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Ausgabe Nr. 03/2020 vom 14.01.2020, Foto: picturedesk.com
„Wir haben ein totales Monster erwischt“, sagte Trump über die Tötung Soleimanis.
Der Zündler im Weißen Haus
Nach der Ermordung des iranischen Generals Soleimani und des „unbeabsichtigten“ Abschusses eines Passagierflugzeuges durch das iranische Militär ist unsere Welt nicht sicherer geworden. Jeder zweite Amerikaner glaubt zudem, dass Donald Trump durch den Iran-Konflikt von seinem Amtsenthebungsverfahren ablenken will.
Es hat Tage gedauert, bis der Iran zugab, dass eine seiner Luftabwehr-Raketen das ukrainische Passagier-Flugzeug abgeschossen hatte. 176 Menschen starben beim Absturz der Boeing. Das Militär habe die Maschine „unbeabsichtigt“ abgeschossen, es handle sich um einen „menschlichen Fehler“, hieß es in der Erklärung des iranischen Regimes. Hunderte Iraner machten ihrem Zorn nach der tagelangen Leugnung Luft und gingen auf die Straße. „Oberbefehlshaber zurücktreten“, riefen sie.

Im Flugzeug starben Iraner, Afghanen, Briten, Schweden und Ukrainer, aber auch 57 oft iranischstämmige Kanadier. Der kanadische Premier Justin Trudeau verlangt deshalb eine Aufklärung der Katastrophe. Doch es herrscht nicht nur Zorn über die Iraner. So mancher Kanadier lässt auch Donald Trump nicht aus der Verantwortung.

Michael McCain, der Chef eines Nahrungsmittelunternehmens, schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, nachdem ein Kollege seine Frau und seinen elfjährigen Sohn durch den Flugzeugabsturz verloren hatte: „Die Welt weiß, dass der Iran ein gefährlicher Staat ist, aber die Welt fand einen Weg, um ihn in Schach zu halten.“ Das sei nicht perfekt gewesen, aber nach den meisten Berichten die richtige Richtung. „Ein Narzisst in Washington zerreißt die Errungenschaften der Welt und destabilisiert die Region.“ Und auch die demokratische Politikerin Jackie Speier erklärte in der vergangenen Woche: „Das fortgesetzte Säbelrasseln durch den Präsidenten hilft uns nicht.“

Am 3. Jänner starb der iranische General Kassem Soleimani durch eine amerikanische Drohne am Flughafen von Bagdad (Irak). Donald Trump, 73, hatte die Attacke von seinem Feriendomizil in Florida aus befohlen. Der 62jährige Soleimani gehörte zu den populärsten Figuren der „Islamischen Republik Iran“. Seit Ende der 1990er war er der Chef der Al-Kuds-Brigaden, die zu den iranischen Revolutionsgarden gehören. Al-Kuds ist der arabische Name Jerusalems (Israel). Die Brigaden gelten als Militäreinheit des Irans im Ausland. Soleimani soll bei der Vertreibung des „Islamischen Staates“ (IS) im Irak und in Syrien eine entscheidende Rolle gespielt haben. Der Westen warf der Einheit andererseits terroristische Aktionen vor.

„Soleimani hat aktiv neue Angriffe geplant und hatte sehr ernsthaft unsere Botschaften im Blick und nicht nur die Botschaft in Bagdad“, rechtfertigte sich Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt. Vor der Attacke auf den iranischen General hatten Demonstranten versucht, die amerikanische Botschaft in Bagdad zu stürmen.

Trump hat getan, was seine Vorgänger Barack Obama und George W. Bush noch abgelehnt hatten. Sie fürchteten wohl die Eskalation. Obama setzte auf das Atomabkommen mit dem Iran. Trump nannte den Vertrag eine „Peinlichkeit“.

Jeder zweite Amerikaner verdächtigte Trump laut einer Umfrage jedoch, mit der Tötung Soleimanis von seinem Amtsenthebungsverfahren ablenken zu wollen. Das soll demnächst beginnen.
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