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Ausgabe Nr. 11/2020 vom 10.03.2020, Foto: AdobeStock
Unerklärlicher Juckreiz könnte an einem zu hohen Blutzucker liegen.
Die Vorboten der Zuckerkrankheit
Mehr als eine halbe Million Menschen sind in unserem Land an Diabetes erkrankt. Die Dunkelziffer wird um einiges höher geschätzt. Um Schäden durch „den Zucker“ zu vermeiden, ist die frühe Diagnose wichtig. Hautprobleme können erste Hinweise sein.
Wunden, die schlecht heilen, sind eine der gefürchtetsten Folgen der Zuckerkrankheit. Schuld sind durch Diabetes verursachte Nervenschäden oder Gefäßerkrankungen, die häufig zu Geschwüren an den Füßen oder Unterschenkeln führen. Wunden, die kaum noch oder nur dank intensiver Wundtherapie heilen. An diesem schmerzhaften Schicksal leidet jeder zehnte Diabetiker in unserem Land.

Hautprobleme sind aber keineswegs nur mögliche Folgeprobleme einer nicht oder nicht ausreichend behandelten Zuckerkrankheit. Sie können, in anderer Art und Weise, bereits die ersten Zeichen dieser gefährlichen Stoffwechselerkrankung sein, wie Experten vor Kurzem veröffentlichten. „Diabetes und Haut stehen in enger Wechselbeziehung“, bestätigt Prof. Dr. Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Zwischen 30 und 70 Prozent aller Diabetes-Patienten weisen Symptome und Erkrankungen der Haut auf.“

Experten gehen davon aus, dass mehr als 50 Hautkrankheiten in Verbindung mit Diabetes auftreten. Warum sich die Erkrankungen gegenseitig beeinflussen, ist nicht restlos geklärt. „Vermutlich begünstigen Entzündungen, Ablagerungen von zuckerhaltigen Substanzen in der Haut und die geschwächte Immunabwehr Pilz- und bakterielle Infektionen“, erläutert die Hautärztin Prof. Claudia Pföhler und beschreibt Veränderungen der Haut, die auf eine unentdeckte Zuckerkrankheit hinweisen können.

Bräunliche Flecken am Schienbein

Zu den häufigsten Hauterscheinungen bei Menschen mit Diabetes gehören bräunliche, narbenähnliche, rundliche Flecken, die sich meist über dem vorderen Schienbein zeigen. Die diabetische Dermopathie, wie die Pigmentveränderungen in der Fachsprache heißen, findet sich bei bis zu 70 Prozent aller DiabetesPatienten. „Sie ist oft das erste Anzeichen eines nicht erkannten Diabetes“, berichtet Dr. Pföhler. Wer solche Flecken an Schienbeinen, Unterarmen oder Füßen bemerkt, sollte beim Hausarzt oder Diabetologen seinen Nüchtern-Blutzucker überprüfen lassen. Die gute Nachricht ist, „die Flecken verschwinden, sobald der Diabetes eingestellt ist“, versichert die Hautärztin.

Warnsignal hartnäckige Pilzinfektionen

Ein weiteres Warnzeichen für Diabetes sind stark ausgeprägte, hartnäckige Pilzinfektionen. „Sie befinden sich meist an den Füßen, in den Leisten oder der Achselhöhle, unter der Brust, in der Scheide oder im Analbereich. Chronische Pilzinfektionen mit ihrem quälenden Juckreiz gelten als Marker-Erkrankung für Diabetes mellitus“, bestätigt Dr. Pföhler. Der Hefepilz Candida albicans ist hier der häufigste Erreger. Wer unter Pilzinfektionen leidet, sollte unbedingt nüchtern seinen Blutzucker-Wert messen lassen. „Bestätigt sich die Diagnose Diabetes, wird mit Hilfe einer passenden Therapie der Blutzuckerwert normalisiert. Dann können die Pilzinfektionen oft mit örtlichen Cremes und Zäpfchen erfolgreich behandelt werden.“

Vorsicht bei Nagelpilz

Beim Nagelpilz steht nicht der Juckreiz im Vordergrund, sondern verdickte Nagelplatten, Flecken, Brüchigkeit und Risse. Nagelpilz ist für (unentdeckte) Diabetes-Patienten gefährlich, weil die Nagelschäden als Eintrittspforte für Bakterien dienen, die beispielsweise eine schwerwiegende Wundinfektion, ein Erysipel, auslösen sowie ein diabetisches Fußsyndrom fördern können. „Ein Erysipel macht sich an der Haut als flammende Rötung bemerkbar, die sich rasch ausbreitet, bevorzugt an den Unterschenkeln oder im Gesicht. Die Betroffenen entwickeln meist gleichzeitig hohes Fieber und Schüttelfrost. Es droht die Gefahr einer Blutvergiftung, weshalb sich Betroffene sofort ins Krankenhaus begeben sollten“, rät Professor Dr. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG. Die Behandlung von Nagelpilz ist deshalb keine kosmetische Frage, sondern eine medizinische Notwendigkeit und gehört in die Hände von Fachkräften.

Hauttrockenheit verursacht Juckreiz

Eine verstärkte Hauttrockenheit kann ein Hinweis auf Zuckerkrankheit sein. Der Grund, der Körper versucht, den „Zucker“ durch viel Wasserlassen wieder loszuwerden. Das führt zum Flüssigkeitsmangel und die Folgen sind ständiger Durst und trockene Haut. Diese Hauttrockenheit löst bei Betroffenen einen starken Juckreiz aus. „Die Patienten kratzen sich an Körperstellen, die sie gut erreichen, an oberen Schultern, Armen und Unterschenkeln“, verrät Diabetes-Expertin Dr. Cornelia Woitek. Die Haut weist Einrisse, leichte Schuppung und Rötungen auf. Lässt das Jucken durch Kortisonsalbe oder Antihistaminika nicht nach, sollte der Arzt hellhörig werden. Eine Blutzuckermessung ist dringlich empfohlen. Unstillbarer Juckreiz, der auf keine Therapie anspricht, ist bei Diabetes-Patienten ein Hinweis auf eine Nierenfunktionsstörung.
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