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Ausgabe Nr. 01/2020 vom 30.12.2019, Foto: ddp images
Mädchen unter einem guten Stern
Rund um den 6. Jänner gehen Kinder und Jugendliche, zwei Drittel davon Mädchen, von Haus zu Haus. Als „Heilige Drei Könige“ verkleidet, besuchen sie die Menschen, wünschen ihnen Gottes Segen und sammeln dabei Spenden für Hilfsprojekte in Afrika, Lateinamerika und Asien.
Ich gehe gerne als Sternsingerin, weil ich es schön finde, den Menschen den Segen in die Häuser zu bringen. Und weil ich sehe, wie sie sich freuen, wenn wir für sie singen. Manche haben sogar Tränen in den Augen. Außerdem helfen wir durch die Spenden, die wir sammeln, den Kindern, die dringend unsere Hilfe brauchen“, sagt die neunjährige Sarah. Die Volksschülerin aus Graz (Stmk.) ist schon zum zweiten Mal mit dem Stern unterwegs. Mit Begeisterung und als eine von etwa 500.000 Sternsingern, die in ganz Europa rund um den 6. Jänner, dem Tag der Heiligen Drei Könige, segensreich von Haus zu Haus pilgern. Das „C + M + B“, das sie an die Türen schreiben, hat nichts mit ihren Namen Caspar, Melchior und Balthasar, wie sich die „Weisen aus dem Morgenland“ nennen, zu tun. Es handelt sich um eine Abkürzung der lateinischen Botschaft „Christus mansionem benedicat“, was soviel wie „Christus segne dieses Haus“ bedeutet.

Das Sternsingen besteht als alpenländisches Brauchtum schon seit dem Mittelalter. Damals waren es hauptsächlich Schüler und Studenten, die für sich selbst Geld sammelten. „Ab dem Jahreswechsel 1954/55 hat die Katholische Jungschar das Sternsingen neu belebt, um notleidenden Menschen in den Entwicklungsländern zu helfen“, erinnert Mag. Georg Bauer von der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar an die Ursprünge.

In den Anfangsjahren führte die Buben-Jungschar das Sternsingen durch, die Mädchen-Jungschar war nur unterstützend tätig. „Sie haben die Buben begleitet und eifrig mitgesungen“, sagt Bauer. Als im Jahr 1970 die Trennung in Buben- und Mädchen-Jungschar aufgehoben wurde, vergrößerte sich der Anteil der weiblichen „Heiligen Könige“, sodass heute schon zwei Drittel Sternsingerinnen sind. „Warum das so ist, darüber können wir nur mutmaßen. Vielleicht deshalb, weil Mädchen mehr Spaß daran haben, sich zu verkleiden, lieber singen als Buben, oder auch gerne Verantwortung in einer Gruppe übernehmen und es als schönes Erlebnis empfinden, wenn sie mit ihren Freundinnen unterwegs sind“, schmunzelt der Jungschar-Mitarbeiter.

Auch beim Ministrieren in der Kirche sind die Mädchen mittlerweile in der Überzahl, wenn auch nicht so deutlich wie beim Sternsingen. 45.000 Ministranten gibt es bundesweit, 54 Prozent sind weiblich. „Ministranten haben naturgemäß eine enge Bindung an die Pfarre, und nahezu alle Ministranten sind daher auch beim Sternsingen mit dabei“, sagt Bauer. Die Sternsingeraktion sei jedoch ein Angebot, das sich auch anderen Gruppen gegenüber öffnet. „Zum Teil auch für jene Menschen, die gar nichts oder nur wenig mit der Kirche anfangen können. Oft ist es so, dass praktizierende Sternsinger in ihrem Freundeskreis begeistert von ihren Erfahrungen erzählen und dann Kinder mitgehen, die wenig oder bislang gar keinen Bezug zur Pfarre hatten.“

Die Zahl der Sternsinger, 85.000 werden in diesem Jahr in nahezu 3.000 Pfarren unseres Landes unterwegs sein, ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben, wobei es regional immer wieder „Aufs und Abs“ gibt. Entscheidend für den konstanten Erfolg der Spendenaktion ist, „dass es in den Städten wie Dörfern engagierte Erwachsene gibt, die es zuwege bringen, die Kinder und Jugendlichen zum Sternsingen einzuladen und zu motivieren. Wichtig ist die Öffnung über den Kreis der Jungschar und der Pfarre hinaus. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Sternsingen eine optimale Kombination aus Gemeinschaft, Spaß und sozialem Engagement ist. Das schätzen die Kinder und auch deren Eltern.“

Für Georg Bauer zeichnet sich die Sternsingeraktion vor allem dadurch aus, dass junge Menschen das Fundament der Initiative bilden. „Diese Tatsache wird von der heimischen Bevölkerung geschätzt. Deswegen gibt es keine Anzeichen, dass sich die Erfolgsgeschichte abschwächen könnte“, zeigt sich der Jungschar-Mitarbeiter optimistisch.

Etwa vier Millionen Kinder und Jugendliche in unserem Land haben durch ihre Teilnahme beim Sternsingen ihre ersten Erfahrungen mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit gemacht. Seit den Anfängen der Sternsingeraktion ist das Spendenergebnis stetig gestiegen. Gut 450 Millionen Euro konnten bislang für notleidende Mitmenschen in Afrika, Asien und Lateinamerika gesammelt werden.

Im vergangenen Jahr waren es hierzulande insgesamt 17,6 Millionen Euro. Wobei die Spendenergebnisse (siehe Kasten) in den Bundesländern durchaus unterschiedlich ausfallen. In der Diözese Wien (die Bundeshauptstadt hat 1,8 Millionen Einwohner) sammelten die Sternsinger 2.601.185 Euro. In der Diözese Linz (OÖ) kamen sogar 3.530.532 Euro zusammen. Und in der Diözese Graz brachten es die Sternsinger auf beachtliche 3.179.406 Euro.

Mag. Georg Bauer ortet hierfür mehrere Gründe. „Meine Frau ist am Land, im Salzkammergut, aufgewachsen, ich hingegen in der Großstadt. Daher weiß ich, dass das Brauchtum am Land weitaus intensiver als in der Stadt gepflegt wird und die Menschen daher spendabler sind. Auch das Vereinsleben ist im ländlichen Raum stärker ausgeprägt“, meint er. Und Traditionen würden dort eher weitergeführt als in der Großstadt. Dazu „kommt auch, dass gerade zur Weihnachtszeit viele Städter auf Urlaub sind oder zu ihrer Verwandtschaft aufs Land fahren.“

Darüber hinaus hat die Bundeshauptstadt eine Einwohnerstruktur, die durch den Zuzug aus anderen Ländern, beispielsweise aus Osteuropa, geprägt ist. „Bei diesen Mitbürgern bemühen wir uns, sie über unseren Brauch des Sternsingens zu informieren und stellen in den Pfarren Informationsblätter in zehn unterschiedlichen Sprachen zur Verfügung. Denn die Friedensbotschaft und den Segen für das neue Jahr möchten die Sternsinger zu allen Menschen bringen, ungeachtet der Herkunft und unabhängig von Glaube und Kultur“, betont Bauer.

Gäbe es das Sternsingen nicht, müsste es erfunden werden, schmunzelt der Sprecher der Dreikönigsaktion. „Schlicht und einfach deshalb, weil es genau den Interessen und Vorlieben der Kinder entspricht. Gemeinsam mit Freunden unterwegs zu sein, Gutes für andere zu tun und dabei mit Süßigkeiten beschenkt zu werden, das alles erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl, verbunden mit der Freude daran, etwas für Menschen zu tun, die unsere Hilfe dringend brauchen.“ Oft mündet die „Sternsinger-Karriere“ in eine ehrenamtliche Tätigkeit als Begleitperson. „Es gibt viele Familien, in denen die Eltern der Sternsinger als Begleitpersonen aktiv sind und die Großeltern für die Verpflegung oder für das Instandhalten der königlichen Gewänder sorgen“, sagt Georg Bauer.

In diesem Jahr werden die Heiligen Drei Könige für rund 500 Hilfsprojekte in 19 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika von Tür zu Tür unterwegs sein, um die frohe Botschaft zu überbringen, dass Jesus in eine Welt voller Kälte und Dunkelheit gekommen ist. Schwerpunktland der Dreikönigsaktion ist dieses Mal Kenia, wo mit Hilfe der Spenden die Lebensbedingungen der Ärmsten verbessert werden sollen.
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