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Ausgabe Nr. 12/2020 vom 17.03.2020, Foto: Stippich
Die Blondine wird von ihren „Sugardaddys“ mit Luxusartikeln verwöhnt.
„Ich lasse mich von zwei Männern aushalten“
Sie ist jung, attraktiv und liebt den Luxus. Eva Moser ist ein sogenanntes „Sugarbabe“. Die Studentin lässt sich von zwei älteren, reichen Männern ihr Leben finanzieren. Im Gegenzug „schenkt“ die 25jährige ihren „Sugardaddys“ Aufmerksamkeit, Zeit und mehr als nur Zärtlichkeit.
Im schwarzen Negligé sitzt Eva Moser (Name von der Redaktion geändert) an ihrem Schminktisch. Sorgfältig trägt sie ihr Make-up auf. Verführerisches Rot schimmert auf ihren Lippen. Zufrieden betrachtet sie ihr Spiegelbild, während sie Parfum aufs Handgelenk sprüht. Dann schlüpft die attraktive Blondine in ihre Pumps, hüllt sich in den Webpelz-Mantel und steigt ins Taxi, das schon vor dem Haus wartet.

Die 25jährige fährt zu ihrer „Arbeit“, und zwar zu Paul, einem 45jährigen Manager. Der hat ihr vor Kurzem eine Sonnenbrille von Versace bezahlt. „Ich sage Paul, welche Luxusartikel ich haben möchte, und er überweist mir das Geld dafür. Im Gegenzug bekommt er von mir Sex, das haben wir so vereinbart. Für die Brille wollte er, dass ich eine halbe Stunde mit ihm verbringe. Die Brille hat so um die 250 Euro gekostet. Ich würde sagen, das ist kein schlechter Stundenlohn“, sagt Eva Moser.

Die Klagenfurterin ist ein „Sugarbabe“, also eine junge, attraktive Frau, die nach „Sugardaddys“, also zahlungswilligen, älteren Männern sucht. „Sugardaddys“ gehen mit ihrem „Sugarbabe“ essen, in die Oper oder verbringen gemeinsame Urlaube. Im Gegenzug dafür bekommt das „Sugarbabe“ Kleidung, Schmuck und Taschengeld. In den meisten dieser Beziehungen sind Intimitäten ein Teil der Vereinbarung.

Das mag für den einen oder anderen nach Prostitution klingen. Nicht für Nicole Kienzl. „Im Gegensatz zur Prostitution handelt es sich hier nicht um entpersonalisierten Sex, sondern durchaus um eine Form der Beziehung. Beide Beteiligten ziehen einen Nutzen daraus, jedoch werden unterschiedliche Bedürfnisse befriedigt. Dabei gelten individuelle Kriterien, die für Außenstehende nicht plausibel sein müssen. Nicht nur die ,Sugarbabes‘ profitieren, auch die ,Sugardaddys‘ gewinnen aus der Beziehung. Die jungen Frauen bringen den gewünschten Schwung und Vitalität in den Alltag der reiferen Herren“, sagt die Sexualtherapeutin.

Eva Moser hat ihre beiden „Sugardaddys“ über die Plattform www.mysugardaddy.at kennengelernt. Vor zwei Jahren hat sie sich dort angemeldet. „Ich studiere noch und wollte einen Mann, der genug Geld hat, um mich finanziell zu unterstützen. Ich habe mich auf der Internet-Plattform angemeldet und nach nur einer Stunde wollten sich 20 Männer mit mir treffen. Ich habe mich für den 69jährigen Kristof entschieden, weil er mir so nette Zeilen geschrieben hat. Er hat zwar schon eine Halbglatze und ein Doppelkinn, aber einen sympathischen, feinen Charakter“, meint die 25jährige.

