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Ausgabe Nr. 12/2020 vom 17.03.2020, Fotos: zVg, instagram
Mario Viska (32, rechts) ist im Computerspiel „FIFA“ der erfolgreichste virtuelle Kicker unseres Landes.
Dominik Hofmann (22, links) gewann 2019 die erste „eF1-Meisterschaft“.
„Wir spielen und gewinnen trotz Virus-Krise“
Sie schießen, lenken und bremsen im Ledersessel der eigenen vier Wände, während draußen auf den Fußballfeldern und Rennbahnen der reale Sport zum Erliegen kommt. Die E-Sport-Asse (elektronischer Sport) an ihren Spielekonsolen und Bildschirmen, Mario Viska, 32, Fußball-EM-Dritter, und Dominik Hofmann, 22, erster heimischer E-Formel-1-Meister, gewinnen trotz Corona-Virus weiter an den Knöpferln, die ihre Welt bedeuten.
Ihre Echtsport-Idole sind auf Wochen hinaus lahmgelegt.
Der Rapid-Kapitän Stefan Schwab kann mit seinen Kollegen, was Bewerbsspiele betrifft, derzeit nur Daumen drehen, der Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton weiß nach der Saisonauftakt-Absage nicht, wie es weitergeht.

„Ich sehe das Corona-Virus, was meinen Sport betrifft, relativ gelassen“, verrät hingegen Mario Viska, 32, der im Bereich der als Video- und Computerspiel „FIFA“ bekannten Fußball-Sportsimulation der erfolgreichste virtuelle Kicker unseres Landes ist. Sechs Mal wurde er an der Spielekonsole deutscher Meister, ein Mal sogar EM-Dritter, gerade eben schloss er im Dienst von Rapid die „eBundesliga“, wo die heimische Fußballmeisterschaft virtuell nachgestellt wird, als Tabellenfünfter ab. Sein E-Sport macht praktisch nie Pause, zwar mussten große Finalturniere mit viel Zusehern abgesagt werden, doch stattdessen spielen die Zocker nun vermehrt online, also vom per Internet verbundenen PC daheim aus.

Dabei kann Viska nicht nur jederzeit privat mit einem Freund etwa die derzeit ausgesetzte Bundesliga-Schlagerpaarung Salzburg gegen Rapid virtuell wahrmachen. „Es gibt auch große Massen-Online-Bewerbe für alle Spielniveaus“, weiß er. „So geht etwa an den kommenden Wochenenden die rein in den Wohnzimmern ausgetragene ,Champions Weekend League‘ in Szene, in der vom virtuellen Messi bis zu Ronaldo die besten Kicker der Welt über den Bildschirm flitzen.“ Die Teilnehmer stellen sich dort eigene Mannschaften mit den Charakteren der echten Fußballwelt zusammen. Dafür müssen sie zwar anfangs zwei- bis viertausend Euro für ein virtuelles „Vereinsbudget“ bezahlen, verdienen aber später auch Preisgeld. An den Knöpferln ihrer Spielekonsolen können die Spieler ihre virtuellen Ronaldos dribbeln lassen, für diese Fingerfertigkeit übt Viska bis zu sechs Stunden täglich.

Damit der von Sponsoren mit einem Grundgehalt finanzierte Wiener Profi für seine Heimsitzungen gut gewappnet ist, hat er sich ein Spielezimmer eingerichtet, das alle Stückerln spielt. „Ein hochqualitativer Spiele-Sessel kostet 400 Euro und ein guter Spiele-PC 2.000 Euro“, berichtet er, der einiges in sein Allerheiligstes investiert hat. „Dazu habe ich Mikrofone, mehrere Spielekonsolen mit den dazugehörigen Bedienelementen, drei erstklassige Monitore und kleine Scheinwerfer, damit ich selbst in der Kamera gut zu sehen bin.“ Gerade bei seiner Tätigkeit als Trainer für Konsolenspieler hofft Viska nun auf eine Steigerung trotz Corona-Virus. „Da meine Trainingseinheiten vor allem online stattfinden, könnte es sein, dass nun manche angesichts vermehrter Aufenthalte daheim mehr Zeit für eine Übungseinheit mit mir haben als sonst“, vermutet er.

Ebenfalls eine beachtliche zweistellige Anzahl von Stunden wöchentlich verbringt Dominik Hofmann, 22, vor seinem Spiele-Bildschirm. Der selbst früher als Kartfahrer aktive Tiroler gewann 2019 die erste „eF1-Meisterschaft“ (elektronische Formel 1), einen vom heimischen Sportvermarkter Harry Miltner mitbegründeten europäischen Formel-1-Simulationsbewerb. „In meiner Szene der Formel-1-Konsolenspiele gibt es darüber hinaus viele Rennligen wie etwa ,Apex Online Racing‘, wo sich auch jetzt trotz Corona die Könige der Konsolenwelt messen“, erzählt Hofmann, der auf dieser Plattform im vorigen Jahr die Gesamtwertung gewann. Am kommenden Sonntag bestreiten die Konsolen-Asse den Großen Preis von Silverstone, während der zur selben Zeit angesetzte reale Grand Prix von Bahrain abgesagt wurde. Für seine PS-Abenteuer hat sich Hofmann den „Heimarbeitsplatz“ wie ein Formel-1-Cockpit eingerichtet. Neben der von ihm bevorzugten Konsole „Play Station 4“ verfügt er über einen speziellen Sessel, große Monitore und ein Gaspedal. „Alleine mein Lenkrad hat mit 1.500 Euro preislich schon fast Formel-1-Dimensionen“, schmunzelt er.

Im April will Hofmann noch einen Schritt weitergehen und sich für „F1 Esports“ qualifizieren, die große offizielle Serie der Formel 1, wo die weltbesten Knöpferldrücker am Start stehen und 450.000 Euro Preisgeld ausgeschüttet werden. „Dort ist es wie in der echten Formel 1, jedes Team wie Ferrari sucht sich zwei Stammfahrer unter den besten Konsolenspielern aus, die die virtuelle WM bestreiten“, berichtet Hofmann. „Einziger Unterschied ist, dass die Autos alle gleich stark sind, also theoretisch auch
ein McLaren gewinnen kann.“ W. Kreuziger
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