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Ausgabe Nr. 07/2020 vom 11.02.2020, Foto: AdobeStock
Das jüngste Testergebnis des Vereins für Konsumenten information sollte Eltern zum Schäumen bringen.
Badezusätze für Kinder sind bedenklich
Sie sprudeln, knistern, glitzern und färben das Badewasser knallig-bunt. Derartige Badezusätze sind bei Kindern beliebt, Eltern graut es vor dem Saubermachen nach dem Bad. Problematischer ist in den Augen der Konsumentenschützer die Liste der Inhaltsstoffe von Kinder-Badezusätzen. Zum Wohle der Kinder lohnt es sich, genau zu schauen.
Kinder in die Badewanne zu bringen, ist mitunter keine leichte Aufgabe. Haare waschen und von oben bis unten mit Seife und Waschlappen abgerubbelt zu werden, klingt in Kinderohren wenig spannend. Ganz anders ist das, wenn sprudelnde „Bade-Bomben“, glibbriger Badezusatz oder bunte Farben die Badewanne „verzaubern“. Praktische Hilfsmittel, die lange Diskussionen ersparen, auch wenn die Badewanne danach manchmal von hartnäckigen Filmen und Farbresten zu säubern ist.

Die sichtbaren Reste oder Spuren von Kinderbadezusätzen sind aber in den Augen der Konsumentenschützer das geringste Problem. Vielmehr sind es in den Produkten enthaltene bedenkliche Substanzen, mit denen Kinder lieber nicht in Berührung kommen sollten. So fanden die Tester des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in zehn von 15 Produkten potenziell allergene Duftstoffe, Azofarbstoffe (= beliebte Färbemittel) oder andere bedenkliche Inhaltsstoffe wie etwa Polyacrylamid. Nur fünf Produkte sind aus Sicht der Konsumentenschützer auch tatsächlich empfehlenswert, wie sie in ihrem neuen Heft (01/20) berichten.

Einige Azofarbstoffe können Allergien auslösen, manche im Tierversuch auch Krebs. Dennoch waren Azofarbstoffe in sechs getesteten Produkten enthalten (in Claires, Crayola, Glibbi Slime sowie in den drei getesteten tetesept Kinder Badespaß-Produkten).

„Für die Herstellung von Badezusätzen sind Azofarbstoffe kein notwendiger Bestandteil. Es ist uns daher unverständlich, warum sie dann ausgerechnet in Kinderprodukten eingesetzt werden“, kritisiert VKI-Chemikerin Birgit Schiller. In fünf Produkten wurden zudem die Duftstoffe Eugenol, Geraniol, Limonene und Linalool gefunden. Diese Duftstoffe seien für ihr allergenes Potenzial bekannt und müssen deshalb laut EU-Kosmetikverordnung auf der Verpackung gesondert deklariert werden.

In den getesteten Badezusätzen von Dresdner Essenz Dreckspatz, Kneipp naturkind und Lüttes Welt fanden sich sogar mehrere dieser Stoffe, verraten die VKI-Tester. Das Glibbi Einhorn Glitzerbad von Simba bestehe wiederum fast ausschließlich aus Polyacrylamid, heißt es. Diese Substanz sorge nicht nur dafür, dass der Boden der Badewanne mit einem gefährlich rutschigen Schleimfilm überzogen werde. Bei Produkten, die aus Polyacrylamid bestehen, kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch Acrylamid enthalten. Acrylamid hat sich in Tierversuchen als erbgutschädigend und krebserregend erwiesen. Darüber hinaus sollte es aufgrund seiner umweltschädigenden Wirkung nicht in Gewässer, Abwasser oder in den Boden gelangen. „Badezusätze sind kein Produkt für den alltäglichen Gebrauch. Für Kinder unter drei Jahren sollten sie ohnehin tabu sein“, gibt Schiller zu bedenken.

Wer trotzdem nicht auf Badezusätze verzichten will, achtet am besten auf die Liste der Inhaltsstoffe. „Je kürzer, desto besser. Aber Achtung, hinter dem harmlos wirkenden Begriff ,Lebensmittelfarbe‘ können sich sehr wohl Azofarbstoffe verbergen.“

Alternativen zu den im Handel erhältlichen Produkten sind freilich die guten, alten Gummi-Badeenten, und
(Groß-)Eltern, die mit ihren Kindern gerne kochen, backen oder basteln, können das nächste Mal Badezusatz selbst herstellen (siehe Rezept oder im Internet: www.blog.vki.at/badezusaetze).
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