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Ausgabe Nr. 12/2020 vom 17.03.2020, Foto: AdobeStock
Der Unterricht ist ausgesetzt
Daheim statt Klassenzimmer
Für 1,1 Millionen Schüler gibt es bis zu den Osterferien keinen Unterricht mehr. Für Schüler und Lehrer ist die „Überbrückungsphase“ Neuland. Übungsblätter eher für die Kleineren und
„E-Learning“ für die Älteren sollen den direkten Kontakt im Klassenzimmer ersetzen.
Die Schule wird geschlossen, der Unterricht geht weiter“, ist ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann optimistisch. Für 1,1 Millionen Schüler ist bis Ostern unterrichtsfrei. Allerdings, so warnte der Unterrichtsminister in einem Brief an die Eltern: „Vermeiden Sie bitte jedenfalls eine Betreuung durch die Großeltern, besonders im Risikoalter ab ungefähr 65 Jahren.“ Denn Ältere haben angesichts
des neuen Corona-Virus ein höheres Risiko. Für Kinder unter 14 Jahren, die nicht daheim betreut werden können, soll es Betreuung in der Schule geben, möglichst in Kleingruppen.

Ältere Schüler sollen etwa über das Internet mit dem Lehrer kommunizieren und auf digitalem Weg Aufgaben lösen. Sogenanntes „E-Learning“ löst den direkten Kontakt zum Lehrer im Klassenzimmer ab. „Es gibt Plattformen, das elektronische Klassenbuch oder Microsoft-Teams, an den technischen Möglichkeiten wird der Fernunterricht nicht scheitern. Im Grunde reichen ja Mailadressen“, erklärt eine Oberstufen-Lehrerin. „Die Schülerinnen und Schüler sind bei uns alle gut ausgestattet. Vieles geht auch per Mobiltelefon, aber ein Laptop wird auf jeden Fall besser sein. Immerhin müssen Texte geschrieben werden. Aber sie schreiben vielleicht auch handschriftliche Texte und schicken dann ein Foto davon. Sie fotografieren ständig alles, also warum nicht auch das.“

„Corona-Ferien“ sollen es jedenfalls für die Schüler nicht sein. „Die Bearbeitung des zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterials fließt in die Leistungsbeurteilung ein und ist wie eine Hausübung beziehungsweise Mitarbeit zu zählen“, heißt es auf der Internet-Seite des Unterrichtsministeriums.

„Bei uns ist es schon so, dass wir Material zur Verfügung stellen und auch Leistungen entsprechend von den Schülern per genauem Termin einfordern müssen“, sagt die Oberstufen-Pädagogin. In Deutsch heiße das etwa Texte schreiben, Bücher lesen und Fragen dazu beantworten. „Natürlich müssen wir die Schülertexte korrigieren, das geht in Word ganz gut.“

Die vermehrte Nutzung des Internets soll aber nicht zu einer Überlastung führen. „Es gibt keinen Grund zur Sorge, das Netz wird standhalten“, heißt es etwa bei A1.

Maturanten bereitet jedoch vor allem die Frage nach der Abhaltung der Zentralmatura Kopfzerbrechen. „Bis vergangenen Freitag sind wir noch davon ausgegangen, dass zumindest die Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeit planmäßig stattfinden wird“, erzählt eine 17jährige. „Am Sonntag hat uns dann ein Mail von der Schule erreicht, dass sie abgesagt wurden. Wir fragen uns jetzt natürlich, wie das mit der Matura wird.“

Die Zentralmatura sollte eigentlich heuer vom 5. bis 13. Mai stattfinden. Das Parlament hat jetzt aber dem Bildungsminister eine Verordnung ermöglicht, die Änderungen gegenüber dem üblichen Ablauf und Zeitpunkt erlaubt.

Bei den jüngeren Kindern, etwa in der Volksschule, sind Übungsblätter für die drei „schulfreien“ Wochen ausgeteilt worden. „Zum Beispiel für Deutsch oder Mathematik“, erzählt die Mutter eines Neunjährigen. „In der Schulbetreuung werden dieselben Beispiele bearbeitet. Und die Kinder sollen daheim viel lesen.“

Doch so mancher Lehrer fühlte sich in der vergangenen Woche, nach der Ankündigung des Unterrichts-Stopps allein gelassen. „Bei uns an der Schule herrscht absolutes Chaos, wie das mit dem E-Learning überhaupt umsetzbar ist. Viele meiner Schüler wohnen am Berg, wo sie keine Internetverbindung haben“, erzählte eine Pädagogin, die an einer Neuen Mittelschule unterrichtet.

In Italien, wo die Schulen seit 5. März geschlossen sind, entfallen 75 Millionen Unterrichtsstunden. Zehn bis 15 Millionen davon werden laut Schätzungen durch den Fernunterricht wettgemacht. Verschiedene Mobiltelefon-Anbieter stellen freiwillig gratis mehr Datenvolumen für das „E-Learning“ zur Verfügung. Aber mancher sieht die Einschränkungen auch als Chance für das „System Schule“. Denn das Netz stellt auch viele neue Lernmöglichkeiten zur Verfügung.
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