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Ausgabe Nr. 12/2020 vom 17.03.2020, Fotos: AdobeStock, Flora Press
Kuhschelle – Hübsch pelzig, aber giftig
Die gefährliche Schöne
Wenn der erste Kuckuck ruft, so die Legende, läuten auch die Blütenglocken der Kuhschellen. Mit ihren behaarten Blüten gehören sie zu den frühesten heimischen Wildblumen und sind daher bei Bienen und Hummeln heiß begehrt. In der freien Natur sind die giftigen Schönheiten aber äußerst selten geworden und stehen unter Naturschutz.
Unter all den Frühlingsboten ist eine, die durch ihre Schönheit und Eleganz besonders heraussticht – die Kuhschelle.

Ihre gefiederten Blätter sowie auch die etwa vier Zentimeter langen, meist rosa-violetten Blüten, sind von silbrigen Haaren umrandet. Das lässt sie zierlich und pelzig erscheinen und wärmt die Frühaufsteherinnen bei späten Kälteeinbrüchen.

„Im Sommer sorgt der Pelzmantel dafür, dass die zarten Blätter der Kuhschelle weder zu viel Wasser verdunsten noch in der sengenden Sonne verbrennen. Gleichzeitig kann die bis zu einem Meter ins Erdreich wachsende Pfahlwurzel das Wasser aus tiefen Bodenschichten hinaufsaugen“, erklärt Gärtnermeister Martin Haberer. In der Mitte der Blüte besitzt die mehrjährige, krautige Pflanze zudem viele dottergelbe Staubbeutel, die einen perfekten Farbkontrast zu den Blüten bilden.

Aber nicht nur Bienen und Hummeln lieben den Nektar der Kuhschelle, „auch Ameisen stürzen sich darauf und gelten als Nektardiebe, da sie keine Bestäubung vollziehen“, sagt der Experte.

Mit den milchgebenden Weidetieren hat die Pflanze aus der Gattung der Hahnenfußgewächse freilich nichts am Hut. Ihr Name ist auf die glockenförmige Gestalt der halbgeöffneten Blüte zurückzuführen. „Die Verkleinerungsform ‚Kühchen‘ hat dann zur ebenfalls gebräuchlichen Bezeichnung ‚Küchen‘-Schelle geführt“, wissen Botaniker.

Der im Volksglauben weit verbreitete negativ gefärbte Name „Teufelsbart“ lässt hingegen auf die Tatsache schließen, dass alle Teile dieser Pflanze giftig sind. Schließlich reizt der Saft in frischen Blättern, Blüten und Wurzeln die Haut und Schleimhäute so stark, dass sich bei bloßer Berührung Blasen, Verätzungen und Entzündungen einstellen können.

Landstreicher und Bettler hatten in früheren Zeiten ihre Arme und Beine sogar des Öfteren mit dem Extrakt der Kuhschelle eingerieben, um aufgrund der Entzündungen größeres Mitleid zu erregen und mehr Almosen zu bekommen.

In unserem Land leuchten die Blüten der „gefährlichen Schönen“ meist schon ab Anfang März auf sonnigen, mageren und trockenen Wildwiesen. „Die Kuhschelle ist zu dieser Zeit zwischen 15 bis 20 Zentimeter hoch. Vier bis sechs Wochen nach der Blüte schießt das Gewächs jedoch auf fast das Doppelte in die Höhe und die Samenstände reifen heran. Auch sie sind durch ihre langen, silbrigen Haare eine Augenweide“, schwärmt der Gärtnermeister.

In der freien Natur ist die Kuhschelle durch die Auswüchse der modernen Landwirtschaft und den verstärkten Einsatz von Düngemitteln allerdings bereits selten geworden und steht unter Naturschutz.

Daher sollten Pflanzenfreunde sie auch nicht einfach irgendwo ausgraben, sondern beim örtlichen Blumenhändler käuflich erwerben. Immerhin gedeiht die Gewöhnliche Kuhschelle auch im Garten, „wenn wir sie nicht verhätscheln, sondern ihr einen Standort bieten, wie sie ihn in der Natur gewohnt ist“, weiß Haberer. Prinzipiell lieben Kuhschellen warme, kalkhaltige Standorte. Besonders gut zur Pflanzung im Frühjahr oder Herbst eignen sich deshalb sonnige Steingärten. „Das Wichtigste ist dabei ein gut durchlässiger Boden. Denn die klassischen Pflanzen im Steingarten vertragen Staunässe nicht“, weiß der Profigärtner.

Wer seinen Kuhschellen jedoch eine Heimat im Topf auf dem Balkon bieten möchte, wählt einfach ein hohes Gefäß mit vielen Löchern am Boden und füllt es mit einem wasserdurchlässigen Substrat aus mineralischen Anteilen und Humus auf. Als Sorte empfiehlt der Fachmann die weißblühende „Alba“. Wer es allerdings lieber bunt mag, der sollte sich die Sorte „Papageno“ zulegen.

Und was „faule Gärtner“ ganz besonders freut – Düngegaben und regelmäßiges Gießen sind bei den robusten Pflänzchen kaum nötig. Hwie
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