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Ausgabe Nr. 07/2020 vom 11.02.2020, Foto: zVg
Unter den Masken wird geschwitzt. Das Blochziehen ist harte Arbeit.
Die Fließer ziehen an einem Bloch
Alle vier Jahre bricht in Fließ das Fasnachtsfieber aus. An diesem Sonntag ist es wieder soweit. Als Höhepunkt des närrischen Treibens wird der Bloch, eine mehr als 40 Meter lange Fichte, durch den kleinen Ort im Tiroler Oberland gezogen. Begleitet von allerlei schaurigen Figuren wie Hexen, Waldmenschen, Schallnern und sogar Bären.
Ein Umfang von 2,5 Metern, 42 Meter lang und etwa 3,5 Tonnen schwer“, zählt Reinhold Gigele auf und zeigt die riesige Fichte, die sich auf einem Gemeindegrundstück etwas außerhalb der kleinen Tiroler Ortschaft Fließ befindet. An den 220 Jahresringen, die an der Schnittfläche des Stammes gezählt wurden, lässt sich errechnen, dass der Baum beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges schon mehr als 100 Jahre alt war. Umso schöner, dass dem alten Riesen ein würdigeres Ende beschieden ist, als einfach in einem Sägewerk zu landen. Der Baum steht am Sonntag, 16.2., im Mittelpunkt des traditionellen Blochziehens, das nur alle vier Jahre stattfindet.

Schon im Oktober wurde die alte Fichte im nahe gelegenen Görfer Wald auf etwa 1.700 Metern Seehöhe umgeschnitten. Der frühe Termin ist der Höhenlage geschuldet. „Im November kann schon Schnee liegen und dann wird es zu gefährlich“, sagt Gigele, seines Zeichens Obmann des Fasnachtvereins Fließ. Das Fällen machten sich die Männer nicht einfach. „Es hat eine gute Stunde gedauert, bis sie mit der Blattsäge durch waren. Die Motorsäge wurde nur für das Entasten in Betrieb genommen“, weiß der Obmann. Schon vor Ort wurde der Baum in vier Teile geteilt. „Zum einen, weil er so im Gelände besser zu transportieren ist. Aber auch, weil wir im Ort, in den engen Gassen, sonst gar nicht manövrieren könnten.“

Mehr als 4.000 Zuseher werden die Straßen säumen (Eintritt 5,– Euro), wenn der geschmückte Baum auf vier sogenannten Prozen von 50 teils schaurigen Figuren durch den Ort gezogen wird. „Heuer werden auch die ‚Junghexen‘ mithelfen müssen, weil der Baum so schwer ist“, vermutet Gigele. Insgesamt werden am Umzug sogar 250 Masken beteiligt sein. „Ganz vorne sind die sogenannten Waldmenschen vor den Bloch gespannt. Aber wild wird es dann, wenn zwei als Bären kostümierte Teilnehmer von den Bärenfängern eingefangen und ebenfalls vor den Bloch gespannt werden. Denn Waldmenschen und Bären vertragen sich nicht, daher gibt ein eine inszenierte Rauferei“, berichtet der 60jährige von dem Spektakel.

Das sich am Sonntag schon Stunden vorher ankündigt, wenn nach dem Gottesdienst in der Barbarakirche die Bajazzos in ihren bunten Kostümen allerlei Schabernack zu treiben beginnen. „Sie klettern sogar auf den Dächern herum. Etwas, das ich gar nicht gern sehe“, sagt der Obmann. Um Punkt 12 Uhr beginnt dann die Veranstaltung mit dem Lauf der Schallner und Roller vom Mühlbachl zur neuen Mittelschule und wieder zurück. Wo sie dann zum Ziehen des Blochs verdonnert werden. Den Zug ergänzen Figuren wie Zwergelen, Wilderer, Bauern, Kaminkehrer, Zigeuner und Gendarmen.

Eine wichtige Rolle kommt dem Fuhrmann zu, der dafür verantwortlich ist, durch Anweisungen den Bloch durch die Straßen zu steuern. In dessen Kostüm Wolfgang Kathrein schon zum dritten Mal in Folge schlüpft. „Früher hatte der Fuhrmann die Aufgabe, mit dem Schnalzen der Peitsche das Fuhrwerk anzukündigen, damit die Menschen achtgeben sollen. Denn die Ochsen, die vorne gezogen haben, sind nicht ausgewichen“, sagt der 50jährige. Und so kündigt er auch, am Bloch stehend, mit knallender Peitsche das Nahen des großen Gefährtes an. Auf dem er auch hin- und herläuft, um auf Bergauf-Passagen die Roller und Schnalzer, die harte Arbeit leisten, anzuspornen. „A bisserl a Show gehört dazu“, kommentiert er seine Rolle. Die vor vier Jahren etwas verhaltener als sonst ausfiel. „Weil mir zu Beginn, beim Aufsteigen auf den Bloch, die Lederhose im Schritt gerissen ist“, lacht Kathrein.

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung ist das berühmte Fasnachtgericht, bei dem am Hauptplatz bei der Mittelschule über die regionale Prominenz humoristisch Gericht gehalten wird. „Da werden die kleinen Verfehlungen vom ‚Staatsanwalt‘ angeprangert und ein ‚Richter‘ verurteilt die Täter zur Zahlung eines Obolus“, berichtet Gigele. Dann erfolgt ihr Aufstieg zu der eigens errichteten „Sündenmühle“. Erst nachdem die Verurteilten über eine Rutsche wieder unten angelangt sind, gilt ihre Schuld als getilgt. „Die Fließer Fasnacht gilt damit als jene, die ihre Ehrengäste am schlechtesten behandelt“, sagt der Obmann mit einem Augenzwinkern.

Den Abschluss der Fließer Fasnacht bildet die sogenannte Labra. Heiter-kritische Bemerkungen zum Dorfleben in Fließ, in Versform vorgetragen, ergeben einen Überblick über Missgeschicke, aber auch positive Ereignisse der vergangenen vier Jahre.

Bei dem Aufwand, den das gesamte Dorf für diesen Fasnachtbrauch betreibt, verwundert es nicht, dass das Blochziehen nur alle vier Jahre stattfindet. „Mit den ersten Vorbereitungen haben wir schon im Dezember 2018 begonnen“, sagt Reinhold Gigele. Ein zusätzlicher Aufwand, der viel Zeit in Anspruch nimmt. „Würden wir das jedes Jahr durchführen, wären die Ausschussmitglieder von unserem Fasnachtverein schon alle geschieden“, sagt der Obmann schmunzelnd.
Armin Walter
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