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Ausgabe Nr. 10/2020 vom 03.03.2020, Foto: dpa
Von Kindesbeinen an wichtig. Regelmäßiges Händewaschen, zum Beispiel auch beim Nachhausekommen.
Händewaschen ist der beste Schutz
Noch ist die Zahl der mit dem neuen Corona-Virus Infizierten in unserem Land niedrig. Wie bei Grippeviren kann jeder Einzelne dazu beitragen, die Verbreitung der neuen Krankheitserreger im Zaum zu halten. Worauf es jetzt im Alltag ankommt und wann tatsächlich Grund zur Besorgnis ist, erklären Gesundheits- und Hygiene-Experten.
Seit Wochen überschlagen sich die Meldungen über Neuerkrankungen und Todesfälle durch Infektionen mit dem neuen Corona-Virus SARS-CoV-2. Am Montag meldete die AGES, die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, 16 Fälle einer Infektion mit SARS-CoV-2. Zum Vergleich, in der aktuellen Grippesaison sind bisher mehr als 170.000 Menschen hierzulande an der Grippe (Influenza) erkrankt. Wie es zur Infektion mit Grippe- und/oder Corona-Viren kommen kann und was vorbeugend jeder Einzelne tun kann, verraten diese Antworten.

Welche Form der Ansteckung ist die häufigste?
Die meisten Infektionen passieren durch die Tröpfchen-Übertragung. Das ist die Übertragung der Viren, die durch das Husten oder Niesen von infizierten Menschen in die Luft abgegeben und von anderen eingeatmet werden. Dem folgt die Schmierinfektion. Dabei gelangen die Viren von Oberflächen wie Haltegriffen und Türklinken auf die Hände und dann über das Sich-ins-Gesichtgreifen, also über Augen, Nase oder Mund in den Körper. Die Schmierinfektion ist beim Grippevirus möglich. Beim neuen Corona-Virus müssen wir diesbezüglich noch nicht besorgt sein, weil das Virus bei uns noch zu wenig verbreitet ist.

Die Grippewelle tritt jedes Jahr im Winter bei uns auf. Warum?
In der kalten Jahreszeit finden die Viren in unseren Breiten ideale Bedingungen vor. Es gibt weniger Sonnenstunden und damit weniger UV-Licht. Viren werden durch UV-Licht inaktiv. Zusätzlich verbringen wir im Winter viel Zeit in Räumen, oft mit vielen anderen Menschen. Die trockene Umgebungsluft trocknet die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raumes aus. Die Erreger können leichter in die Schleimhäute eindringen. Das alles ermöglicht eine rasche Übertragung und Verbreitung. Mit dem Frühling ändern sich diese Umweltbedingungen.

Wird sich das neue Corona-Virus wieder zurückziehen?
Das lässt sich zur Zeit nicht sagen. Das Virus ist neu, wir wissen nicht, wie es sich verhält. Daher sind die Vorsichtsmaßnahmen strenger als bei der Influenza, wiewohl es jedes Jahr zwischen ein- und dreitausend Tote in Folge der Grippe bei uns gibt. Auch heuer sind schon Grippe-Tote zu beklagen. Die Gefahr, an der Influenza zu erkranken, ist in den nächsten vier Wochen viel höher, als am Corona-Virus zu erkranken.

Wie kann ich mich schützen?
Wichtig ist häufiges Händewaschen und so wenig wie möglich mit den Händen ins Gesicht zu greifen. Eine Studie hat gezeigt, dass wir uns 23 Mal in der Stunde an die Augen, Nase oder den Mund greifen.