„Er hat schon seine speziellen Wünsche“

„Da er gerne gut isst, lädt er mich in die besten Restaurants in der Umgebung ein. Er kann überaus charmant sein, erzählt mir aus seinem Leben und ich mag seinen Humor. Kristof zahlt mir meine Wohnung, die 1.100 Euro im Monat kostet. Für zwölf Stunden, die ich mit ihm verbringe, bekomme ich 1.290 Euro, für einen ganzen Tag das Doppelte. Durchschnittlich treffen wir uns drei ganze Tage im Monat, damit komme ich auf knapp 8.000 Euro. Wenn wir verreisen, zahlt Kristof natürlich alles. Er kann sich‘s leisten. Vor ein paar Jahren hat er sein Unternehmen verkauft und dafür mehrere Millionen Euro bekommen. Er gönnt sich sogar noch ein zweites ,Sugarbabe‘, wobei er meint, dass er mich lieber mag. Es ist durchaus vorteilhaft, wenn der Mann Gefühle für sein ,Sugarbabe‘ entwickelt. Dann ist er natürlich noch großzügiger und spendabler“, meint Moser.

Obwohl sie sich mit Kristof gut versteht und sie es schätzt, dass er seinen Körper pflegt, ist es für die Klagenfurterin nicht selbstverständlich, mit ihm intim zu werden. „Er hat schon seine speziellen Wünsche, die ich eigentlich nur erfüllen möchte, wenn ich in einen Mann richtig verliebt bin. Und das bin ich in Kristof definitiv nicht. In diesen Phasen helfe ich mir, indem ich einfach nur ans Geld denke“, gibt die 25jährige offen zu.

„Auch in herkömmlichen Partnerschaften, also in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft, kommt es vor, dass ein Paar Sex hat, obwohl beispielsweise die Frau keine Lust hat. Sie tut es einfach dem Mann zuliebe. Die Beweggründe können also komplex sein. Sex per se muss nicht immer Spaß machen“, weiß die Sexualtherapeutin Kienzl.

Das Schlimmste, was einem „Sugarbabe“ passieren kann, sei, sich in den „Sugardaddy“ zu verlieben, ist Eva Moser überzeugt. „Paul, mein zweiter ,Sugardaddy‘, war im Gegensatz zu Kristof nie verheiratet und ist kinderlos. Er ist attraktiv, selbstbewusst und immer zärtlich zu mir. Wenn wir uns treffen, haben wir wirklich nur Sex und plaudern danach ein bisserl. Er ist nicht daran interessiert, mit mir essen zu gehen oder ein Konzert zu besuchen. Als ich ihn direkt darauf ansprach, meinte er, ich sei für ihn nicht die Frau, mit der er sich öffentlich zeigen möchte. Sollte er sich je fest binden, müsse seine Freundin ihm beruflich und gesellschaftlich ebenbürtig sein. Zack, das tat mir weh. Ich zeigte ihm aber nicht, wie sehr er mich damit verletzt hatte. Dafür bekam er meine Kränkung anders zu spüren. Bei unserem darauffolgenden Treffen musste er im wahrsten Sinne des Wortes tiefer in die Tasche greifen und mir eine von Louis Vuitton bezahlen“, erzählt Moser.

Warum der 45jährige dann nicht gleich die Dienste einer Edelprostituierten in Anspruch nimmt? „Genau das habe ich ihn gefragt. Er meinte, er hätte zu viel Angst vor Geschlechtskrankheiten. Bei einem ,Sugarbabe‘ sei er sich jedoch sicher, dass die Frau nicht mit extrem vielen Männern ins Bett geht. Wir haben auch immer geschützten Sex, das ist ihm äußerst wichtig.“ Wie lange
Moser noch als „Sugarbabe“ arbeiten möchte, steht noch in den Sternen. „Zumindest so lange, bis ich mit
meinem Studium fertig bin. Allerdings finde ich an meiner Beschäftigung immer mehr Gefallen. Ich habe
mir schon ein Auto gekauft, lebe in einer Luxus-Wohnung und habe keine offenen Rechnungen. Ich bezweifle, nach meinem Studium je eine Arbeit zu finden, mit der ich nur annähernd so viel verdiene.“ morri
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