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Ausgabe Nr. 13/2020 vom 24.03.2020, Foto: Thomas & Thomas
James Blunt
„Ein Geisterkonzert zu spielen, klingt fast schon wieder ,cool‘“
Er war gerade auf Tournee, als die Ausbreitung des Corona-Virus James Blunt zwang, seine weiteren Konzerte abzusagen. Doch der 46jährige Brite möchte mit Konzerten, die im Internet zu verfolgen sind, den Menschen daheim Unterhaltung bieten. Wie auch Gianna Nannini, John Legend, Keith Urban oder Robbie Williams. Sein Konzert in Hamburg (D) hat James Blunt noch wie geplant gespielt, allerdings vor leeren Rängen. Nur die Kameras waren dabei, und seine Anhänger im Netz. Wie er diesen Auftritt empfand, erzählte er der WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers.
Herr Blunt, Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie sich heute schon die Hände gewaschen?
Ziemlich oft. Es ist wichtig, den Anweisungen der Gesundheitsbehörden zu folgen. Ich merke, dass das hier auf dem Festland Europa geschieht. Trotz der starken Einschränkungen müssen wir aber Wege finden, unser Leben zu leben.

Haben Sie Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus?
Es geht weniger um mich selbst, sondern um die Schwächeren der Gesellschaft. Wir sollten uns fragen: Wer sind die anderen Menschen, die Angst haben, und wie können wir ihnen helfen? Ich denke da auch an meinen Vater, der mir unheimlich nahesteht. Er hat erst vor Kurzem eine Spenderniere erhalten. Durch das Corona-Virus gibt es jetzt noch mehr Potenzial, dass ich mir Sorgen um ihn machen muss.

Wie haben Sie es empfunden, als mitten in Ihrer Europatour der gesamte Kulturbetrieb zum Erliegen kam?
Das war schlimm. Überall, wo wir waren, hatten wir Riesenspaß, das Publikum war großartig. Auf vielfältige Art war es ein Zelebrieren des Lebens. In Deutschland mussten wir die Tour dann abrupt abbrechen – verständlicherweise. Und jetzt bewegen wir uns in eine andere Richtung der Kommunikation. Unser Hamburg-Konzert haben wir noch gespielt, aber ohne Publikum. Wir übertrugen das Konzert live übers Internet zu den Menschen nach Hause, die derzeit das Gefühl haben, festzusitzen, weil sie nicht mehr hinausgehen sollen. Für mich ist das eine spannende Entwicklung.

Ist es nicht komisch, ein Konzert in einem leeren, aber bestuhlten Saal zu spielen?
Es ist schon etwas Besonderes. Ich erinnerte mich daran, dass ich mir die DVD von „Pink Floyd“ „Live At Pompeii“ angesehen habe. Die Band trat 1971 in einem leeren Amphitheater auf. Dennoch war der Geist dessen, was sich dort einst zugetragen hat, zu spüren. Und genauso fühlte ich in Bezug auf mein Konzert. Da waren leere Sitze vor mir, aber der Geist der Musiker und des Publikums, die hier zuvor Spaß hatten, war immer noch präsent.

Gefällt Ihnen der Begriff Geisterkonzert, den Sie damit prägten?
Geisterkonzert klingt fast schon wieder „cool“.

Die italienische Rocksängerin Gianna Nannini veranstaltete ein „virtuelles Konzert gegen Corona-Einsamkeit“, das sie live aus ihrem Haus in Mailand (Italien) für ihre gebeutelten Landsleute ins Netz lieferte.
Das tun jetzt immer mehr Bands. Wir haben ein Konzert nur für China aufgenommen, dort ging ja gar nichts mehr. Das ist das Fantastische an moderner Technologie: Wir bleiben über unsere Mobiltelefone und Computer in Verbindung. Wir sind in der Lage, solche Konzerte in Echtzeit zu übertragen. Es ist eine gute Möglichkeit, die Isolation zu überwinden und dürfte ein Lebensretter für viele Menschen sein.

Und ein Modell der Zukunft?
Ich glaube schon – definitiv aber für die nächsten Monate. Denn es wird noch einige Zeit so weitergehen, dass wir keine Live-Shows mehr machen können. Es gibt vieles in der modernen Welt, was uns ängstlich werden lässt. Politiker treiben einen Keil zwischen uns, damit sie viele Jahre die Macht über uns haben. Es gibt Vorurteile, die wir gegenüber bestimmten Menschengruppen haben, die uns trennen. Und was wir nun mit dem Corona-Virus erleben, ist, dass wir noch mehr Angst voreinander haben. Insofern sind solche Konzerte im Internet wichtig, weil sie uns vereinen. Wir unterstützen und informieren uns gegenseitig, und wir bleiben miteinander verbunden.

Wie nützen Sie die Zeit der Quarantäne?
Ich kann, wie viele andere arbeitende Menschen auch, ein bisschen Energie auftanken und den Zeiger auf null stellen. Aber für einige Mitarbeiter im Kulturbetrieb wird es schwierig, die wird es finanziell hart treffen.
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