Welche Qualität muss ein Desinfektionsmittel haben, damit es Viren an den Händen abtötet?
Gesunde Menschen sollten sich die Hände desinfizieren, wenn sie mit Infizierten in Berühung gekommen sind. Sonst genügt das gründliche Händewaschen. Um Corona- und Influenza-Viren ausreichend zu eliminieren, müssen Desinfektionsmittel zumindest „begrenzt viruzid“ sein. Das bedeutet, sie sind gegen behüllte Viren wirksam. Grippe- und Corona-Viren sind behüllte Viren, ihre Hüllen sind empfindlich auf Alkohol. Auf den Produkten muss diese Wirkung gekennzeichnet sein. Desinfektionsmittel, die in Krankenhäusern verwendet und in Apotheken verkauft werden, sind entsprechend geprüft. Bei Produkten im Supermarkt sollte nicht davon ausgegangen werden.

Wie desinfiziere ich meine Hände richtig?

Für die hygienische Händedesinfektion werden etwa drei Milliliter Desinfektionsmittel benötigt. Das entspricht etwa dem Volumen einer hohlen Hand. Die Hände, die einzelnen Finger, Fingerspitzen und Nägel 30 Sekunden lang vollständig einreiben. Den Daumen dabei nicht vergessen. Manche Händedesinfektionsmittel sind bereits in 15 Sekunden „begrenzt viruzid“. Das ist auf dem Produkt vermerkt.

Kann ich mich über Nahrung mit dem Virus infizieren?
Nein, nicht in unserem Land. Auch nicht, wenn wir in einem chinesischen Restaurant essen.

Es heißt aber, in China wurde das Virus über den Verzehr von Wildtieren erst auf den Menschen übertragen?
Ja, weil die Speisen mit diesen Wildtieren nicht ausreichend gekocht waren. Gekochte Speisen sind virenfrei.

Erkältungsviren, Grippeviren, neues Corona-Virus –
was kann ich noch tun, um mich nicht zu infizieren?

Wir sollten uns und andere schützen. Das heißt, neben dem gründlichen Händewaschen aufs Händeschütteln verzichten. Bedecken Sie beim Husten und Niesen Mund und Nase mit einem Papiertaschentuch oder mit der Armbeuge. Halten Sie so gut wie möglich Abstand von hustenden oder niesenden Menschen. Vermeiden Sie so gut wie möglich Menschenansammlungen.

Was soll ich tun, wenn ich befürchte, von einer
Corona-Virus-Infektion betroffen zu sein?

Haben Sie sich 14 Tage vor Erkrankungsbeginn in einem Risikogebiet aufgehalten? Hatten Sie Kontakt mit einem Menschen, der sich in diesem Zeitraum in einem Risikogebiet aufgehalten hat? Haben Sie eine schwere Atemwegsinfektion mit Fieber und Husten? Dann kontaktieren Sie die telefonische Gesundheitsauskunft 1450 oder Ihren Hausarzt oder ein Klinikum.

Gibt es beim neuen Corona-Virus auch milde Verläufe?
Ja, die meisten Infektionen mit dem neuen Corona-Virus laufen mild ab. Gefährlich kann es für ältere Menschen
werden, für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Herzerkrankungen, Asthma oder Diabetes. Es sind mehr Männer betroffen. Warum, wissen wir nicht.

Wie wird ein Corona-Virus-Patient behandelt?
Es gibt noch keine spezielle Therapie und keine Impfung. Es werden die Symptome wie Fieber und Husten behandelt sowie der geschwächte Körper gestärkt, um ihn vor zusätzlichen Infektionen zu schützen.

Wann gibt es einen Impfstoff wie bei der Influenza?
Es wird mit Hochdruck an einem Impfstoff gearbeitet. Der Zeithorizont von einem Jahr scheint realistisch.

Die Experten:
Dr. Monika Redlberger-Fritz, Zentrum f. Virologie, MedUniWien;
Prof. Günter Kampf, Experte für Corona-Viren, Univ. Greifswald (D);
Dr. Christoph Klaus, Geschäftsführer eines Arzneimittelunternehmens;
Robert-Koch-Institut-Präsident Lothar Wieler;
Dr. Eva Schmon, Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie Graz.

Bei allgemeinen Fragen rufen Sie 0800/555621
(24 Stunden erreichbar); bei Verdacht auf Ansteckung:
Zu Hause bleiben und die Nummer 1450 wählen.
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