Grad für eine Minute heiß gemacht wird. Das ist notwendig, um den Stoff zu formen und über die gewählte Hutvorlage aufzuziehen“, erklärt Kollmann, während er routiniert vorzeigt, wie seine Hüte entstehen, von denen sich im Lauf der Jahrzehnte mehr als 1.000 verschiedene Hut- und Kopfform-Prototypen bei ihm angesammelt haben. „Die Grundform lasse ich von einem Tischler entweder aus Holz oder Aluminium herstellen. Viele Formen sind aber schon mehr als 100 Jahre alt. Frauen-, Männer- und Kinderhüte, Trachtenhüte oder lässige Kopfbedeckungen im Stil von Indiana Jones. Für jedes Modell gibt es eine Form. Etwa zwei Drittel meiner Hutkunden sind Männer, hauptsächlich Jäger. Ich mache aber auch viele Sonderanfertigungen. Die Kunden wollen den Hut ja oft passend zum Gewand.“

Um den Kundenwünschen zu entsprechen, hat der Hutmacher etwa 6.000 Filz-Rohlinge in 50 verschiedenen Farben lagernd, aus denen er jedes Jahr 7.000 Hüte formt. Früher waren es freilich wesentlich mehr. Vor 15 Jahren haben noch 30.000 handgefertigte Hüte „Made in Metnitz“ jedes Jahr das Tal verlassen. Zukunft sieht der Hutmachermeister in seiner Arbeit aber noch immer. „Zwar macht mir die Konkurrenz aus Billiglohnländern zu schaffen, aber bei Maßanfertigungen für Musik-, Schützen- und Trachtenvereine bin ich nach wie vor gefragt. Das ist auch mein Hauptgeschäft“, sagt Josef Kollmann. Seine Kunden kommen aus dem ganzen Land, aber auch aus Deutschland. Für 120 Euro ist so eine schicke Kopfbedeckung bereits zu haben, aufwändigere Modelle kosten bis zu 500 Euro.

Nach der Übernachtung im Trockenofen werden die angehenden Kopfbedeckungen schließlich von der Form genommen und die Hutkrempe auf die richtige Breite gekürzt und gebürstet, damit der Stoff seidig-matt wird. „Danach steppe ich den Rand mit der Nähmaschine ab, bügle die Hutkrempe auf und das Kopfteil bekommt je nach Art des Hutes eine Einkerbung, ebenfalls mit Dampf. Anschließend nähe ich im Inneren des Hutes noch das sogenannte Schweißband ein und mit dem Hutband aus Kordeln, Stoff oder Leder bekommt die Kopfbedeckung ihren letzten Schliff“, erzählt Kollmann, der seine Hüte nicht nur versendet, sondern sie natürlich auch im hauseigenen Geschäft verkauft. Geleitet wird es von seiner Exfrau Karin Kollmann, 52. Seit 2006 ist das Ehepaar zwar privat getrennt, beruflich blieben die beiden aber verbunden. Auch die nächste Generation im Hutmachen steht mit Sohn Marko, 27, bereits in den Startlöchern. „Mich fasziniert an meinem Beruf am meisten, dass ich aus diesem unscheinbaren Filzstoff so schöne Hüte zaubern kann. Das Material lässt sich kreativ und vielseitig formen. Es ist eine lustige Arbeit, bei der ich mich entfalte. Diese Leidenschaft möchte ich meinem Sohn weitergeben“, meint Kollmann. Elke Morri
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung