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Ausgabe Nr. 12/2020 vom 17.03.2020, Foto: dpa
Eine neue Therapie hilft schmerzhaft entzündeten Sehnen beim Gesunden
Ein Dutzend Nadeln für den „Tennis-Arm“
Er sticht im Gelenk bei jeder Bewegung, manches Mal sogar bei Ruhe. Hinter den hartnäckigen Schmerzen des „Tennis-Arms“ stecken überlastete Sehnen an der Ellbogenseite. Eine neue Therapie hilft, das meist wochenlange Martyrium zu beenden.
Es sind Schmerzen, die den Alltag bestimmen und jeden Handgriff zur Qual werden lassen. Davon weiß Georg Streinik aus Vösendorf (NÖ) ein leidvolles Lied zu singen.

„Ich hatte einen ‚Tennis-Arm‘ und konnte mit meinem linken Arm kaum noch eine Bewegung machen. Sobald der Arm leicht angewinkelt war und ich etwas heben wollte, traten diese ziehenden, stechenden Schmerzen im Ellbogen auf. Nicht einmal das Kaffeehäferl konnte ich mehr heben“, erzählt der 43jährige Gartenbauangestellte.

Georg Streinik hatte einen „Tennis-Arm“, obwohl er diesen Sport nie ausübte, doch der handwerkliche Beruf verlangt viel körperlichen Einsatz, vor allem der Arme. „Beste“ Voraussetzungen, um eines Tages die Sehnen am Ellbogengelenk so zu überlasten, dass sie sich schmerzhaft entzünden. „In der Tat, der ‚Tennis-Arm‘ oder auch ‚Tennis-Ellbogen‘ ist keineswegs eine Erkrankung, die nur bei Sportlern vorkommt. Es können alle wiederholten Bewegungsabläufe des Alltags zur schmerzhaften Überlas-
tung und Degeneration des Sehnen-Streck-Ansatzes am Ellbogen führen“, verrät der Orthopäde und orthopädische Chirurg Dr. Matthias Wlk aus Wien (www.ortho-wlk.at).

Betroffene sind häufig zwischen 40 und 50 Jahre alt und spüren anfangs nur einen stechenden Schmerz, bei der Belastung des Arms. „Beim ‚Tennis-Arm‘ schmerzt die Sehne des kurzen Handgelenkstreckers, die am seitlichen Ellbogen ansetzt. Für die Diagnose untersucht der Orthopäde den Arm und prüft, ob es sich nicht um eine andere Erkrankung handelt, eventuell um einen Gelenksschaden, instabile Bänder oder Nervenschäden. Steht die Diagnose ‚Tennis-Arm‘ fest, gibt es für Patienten eine neue Behandlung, die aus den Niederlanden kommt“, erklärt Dr. Wlk.

Häufig sind Schmerzmittel und entzündungshemmende Injektionen bei „Tennis-Arm“-Patienten nicht zielführend oder ihre Wirkung nur von kurzer Dauer. „Die Kortisonspritze half bei mir ein paar Tage und Schmerztabletten wollte ich nicht nehmen“, erzählt Georg Streinik. Dennoch ist er heute so gut wie schmerzfrei und geht wieder seiner Arbeit nach. Das verdankt der Niederösterreicher einer neuen Therapie, die Dr. Wlk mit der Abkürzung ITEC-Medical vorstellt.

„Bei dieser Behandlung wird in die erkrankte Ellbogensehne Eigenblut oder Blutplättchenplasma injiziert. Damit werden die Durchblutung und Erholung der Sehne angeregt. Studien haben gezeigt, dass mittels dieses neuen patentierten Injektionsverfahrens die Heilungschanchen im Vergleich zu derzeitigen Therapien deutlich größer sind.“

Der Apparat kann beim ersten Anblick ein wenig Angst einflößen. Das ist den zwölf kleinen Nadeln geschuldet, die in die Sehne stechen sollen. „Nein, Schmerzen bereitet die Behandlung nicht. Die Patienten erhalten zuvor eine lokale Betäubung“, versichert Dr. Wlk, der in einem ersten Schritt mit einer Ultraschalluntersuchung misst, wie tief die zu behandelnde Sehne liegt.

„Das Injektionssystem hat eine Automatik, so dass exakt in die Sehne gestochen wird und über zwölf Mikrolöcher gleichzeitig das Eigenblut oder Plasma in die Sehne injiziert wird.“ Das klingt brutal, ist es aber nicht. „Ich war überrascht, dass ich nichts gespürt habe“, erinnert sich Herr Streinik.

Die Behandlung dauerte nur wenige Sekunden. „Danach gab es keinen Verband. Nur den Rat, den Arm in den nächsten Tagen zu schonen. Das habe ich gemacht, und anschließend, wie empfohlen, meine Dehn- und Muskelaufbauübungen. Heute, drei Monate später, bin ich so gut wie schmerzfrei.“

Nach der Behandlung, räumt Dr. Wlk ein, kann sich der behandelte Ellbogen für ein paar Tage schwerfällig und schmerzhaft anfühlen. Daher ist die Schonung empfohlen. Für eine vollständige Genesung braucht es mindestens 16 Wochen. Ein Ziel, das sieben von zehn „Tennis-Arm“-Patienten mit der neuen Nadel-Methode erreichen.

Die ITEC-Behandlung wird nicht von den Krankenkassen bezahlt. Die Kosten von 350 Euro bis 500 Euro müssen die Patienten selbst übernehmen.
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