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Ausgabe Nr. 04/2020 vom 21.01.2020, Foto: imago
Claudia Kristofics-Binder wurde am 5.10.1961 in Wien geboren. Als Eiskunstläuferin wurde sie 1980 Siebente bei den Olympischen Spielen, 1981 WM-Dritte und 1982 in Lyon (Fr.) Europameisterin. Nach der Amateurlaufbahn trat sie bei „Holiday on Ice“ auf. Später studierte sie Sportwissenschaften und arbeitete beim ORF. Heute lehrt sie Eiskunstlauf am Sportinstitut der Universität Wien, besitzt die Firma „CKB Events“ und organisiert Sportveranstaltungen.
Kristofics-Binder hat drei Kinder, Tobias, 33, Delphine, 30, und Niklas, 26.
„Nur bei Männern hatte ich kein gutes Händchen“
Vor 38 Jahren eroberte Claudia Kristofics-Binder, 58, mit EM-Gold die letzte Eiskunstlaufmedaille für unser Land. Bei der Heim-Europameisterschaft in dieser Woche in Graz (Stmk.) gehört die Wienerin zu den Organisatoren. Im Gespräch erinnert sie sich an ihre aktive Zeit zurück und erzählt von den Bürden des Alleinerziehens ihrer drei Kinder.
Frau Kristofics-Binder, seit ihrer Goldenen bei der Europameisterschaft im Jahr 1982 gab es keine Eislaufmedaille mehr für unser Land. Wie weh tut das?
Es ist schon schade. Vor allem für das Land, denn ich selbst bin daher als letzte Medaillengewinnerin immer noch präsent, die Menschen, die älter als 45 Jahre sind, kennen fast alle noch meinen Namen. Bei der Eröffnungsfeier der EM in Graz, die ich künstlerisch gestaltet und choreografiert habe, wollte ich aufzeigen, dass unser Land den Eiskunstlauf geprägt hat wie kein anderes, derzeit sind wir zum Glück nach längerer Pause auch sportlich wieder besser aufgestellt. Unser Tanzpaar Miriam Ziegler und Severin Kiefer ist ständig unter den ersten zehn und unsere 16jährige Staatsmeisterin Olga Mikutina hat unglaubliches Talent.

In Graz kommt es auch zum Stelldichein der Eislaufgrößen alter Tage rund um Trixi Schuba. Halten Sie privat Kontakt?
Nein, die alten Asse sind nicht gut vernetzt. Ich treffe Ingrid Wendel und Trixi Schuba zwei, drei Mal im Jahr, meistens rund um „Holiday on Ice“ im Jänner oder bei Sportveranstaltungen. Manchmal sehe ich noch Emmerich Danzer und die Paarlauf-Olympiasiegerin Sissy Schwarz-Bollenberger. Viele wie Wolfgang Schwarz sind abgetaucht.

Sie sagen öfter, dass Ihnen selbst heute Eislaufen gar keinen Spaß mehr macht.
Damit ist gemeint, dass ich selbst nicht mehr privat auf Eislaufplätze gehe, um Runden zu drehen. Das wäre mir zu langweilig. Aber Eislaufen ist schon noch immer mein großes Thema, ich unterrichte seit 30 Jahren an der Universität Sportstudenten im Eislaufen, gebe Kurse für Volksschullehrer, vermittle mit meiner eigenen Agentur auch Eisläufer für Shows und veranstalte die Breitensportaktion „Heiß am Eis“. Dabei will ich vor allem Kinder und Jugendliche zum Eislaufen animieren, am 4. Februar feiern wir das zehnte Jubiläum am Rathausplatz in Wien.

Sie selbst sind ja schon als blutjunger Teenager zu den Winterspielen gefahren …
Ja, mit 14 Jahren war ich die historisch jüngste Olympiateilnehmerin unseres Landes und werde es auch bleiben, denn das Mindestalter wurde auf 15 hinaufgesetzt. Mit 20 war ich WM-Dritte und mit 21 Jahren Europameisterin. Aus heutiger Sicht erscheint mir meine junge Karriere wie ein einziger großer Eis-
prinzessinnentraum, aber damals war ich zu jung und dumm, um das Großartige daran zu realisieren. Es ging spurlos an mir vorüber, dass ich eine Sportheldin im eigenen Land war.

Sie flitzten damals nur für Gotteslohn und die Ehre übers Eis?
Ich war Amateurin und verdiente keinen einzigen Groschen, nur ab und zu gab es geschenkte Blumen und dann hieß es gleich wieder „Auf Wiedersehen“. Doch das hat mich nicht gestört. Ich habe diese Zeit in schöner Erinnerung, weil für mich nur der Sport wichtig war und ich die Welt bereisen durfte. Mittlerweile denke ich selten zurück. Nur vier, fünf Erinnerungsstücke daheim erinnern mich an die alten Tage. Einige Pokale wurden mir leider gestohlen.

Warum haben Sie schon mit 21 Jahren Ihre Karriere beendet?
Ich wollte wie Marcel Hirscher am Zenit aufhören. Ich habe auch gleich begonnen, Sportwissenschaften sowie Sportmanagement zu studieren. Nach dem Studium kam das erste Kind. Deswegen wurde mir nie langweilig und ich kam nicht zum Nachdenken. Erst später ist das Eislaufen wieder in den Vordergrund gerückt. Heute lebe ich alleine in Wien, bei Männern hatte ich ja nicht unbedingt immer ein glückliches Händchen. Ich suche nicht aktiv nach einem Partner, schließe aber auch nichts aus. Sag niemals nie.

Sie wurden zwei Mal geschieden und haben drei Kinder von drei Vätern großgezogen, größtenteils alleine …
Ich hatte es mir nicht so gewünscht, es ist einfach passiert. Leicht war es nicht, zum Glück haben mir meine Sport-Tugenden wie Disziplin und Durchhaltevermögen geholfen, nicht die Nerven zu verlieren, außerdem haben mich meine Eltern unterstützt.

Nun, wo alle Kinder aus dem Haus sind – können Sie sich einige Träume erfüllen?
Auf jeden Fall, ich habe mehr als 20 Jahre dem Sport gewidmet, 25 Jahre meinen Kindern und jetzt bin ich dran. Ich habe mir sogar in Klagenfurt (K) eine kleine Zweitwohnung genommen, um im Sommer bei meiner Tochter Delphine und meiner eineinhalbjährigen Enkelin Ruby sein zu können, die dort leben.
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