Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 02/2020 vom 07.01.2020, Fotos: Getty Images, Zelig Records
King Princess ist 21 Jahre alt und voller Liebeskummer
Das Erstlingswerk der Amerikanerin ist in Wort und Melodie schnörkellos.
„Ich bin ein sehr, sehr trauriges Mädchen“
King Princess heißt eigentlich Mikaela Straus, kommt aus New York (USA) und macht wunderschöne, wenn auch ziemlich melancholische Popmusik. Das erste Album der 21jährigen heißt „Cheap Queen“ (bereits im Handel). Dass doch ein bisschen Humor zwischen all ihrer Traurigkeit hervorblitzt, vertraute King Princess dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth im Gespräch an.
King Princess, Ihr Album „Cheap Queen“ ist schön, aber auch traurig …
Oh ja. Ich liebe traurige Musik. Ich bin ein sehr, sehr trauriges Mädchen (lacht).

Das stimmt wohl nicht, denn da müssen Sie selbst lachen.
Nun, ich bin gerne traurig. Aber natürlich nicht immer. Wenn ich extrem niedergeschlagen, verzweifelt und deprimiert bin, schreibe ich jedenfalls meine besten Songs. Oder wenn ich total euphorisch bin. Ein Dazwischen gibt es bei mir in der Kunst nicht.

Und im Leben?
… suche ich noch nach Ausgeglichenheit. Das ist schwierig. Es gibt Tage für Frohsinn, und es gibt Tage für Trübsinn. Ich singe halt auch so schrecklich gerne über tiefe Gedanken und Gefühle, ich schraube mich da richtig hinein in den Sch… in meiner Seele. Doch es kommt auch vor, dass ich in der Früh im Studio die Geräte einschalte und mir sage, „Hey, ich will tanzen.“

Zum Tanzen klingt etwa „Prophet“, zum Weinen „Watching My Phone“ oder „Hit The Back“. Da gab es wohl ordentlich Turbulenzen in Ihrem Leben, als Sie diese Lieder geschrieben haben?
Haha, Turbulenzen sind gut. Das war schon eher eine Zerreißprobe. Ich hatte intensive zwei Jahre. Ich veröffentlichte im Sommer 2018 mein Lied „Make My Bed“, war ein bisschen geschockt über den plötzlichen Erfolg und Zuspruch, ich hatte die Aufgabe, ein Album zu schreiben und war zu der Zeit auch noch unglaublich verliebt.

Ihre Beziehung zur Schauspielerin Amandla Stenberg, 21, scheiterte dann Ende 2018, nicht wahr?
Ja, deshalb dieser ganze Liebeskummer, die Trauer und das verdammte Selbstmitleid in den Liedern – allerdings gepaart mit ein bisschen Humor. Sogar inmitten tiefster Niedergeschlagenheit gibt es immer auch ironische Momente.

Ist „You Destroyed My Heart“ ein Lied übers Verlassenwerden?
Auch, aber vor allem eines übers Starksein. Kein kleines „Ach, ich armes Ding“, sondern ein „F…dich, du Schlampe hast mein Herz zerstört und jetzt verdiene ich jemanden, der besser ist als du“. Das Lied habe ich einige Monate nach der Trennung geschrieben. Es geht darum, was ich verdiene, und zwar nur das Beste, und dass ich das nach der schlimmen Zeit auch wieder erkennen konnte.

In „Homegirl“ klingt Ihre Stimme besonders rauchig. Was war da los?
Oh, als ich das Lied aufnahm, habe ich geweint. Bitterlich. „Homegirl“ entspringt den allerdicksten Schichten meines Trennungsschlamassels.

Stimmt die Aussage von „Tough On Myself“, dass Sie ziemlich ungnädig zu sich selbst sein können?
Ja, ich bin extrem hart, manchmal gnadenlos zu mir. Der Song entstand aus diesem blöden Gefühl, nicht gut genug zu sein, eine verdammte Versagerin. Mit dem Lied habe ich mir mein Selbstvertrauen und meinen Mut zurückerobert.

Wollten Sie schon immer Musikerin werden?
Seit ich denken kann. Mein Vater hat ein Tonstudio in Brooklyn (Stadtteil von New York), dort bin ich aufgewachsen, das war mein Spielplatz. Er hat mit grandiosen Musikerinnen wie Cat Power gearbeitet, ich habe mir genau angeschaut, wie er das machte. Und er hat Lieder mit mir aufgenommen.Für mich war das immer ganz normal und natürlich, im Studio zu sein. Als Teenager bin ich dann auch ohne ihn ins Studio gegangen und mir wurde klar: Das ist keine Arbeit, das ist Kunst.

Mark Ronson, der Sie mit seiner Plattenfirma „Zelig Recordings“ unter Vertrag genommen hat, brachte mit „Late Night Feelings“ selbst vor Kurzem ein zu Tränen rührendes Trennungsalbum heraus. Welches ist trauriger – seines oder Ihres?
Meines natürlich. Es gibt nichts Traurigeres auf der Welt als eine 21 Jahre alte, sitzengelassene Lesbe (lacht).
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung