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Ausgabe Nr. 13/2020 vom 24.03.2020, Foto: AdobeStock
Das warme Wetter bewirkt nichts Gutes für Allergiker.
Dieses Jahr gibt es viele Birkenpollen
Bis zu fünf Grad liegt die Tagestemperatur in diesem März über dem Durchschnitt. Die einen freut’s, die Pollenallergiker leiden. Aufgrund des vorzeitigen und starken Pollenfluges quälen sie schon jetzt triefende Nasen, tränende Augen und belastete Atemwege. Ob die Pollenallergiker stärker von dem Corona-Virus bedroht sind, erklärt ein Lungenfacharzt.
Sie blühen heuer im Durchschnitt zehn Tage zu früh und zum Teil mit einer Heftigkeit, die Pollenallergiker in Alarmstimmung versetzen kann. Schuld sind der milde Winter und der zu warme Februar und März.

Temperaturen bis zu 20 Grad und viele sonnige Tage lassen bereits jetzt die normalerweise im April und Mai blühenden Eschen und Birken blühen, wie Uwe Berger, Leiter der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation des Österreichischen Pollenwarndienstes bestätigt. „Durch das sonnige Wetter nimmt von Salzburg bis Wien die Eschenblüte immer mehr Fahrt auf. Auch im Burgenland und den Niederungen der Steiermark erreichen immer mehr Eschen die Blühbereitschaft. Eschenpollenallergiker werden unter einer hohen Symptomlast leiden.“

Heftig wird heuer auch die Blüte der Birke ausfallen, vermuten die Experten. „Die Pollenmenge wird deutlich über dem langjährigen Schnitt liegen, sogar über jener des Vorjahres, die ohnehin hoch war“, informiert Maximilian Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien. Damit wird der beliebte Alleebaum sein biologisches Muster (einer schwächeren Saison folgt eine starke) unterbrechen. „Derzeit sieht es so aus, als würde in allen Regionen eine stärkere Birkenpollensaison bevorstehen, die dazu um rund zwei Wochen früher als üblich beginnt.“

Für Allergiker bedeutet das verstärkte Symptome. „Neben der Pollenmenge hat auch der Verlauf der Saison wesentlichen Einfluss auf die empfundene Belastung. Steigt die Pollenkonzentration langsam an, kann sich der Körper besser auf die Belastung einstellen und empfindet die Saison als nicht so stark. Setzt der Pollenflug jedoch schlagartig ein, so wie das heuer der Fall ist, wird die Saison als stärker wahrgenommen.“

Eine Pollenallergie ist keine Lappalie. Die Lebensqualität ist stark eingeschränkt und unbehandelt verschlimmern sich die Beschwerden. Mit der Zeit kann sich aus Heuschnupfen ein allergisches Asthma entwickeln, mit Husten, Kurzatmigkeit bei Belastung und anfallsartiger Atemnot.

Häufig werden allergische Symptome fälschlich
als viraler Infekt missinterpretiert. „Aktuell verunsi-
chert das besonders, da viele fürchten, an Covid-19
erkrankt zu sein“, sagt Erika Jense-Jarolim vom Insti-
tut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der
MedUni Wien und Vizepräsidentin der Österreichi-
schen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie. Vor allem Husten und Atemprobleme treten bei beiden Krankheiten auf. Der wichtigste Unterschied zwischen Covid-19-Symptomen und denen einer saisonal bedingten Allergie hat mit der Nase zu tun. „Niesen, eine rinnende Nase und eine verstopfte Nase sind Anzeichen einer Allergie sowie Augenjucken. Das kommt bei Covid-19 meist nicht vor“, erklärt Lungenfacharzt Dr. Helfried Feist.

Häufig ist die Covid-19-Erkrankung von Fieber begleitet, das bei einer Allergie nicht auftritt. „Nach heutigem Wissensstand haben Pollenallergiker kein erhöhtes Risiko, an der neuen Viruserkrankung Covid-19 zu erkranken. Sie sollten aber auf jeden Fall dieselben Hygienebestimmungen und Vorsichtsmaßnahmen einhalten wie alle anderen auch.“

Ob nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung eine erhöhte Gefahr besteht, auf Pollen in Hinkunft sensibel oder gar mit Allergien zu reagieren, wird derzeit ebenso verneint. „Von Covid-19 Genesene müssen nichts spezielles befürchten“, beruhigt Dr. Feist. „Wir wissen aber, dass Virusinfekte zu einer Überempfindlichkeit der Atemwege führen können, sodass bei bekannter Pollen-Allergie auch asthmaartige Beschwerden auftreten können. Ob dies verstärkt nach einer Corona-Infektion der Fall ist, weiß derzeit niemand.“
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