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Ausgabe Nr. 18/2020 vom 27.04.2020, Foto: AdobeStock
In unserem Land werden Frauen durchschnittlich 84 Jahre alt, Männer erreichen hingegen nur 79 Jahre.
Darum leben Frauen länger
Knapp fünf Jahre leben Frauen in unserem Land länger als Männer. Ein bis zwei davon sind biologisch bedingt, der Rest ist durch den Lebensstil der Frauen erklärbar. Experten zeigen auf, welche Vorteile Frauen von Natur aus mitgegeben sind und wie Männer ihren Nachteil wettmachen können.
Ja, Frauen sind anders. Sie essen gesünder, sie trinken weniger Alkohol und gehen häufiger zur Vorsorge. Sie verlieren seltener ihr Leben bei Unfällen als Männer und nur ein Viertel all jener, die sich selbst das Leben nehmen, sind Frauen. Der Lebensstil der Damenwelt macht sich bezahlt, wie die Altersstatistiken zeigen. In unserem Land werden Frauen durchschnittlich 84 Jahre alt, Männer erreichen hingegen nur 79 Jahre. Nun fanden Wissenschaftler heraus, die männliche „Frühsterblichkeit“ hat nicht nur mit dem Lebensstil zu tun.

Frauen haben die „stärkeren“ Gene

Die Kategorien vom „männlich starken“ und „weiblich schwachen“ Geschlecht gelten nicht mehr. Das zeigen nun endgültig unsere Gene.

„Beim Menschen, aber auch bei zweihundert untersuchten Tierarten haben die Weibchen zwei X-Chromosomen, die Männchen aber ein Y- und ein X-Chromosom. Doch das doppelte Geschlechtschromosom ist ‚stärker‘, denn alle wichtigen Erbinformationen sind doppelt vorhanden. Das lässt Frauen und Weibchen länger leben“, verrät die australische Biologin Zoe Xirocostas. Der Grund, gibt es auf einem X-Chromosom eine krankmachende Veränderung, kann das zweite X-Chromosom dies kompensieren. Die Krankheit bricht nicht aus. „Männern fehlt durch das Y-Chromosom ein Teil der genetischen Information. Der männliche Körper ist daher zum Beispiel schlechter in der Lage, der Alterung entgegenzuwirken“, meint Prof. Frank Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit.

Starkes Immunsystem, schützende Hormone, gute Fettpolster

Ein bis zwei Jahre der längeren Lebenserwartung von Frauen sind biologisch bedingt, ist auch die Gendermedizinerin Prof. Alexandra Kautzky-Willer von der MedUni Wien überzeugt. „Frauen verfügen über ein stärkeres Immunsystem, eine medizinisch gesehen günstigere Fettverteilung und einen hormonellen Gefäßschutz aufgrund des Östrogens. Damit sind sie gegenüber Männern, zumindest bis zur Menopause, bevorzugt.“ Eine gesündere Fettverteilung bedeutet eine „birnenförmige“ Aufteilung an Po, Hüften und Oberschenkeln, wie sie meist bei Frauen vorkommt. „Beim ‚Birnentyp‘ treten Gefäßerkrankungen und Stoffwechselstörungen nur geringfügig häufiger auf als bei Normalgewicht“, sagt Prim. Dr. Johann Ecker, ärztlicher Direktor des Landeskrankenhauses Gmunden (OÖ). Bei
Männern lagert sich Fett meist an der Bauchhaut, am Rücken, den Seiten und inneren Organen ab. „Dieses Eingeweidefett sammelt sich rund um Magen, Darm sowie Leber und produziert Botenstoffe. Das setzt Entzündungen in Gang und stellt Hormone her, die Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte erhöhen können.“

Zink fördert Testosteron, Selen senkt das Risiko für Prostatakrebs

Männer können jedoch einiges tun, um ihre Lebenszeit an die der Frauen heranzuführen. Ein Vergleich von Nonnen und Mönchen in deutschen und heimischen Klöstern zeigte, leben beide Gruppen unter den gleichen Bedingungen, werden sie auch fast gleich alt.

Außerhalb von Klostermauern leben Männer freilich anders. Laut Österreichischem Männerbericht gehen sie bei Beschwerden später zum Arzt als Frauen. Sie neigen dazu, sich gesünder zu fühlen, als sie sind, und nehmen
körperliche und psychische Symptome weniger wahr. Diese „Stärke“ ist am Ende ihre Schwäche, eine gesundheitliche „Sackgasse“, die schöne Lebensjahre
kosten kann.

Prim. Dr. Meinrad Lindschinger, Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmediziner, rät Männern, genauer auf ihre Ernährung zu achten. Er verrät, welche Nahrungsmittel Männer öfter auf den Teller legen sollten. „Linsen, Erdäpfel, Hirse, Spinat, Bananen, Schweinefleisch enthalten viel Zink und Selen. Zink ist für die Produktion von Testosteron verantwortlich, Selen senkt das Risiko für Prostatakrebs. Linsen und Haferflocken sind reiche Vitamin-B-Spender. Sie schützen männliche Gefäße. Kürbiskerne und Emmentaler sind reich an Vitamin E, einem für Männer wichtigen Zellschutz.“

Bewegen, lieben und vorsorgen

Zu wenig Bewegung kostet Lebenszeit. Daher empfehlen Ärzte zwei Stunden Ausdauersport und eine Stunde Kraftsport in der Woche. Ist das (noch) nicht möglich, kann durchaus der Alltag als „Fitnesstrainer“ dienen. Die Möglichkeiten liegen sozusagen auf der Straße. „Nehmen Sie statt des Liftes die Stufen. Fahren Sie mit dem Rad zur Arbeit oder zum Einkaufen. Steigen Sie eine Station früher als gewohnt aus dem Bus oder der Straßenbahn und gehen das letzte Stück zu Fuß“, rät ein Sportmediziner.

Zu wenig Bewegung im Liebesleben kann ebenso der Gesundheit schaden. Schlechter, zu wenig oder kein Sex kann unzufrieden machen und die Partnerschaft belasten. Auf die Frage „Wie oft?“ oder „Wann?“ gibt es von Experten jedoch keine allgemein gültige Antwort. Ob häufiger Sex Prostatakrebs vorbeugt, ist ebenso unklar. Gesichert ist, Erektionsprobleme sind oft Hinweis auf Gefäßerkrankungen. Eine Untersuchung beim Hausarzt und Urologen kann beide Probleme aus dem Weg räumen. Studien belegen dazu, Männer in glücklichen Beziehungen werden gesünder älter als Single-Männer und unglückliche Ehemänner.

Ohne Zweifel ist die Redewendung „Vorsorgen ist besser als heilen“ auch für die Männergesundheit gültig. Prof. Alexandra Kautzky-Willer rät Männern daher, das Angebot an Vorsorgeuntersuchungen anzunehmen. „Ab 45 Jahren sollten Männer die Prostata jährlich vom Urologen untersuchen lassen. Ebenso ist eine Harnuntersuchung wichtig, um den bei Männern häufiger auftretenden Blasenkrebs rechtzeitig zu erkennen.“ Und Gleiches gilt für die vorsorgliche Darmspiegelung. Sie gilt als eine der besten Methoden, bösartigen Darmkrebs im Keim zu ersticken.
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