Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 06/2020 vom 04.02.2020, Foto: All mauritius
Nach dem Besuch eines chinesischen Marktes tauchte das Virus erstmals auf.
Nur keine Panik
Die hohe Bevölkerungsdichte im 1,4-Milliarden-Staat China sorgt dafür, dass sich Viren schneller verbreiten. Doch Panik ist beim neuen Coronavirus „2019-nCoV“ nicht angebracht. Die Grippe ist hierzulande deutlich gefährlicher.
Es war wahrscheinlich ein Markt für Meeresfrüchte und Wildtiere wie Füchse, Krokodile, Schlangen oder Pfaue in der Elf-Millionen-Metropole Wuhan in China, an dem das neuartige Coronavirus seinen Ursprung hat. Bis zu 112 verschiedene Arten solcher Tiere sollen auf dem Markt angeboten worden sein, berichtete eine Zeitung. Die Tiere werden in freier Wildbahn gefangen und an Restaurants, aber auch Private verkauft.

Chinesische Forscher gehen davon aus, dass Fledermäuse der tierische Wirt des Coronavirus „2019-nCoV“ gewesen sein könnten. Mit mehreren Zwischenschritten soll das Virus auf den Menschen „übergesprungen“ sein. Analysen zeigen, dass das neue Virus zu 96 Prozent mit einem bekannten Fledermaus-Virus übereinstimmt. Fledermäuse werden in China gehandelt, ebenso wie Schlangen. Auch sie kommen als Wirte infrage. Das hat eine Untersuchung der Gensequenz des Virus „2019-nCoV“ ergeben.

Coronaviren sind eine große Familie von Viren, „die leichte Erkältungen bis hin zu schweren Lungenentzündungen verursachen können“, heißt es bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). „Coronaviren werden zwischen Tieren und Menschen übertragen.“ Unter dem Mikroskop schauen sie aus wie Kronen oder erinnern an die Sonnenkorona. Daher stammt der Name, vom lateinischen Wort „corona“ für Kranz oder Krone.

Auch das „Schwere Akute Atemwegssyndrom“ (SARS) Anfang des Jahrtausends wurde durch Coronaviren verursacht. SARS hatte wohl ebenfalls seinen Ursprung in China. Rund 8.000 Menschen erkrankten daran, 774 starben. Bei uns gab es keinen Fall. Das neue Coronavirus scheint deutlich weniger gefährlich zu sein. Bis zu drei Prozent der Infektionen könnten tödlich enden, berechneten Experten. Ähnlich wie bei der echten Grippe „sind vor allem alte Menschen und immungeschwächte Personen betroffen“, heißt es bei der AGES.

Für das neuartige Coronavirus gibt es mit Stand Anfang der Woche 17.383 bestätigte Fälle. 17.220 aller bestätigten Fälle wurden in China gemeldet, darunter auch die bisher verzeichneten 361 Todesfälle; ein Mann starb auf den Philippinen. In Europa wurden bisher 23 bestätigte Fälle gemeldet.

Trotzdem hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Das ist seit dem Jahr 2005 möglich, das neue Coronavirus ist der sechste „Notfall“. Zuvor waren die Schweinegrippe, ein Kinderlähmungs-Ausbruch, zwei Mal das Ebolafieber und das Zikavirus der Anlass dafür. Doch WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus beruhigt: „Es ist Zeit für Fakten, nicht Furcht. Es ist Zeit für Wissenschaft, nicht Gerüchte, es ist Zeit für Solidarität, nicht Stigma.“ Die „größte Sorge“ sei, dass sich das Virus auf Länder mit einem schwächeren Gesundheitssystem ausbreite, sagte der WHO-Chef.

Auch der Grünen-Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat, nachdem er eine Anzeigepflicht für das Coronavirus erließ, festgestellt: „Das ist kein Grund zur Panik, aber für verstärkte Vorsorge, Information und Aufmerksamkeit.“ Bei der AGES gibt es zudem ein Info-Telefon zum Coronavirus: 0800 555 621. Von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr lassen sich dort Informationen zu Übertragung, den Symptomen und der Vorbeugung erfragen.

Die echte Grippe (Influenza), die derzeit bei uns viele Menschen ans Bett fesselt, ist hierzulande aber deutlich ernster zu nehmen. In der Saison 2018/2019 sollen an der Virusgrippe rund 1.400 Menschen gestorben sein, mehr als drei Mal so viele wie im Straßenverkehr. Mehr als 100.000 Menschen liegen derzeit mit Grippe oder grippeähnlichen Erkrankungen im Bett.

Beda M. Stadler, der ehemalige Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Bern (Schweiz), listet in der schweizerischen Weltwoche gleich ein paar Gründe auf, warum wir uns vorm Coronavirus nicht fürchten sollten. Einer davon ist: „Für gesunde Menschen scheint die Symptombekämpfung wie bei einer Erkältung ausreichend zu sein, um nicht am Virus zu sterben.“ Aber auch die Tatsache, dass es bereits Impfstoffe gegen
Coronaviren für Katzen, Hunde und Rinder sowie experimentelle Impfstoffe gegen das SARS-Virus gibt. Es werde innerhalb relativ kurzer Zeit möglich sein, „eine Impfung gegen dieses neue Virus zu entwickeln.“

Den Sinn von Atemschutzmasken, wie sie Chirurgen bei Operationen tragen, bezweifeln Experten. Allerdings kann mit einer solchen Maske verhindert werden, dass wir uns unbewusst mit den Händen ins Gesicht greifen. Das tun wir im Schnitt bis zu fünfzehn Mal in der Stunde und übertragen auf diese Weise Krankheitserreger.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung