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Ausgabe Nr. 06/2020 vom 04.02.2020, Foto: picturedesk.com
Bernhard Schir, am 24. Jänner 1963 in Innsbruck (T) geboren, studierte Schauspiel in Wien. Seit Mitte der 1980er Jahre machte er auch im Fernsehen Karriere. Den Durchbruch schaffte er 1996 als Titel-Held in der Arzt-Serie „OP ruft Dr. Bruckner“.

In der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ mimt er den kühlen Bankdirektor „Hadi“, in „Walking on Sunshine“ den Fernseh-Generaldirektor.

Schir war bis 2008 mit der Schauspielerin Suzan Anbeh liiert. Aus der Beziehung stammt Sohn Jonathan, 16. Der Schauspieler lebt in Berlin (D).
„In einer offenen Ehe würde ich nicht gerne leben“
Er ist beim Film ebenso zu Hause wie auf der Theaterbühne. Ein mit dem renommierten „Nestroy“-Preis ausgezeichneter Schauspieler, der eine Vorliebe für den Tafelspitz hat. Derzeit ist der Tiroler Bernhard Schir, 57, in der Beziehungskomödie „Zwischenspiel“ am Wiener Theater in der Josefstadt zu sehen.
Herr Schir, können Sie Blut sehen?
Können ja, wollen nein.

Das Medizinstudium haben Sie nicht abgeschlossen – am Anblick des Blutes dürfte es also nicht gelegen sein. Oder doch?
Nein, ich bin am Kellertheater Innsbruck spontan für einen Freund eingesprungen – und das hat mir solche Freude gemacht, dass ich das Theater seither nicht mehr verlassen habe.

Nun haben Sie es nur noch mit Film- oder Theaterblut zu tun, haben Sie den Umstieg jemals bereut?
Nein, ich habe es nie bereut. Es ist ein großes Glück, wenn jemand seine Leidenschaft als Beruf ausüben kann.

In Wien, der Stadt Ihrer Schauspielausbildung, sind Sie derzeit im Arthur-Schnitzler-Stück „Zwischenspiel“ zu sehen, und zwar am renommierten Josefstadt-Theater. Ist das für Sie als Max-Reinhardt-Seminarist eine besondere Bühne?
Absolut. Das Theater in der Josefstadt ist einer der schönsten Theaterräume der Welt. Auf dieser Bühne stehen zu dürfen, ist ein großes Privileg. Und inzwischen bin ich diesem Haus natürlich auch verbunden. Meine erste Premiere habe ich im Jahr 1987 gespielt. „Frühlingserwachen“. Damals war ich 24 Jahre alt. Otto Schenk, der damals Intendant der Josefstadt war, hat mich ans Haus geholt. Später habe ich viel gedreht und im Ausland gearbeitet, aber an die Josefstadt bin ich doch immer wieder zurückgekehrt. Das ist schon ein Stück Heimat.

Im Stück „Zwischenspiel“ wollen Sie die Ehe mit Ihrer Frau retten, indem beide Partner außereheliche Liebschaften pflegen. Glauben Sie, dass auf diesem Weg tatsächlich eine Ehe gerettet werden kann?
Vielleicht kann eine Ehe damit gerettet werden – aber das ist dann keine Ehe, in der ich gerne leben würde.

Oder siegt doch letztlich der männliche Stolz und es geht jedem Mann so wie im Stück dem Komponisten Amadeus, der sich in seiner Eitelkeit gekränkt fühlt?
Die gekränkte Eitelkeit ist ein Problem – aber ich fürchte, es gibt noch größere: den Verlust von Nähe und Vertrauen vor allem.

Meinen Sie, dass Frauen solche vereinbarten Seitensprünge eher tolerieren?
Früher war es sicher so, dass Seitensprünge von Männern gesellschaftlich eher toleriert wurden als Seitensprünge von Frauen. Aber inzwischen hat die Gleichberechtigung auch die Seitensprünge erfasst.

Ab welchem Zeitpunkt macht es Ihrer Meinung nach keinen Sinn mehr, eine Ehe retten zu wollen?
Wenn die Partner den Respekt voreinander verlieren, gibt es nichts mehr, worauf sie eine Beziehung aufbauen können.

Fällt Ihnen die Zusammenarbeit mit Maria Köstlinger, die Sie ja aus der Fernseh-Serie „Vorstadtweiber“ kennen, leicht?
Ja, mit Maria zu arbeiten, ist immer ein Vergnügen. Sie ist eine großartige Schauspielerin. Wir haben auf der Bühne und im Film schon oft zusammengearbeitet und ich wünsche mir, dass weitere Arbeiten mit ihr folgen.

In Wien wird nicht nur gut Theater gespielt, sondern auch gut gegessen. Sie sollen ja ein Anhänger des „Rindfleisch-Kaisers“ Plachutta sein. Wie kommt diese Vorliebe bei Ihnen am Teller zum Ausdruck?
Der Tafelspitz von Plachutta ist unschlagbar. Mit Apfel- und Semmelkren. Und natürlich mit Rösterdäpfeln. Darauf freue ich mich immer, wenn ich nach langer Zeit wieder nach Wien komme. Dann ist der Besuch im Hietzingerbräu ein Muss. Dazu trinke ich gern einen gemischten Satz vom Mayer am Pfarrplatz. Für diese kulinarischen Genüsse liebe ich Wien. Da ist Österreich Deutschland weit überlegen.

Kommt mit den Plachutta-Rezepten ein wenig der Geschmack Ihrer Kindheit zurück? Kochen Sie auch nach Rezepten Ihrer Mutter?
Ja, natürlich. Als Innsbrucker bin ich mit der österreichischen Hausmannskost aufgewachsen. Der Tiroler Nusskuchen, den meine Mutter mir immer zu Geburtstagen gebacken hat, den gibt es natürlich auch heute noch zum Geburtstag. Der wird mir gebacken – und ich backe ihn auch selbst.

Derzeit sind Sie nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Fernsehen, in der ORF-Serie „Walking on Sunshine“ zu sehen, die gute Einschaltquoten verzeichnet. Was macht den Erfolg dieser Serie, in der Sie den allmächtigen Generaldirektor des Senders spielen, aus?
Der ORF produziert diese Serie mit einer großen Portion Selbsthumor – und Selbsthumor wirkt immer sympathisch.

Sie wurden im Jahr 2007 mit dem Theaterpreis „Nestroy“ ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Würdigung?
Natürlich sind solche Auszeichnungen eine große Freude. Ich war ja schon einige Male nominiert – das war schon eine wunderbare Anerkennung – aber schöner ist es natürlich, den „Nestroy“ dann auch zu bekommen.

Haben Sie Ihr berufliches Jahr 2020 schon verplant, auch mit einem Urlaub?
Ende Mai beginne ich wieder am Theater in der Josefstadt zu proben. Claus Peymann wird inszenieren. Und im Sommer drehen wir voraussichtlich die sechste Staffel der „Vorstadtweiber“. Ich hoffe sehr, dass dann noch Zeit bleibt, um zu reisen. Gerade beim Film entscheidet sich vieles relativ kurzfristig, also ist es immer schwer zu planen.
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