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Ausgabe Nr. 10/2020 vom 03.03.2020, Fotos: zVg, : www.dapic.rocks/David Pichler
Lukas Schnitzer, Paul Stich
Ist Teiltauglichkeit notwendig fürs Heer?
Derzeit gibt es die Tauglichkeitsstufen 0 bis 9. Die Wertungsziffer 0 bedeutet „untauglich“, 1 steht für „vorübergehend untauglich“. Junge Männer in den Stufen 2 bis 4 sind „eingeschränkt tauglich“, der Militärarzt kann Abstriche etwa beim Heben und Tragen verordnen. Ab kommendem Jahr will die türkis-grüne Regierung die Teiltauglichkeit einführen. „Nur wer auf Grund einer körperlichen oder geistigen Behinderung wirklich nicht dazu in der Lage ist“, soll von Heer oder Zivildienst befreit werden.
JA: Lukas Schnitzer,
Junge ÖVP Steiermark:

„Unser Bundesheer steht aktuell vor einigen großen Herausforderungen. 30 Prozent der rund 37.000 stellungspflichtigen jungen Männer sind untauglich, diese benötigen wir aber, um das derzeitige System zu erhalten. Neben personellen Ressourcen, die wir verlieren, entgehen uns auch viele Talente aus den verschiedensten Bereichen. Auch der demografische Wandel spielt hier eine zentrale Rolle. Denn gab es im Jahr 1982 noch mehr als 65.000 17jährige österreichische Staatsbürger, sind es heute nur mehr rund 37.000. Mit der neuen Teiltauglichkeit wirken wir diesen Entwicklungen entgegen und schließen junge Männer nicht mehr kategorisch von Bundesheer oder
Zivildienst aus. Im Gegenteil, wir schaffen die Möglichkeit, dass mehr junge Männer eine sinnstiftende, individuell auf sie angepasste Tätigkeit im Dienst der Gesellschaft leisten können. So können wir nicht nur eine funktionierende
Landesverteidigung und einen effizienten Katastrophenschutz gewährleisten, sondern unterstützen auch die Organisationen, die dringend auf Zivildiener angewiesen sind, wie unsere Blaulicht-Organisationen und Pflegeheime.“

NEIN: Paul Stich,
Sozialistische Jugend:

„Die Debatte um die Teiltauglichkeit ist eine Scheindebatte. Sie lenkt nur von den eigentlichen Missständen ab. Viele junge Menschen sind aus gesundheitlichen Gründen nicht für den Wehrdienst geeignet. Statt darüber zu jammern, zu blockieren und dann die Ansprüche zu senken, sollte die Regierung das Problem an der Wurzel packen und etwas für die Gesundheit der Jugend tun. Dazu beitragen würden etwa flächendeckende Ganztagsschulen, in denen Kinder und Jugendliche jeden Tag gesundes Essen bekommen und eine Stunde lang Sport treiben. Der andere Missstand ist die Ausbeutung junger Männer in Wehr- und Zivildienst.
Als Entlohnung dafür gibt es nur ein mickriges Taschengeld, das in jeder anderen Tätigkeit ein Skandal wäre. Statt die Anzahl an potentiellen Rekruten mit solchen verzweifelten Maßnahmen zu vergrößern, sollte
sich Ministerin Klaudia Tanner ebenso überlegen, warum der Wehrdienst so unattraktiv und unbeliebt ist. Wehrdienst- und Zivildienst sind Arbeit, und jede Vollzeit-Arbeit sollte mit mindestens 1.700 Euro brutto entlohnt werden.“
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