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Ausgabe Nr. 03/2020 vom 14.01.2020, Fotos: Emma Wright/Koala Hospital, AAP Image
Bilder von geretteten Koalas sind in den vergangenen Tagen um die Welt gegangen.
Die Tage der Koalas sind gezählt
Seit Oktober vergangenen Jahres wüten verheerende Buschbrände in Australien. Hunderte Feuer rund um den gesamten Kontinent bedrohen Leben und Lebensraum. Besonders hart trifft es die Tierwelt – von den nur noch 80.000 Koalas sind schon mehr als 25.000 verbrannt. Und ein Ende des Infernos ist bislang nicht in Sicht.
Zusammen mit Kängurus gehören Koalas zu den bekanntesten Tieren, die nur in Australien heimisch sind. Die sogenannten Beutelsäuger leben vor allem in Bäumen, wo sie sich von Eukalyptusblättern ernähren. Doch genau diese angeborene Verhaltensweise wird den Tieren bei den derzeit schlimmen Bränden zum Verhängnis.

Schließlich folgen die kleinen flauschigen Bärchen auch bei Feuer ihrem natürlichen Instinkt, sich auf Bäumen zusammenzurollen und dort auszuharren – in der aktuellen Situation genau der falsche Weg. „Eukalyptus hat viel Öl in den Blättern, die Bäume entzünden sich bei Feuer nahezu blitzartig. Die behäbigen Koalabären haben keine Möglichkeit zu entkommen und verbrennen bei lebendigem Leib“, weiß der australische Feuerwehrmann Neville Steward, der schon seit mehr als 20 Jahren gegen Buschbrände kämpft. Tierfreunde und Mitarbeiter vom Koala-Spitalin Port Macquarie, einem Badeort am Südpazifik, retten nun so viele Tiere, wie sie können. Und bringen sich dabei auch oft selbst in Gefahr. Das Koalaweibchen „Anwen“ (Bild) ist eines von 65 Tieren, das derzeit in der Intensivstation des Koala-Spitals aufgepäppelt wird. Es erlitt schwere Verbrennungen an Pfoten, Ohren und der Schnauze.

„Sie hatte großes Glück, dass sie überlebte. Mehr als 25.000 Koalas sind bereits qualvoll verbrannt, zahlreiche weitere verletzt. Es gibt auch keine Nahrung mehr, viele der Tiere, die nicht im Feuer umgekommen sind, werden verhungern. Das ist eine nationale Tragödie“, sagt die Leiterin Sue Ashton.

Die herzigen Koalas waren jedoch auch ohne die verheerenden Buschbrände schon ernsthaft bedroht. Schuld daran sind Landrodungen, der Klimawandel und die Ausbreitung exotischer Schädlinge. Koalabären stehen deshalb bereits seit 2012 auf der roten Liste der Weltnaturschutz-Union. Die australische Koala-Stiftung befürchtet nun, „dass die verbliebenen Tiere die letzte lebende Generation sein könnte“.

Insgesamt wird geschätzt, dass durch die Feuerwalze bereits 1,25 Milliarden Tiere getötet wurden. Darunter auch zigtausende Kängurus, Kakadu-Vögel, Reptilien sowie Millionen von größeren Insekten wie Schmetterlinge. Und das apokalyptische Flammeninferno bedeutet auch noch das Todesurteil für mehr als 10.000 Kamele. Die Paarhufer sollen in den nächsten Tagen von Jägern aus Hubschraubern erschossen werden, weil sie das vor Ort derzeit so dringend benötigte Wasser verbrauchen. Die Tötung diene nicht nur dem Schutz der Menschen, sondern auch dem Wohl der Herden, erklärte das Ministerium. „Es sind bereits Hunderte Tiere verdurstet oder haben sich gegenseitig totgetrampelt“, heißt es.

Wie es nach dem Abklingen der Brände mit der Tier- und Pflanzenwelt weitergehen kann, ist bis dato noch unklar. Professor Andrew Beattie von der Macquarie-Universität nahe Sydney hofft darauf, dass ausreichend viele „grüne Inseln“ übrig bleiben, die nicht von den Feuern zerstört wurden. Dann könnten sich Wälder und Buschgebiete wieder erholen.

„Es wird aber wahrscheinlich rund 40 Jahre dauern, bis die verlorenen Lebensräume wiederhergestellt sind“, sagt der Biologe. Hwie
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