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Ausgabe Nr. 01/2020 vom 30.12.2019, Foto: ddp images
Die eigene Brauerei im Darm
Wenn uns der Darm betrunken macht
Ärzte und Wissenschaftler sind immer wieder verblüfft, wie der menschliche Körper reagiert. Wer hätte gedacht, dass sich der Mensch in eine Art „Winterschlaf“ legen lässt, selbst Alkohol produzieren oder an „tierischer Liebe“ sterben kann.
Unser Körper ist ein „Wunderwerk“ der Natur. Das wird im Alltag oft vergessen. Aufmerksam werden wir, wenn außergewöhnliche Begebenheiten zeigen, wie stark der Körper ist oder wie schnell er sein „Gleichgewicht“ verlieren kann.

„Winterschlaf“ rettet Menschen

Es klingt wie eine Idee aus einem Science-Fiction-Roman, doch in den USA macht sie der Chirurg und Wissenschaftler Dr. Samuel Tisherman von der Universität Maryland zur Wirklichkeit. Menschen werden tiefgekühlt und wiederbelebt. Dahinter steht der Wunsch, schwerverletzten Patienten mit Hilfe einer Notfall-Operation das Leben zu retten. Ärzte dieser Universität forschen seit Jahren daran. In Studien tauschen sie das Blut von Schwerverletzten gegen eine Salzlösung und kühlen denKörper auf zehn bis 15 Grad ab. Das Herz steht in dieser Zeit still, der Körper ist wie tot. Weil durch die Kälte Abbauprozesse in den Zellen gestoppt werden, nimmt das Gehirn dabei weniger Schaden. Ärzte bekommen mehr Zeit, lebensrettende Operationen durchzuführen, meint Dr. Tisherman. Voraussetzung für die derzeit nur experimentelle Behandlung ist, dass die Patienten mehr als die Hälfte ihres Blutes verloren und nur noch eine Überlebenschance von weniger als fünf Prozent haben.

Nach Angaben von Dr. Tisherman bleiben den Ärzten bei seinem Verfahren etwa zwei Stunden, um die Verletzungen zu behandeln. „Wir versuchen, uns Zeit zu erkaufen, um Leben zu retten“, fasst der Chirurg die Idee zusammen. Nach den Eingriffen wird dem Patienten wieder Blut zugeführt und der Körper langsam erwärmt. Es heißt, die amerikanische und die europäische Weltraumbehörde haben ebenfalls mit Forschungen zum „Winterschlaf“ beim Menschen begonnen.

Ist das Wetter schlecht, sind Schmerzen stärker

Es scheint also doch mehr zu sein als ein Volksglaube. Einer Studie zufolge kann schlechtes Wetter Schmerzen bei chronischen Erkrankungen wie Arthritis verstärken. Das erklären Forscher aus Großbritannien. Demnach berichteten 2.600 Studienteilnehmer über eine App (= Programm auf dem Mobiltelefon) an Tagen mit höherer Luftfeuchtigkeit, niedrigerem Luftdruck und heftigem Wind von stärkeren Schmerzen. Der Zusammenhang blieb bestehen, wenn die Forscher weitere Faktoren wie die Gemütslage und körperliche Aktivität der Teilnehmer berücksichtigten. Durch die GPS-Ortungsfunktion der Mobiltelefone wurden die örtlichen Wetterdaten ermittelt. Den größten messbaren Effekt hatte demnach die relative Luftfeuchtigkeit.

Die eigene Brauerei im Darm

Sie ist zwar eine äußerst seltene Krankheit, doch sie zeigt, zu welch kuriosen Phänomenen unser Körper imstande ist. Das sogenannte Eigenbrauer-Syndrom wurde erstmals in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts dokumentiert. Es bezeichnet eine Hefepilzerkrankung im Darm, die zu einem chronisch erhöhten Alkoholspiegel im Blut führt, ohne dass ein Tropfen Alkohol getrunken wurde. Dahinter steckt eine gestörte Darmflora, meist ausgelöst durch eine Antibiotika-Behandlung. Sie tötet (oder schwächt) alle Darmbakterien, der Pilz kann sich übermäßig ausbreiten und wandelt Kohlenhydrate in Alkohol um. Das Eigenbrauer-Syndrom zeigt sich häufig erst an Wesensänderungen, Verwirrtheitszuständen sowie einem Gedächtnisnebel und nicht direkt in Rauschzuständen.

Weniger Erkältungen dank der Grippe

Wer von der Grippe (Influenza) geplagt wird, kann sich trösten, eine Erkältung bekommt er wahrscheinlich nicht. Wissenschaftler der Universität Glasgow (Schottland) haben bei mehr als vierzigtausend Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen getestet, durch welche Viren sie hervorgerufen waren. Auffällig war, Influenza-A-Viren, die Grippe verursachen, und Rhinoviren, die eine Erkältung hervorrufen, kamen nur selten gleichzeitig vor. Dr. Sema Nickbakhsh vom Viren-Forschungszentrum in Glasgow meint, Atemwegsviren konkurrieren in den Atemwegen. Das könnte erklären, warum in der Grippesaison seltener Erkältungskrankheiten auftreten und umgekehrt.

Hunde-„Küsse“ können töten

Es passiert selten, doch die Gefahr besteht. Hundespeichel kann schwere Krankheiten beim Menschen auslösen und zum Tod führen. Ein solch trauriger Fall ereignete sich in Bremen (D). Ein 63jähriger Hundebesitzer erhielt einen „Schlabberkuss“ seines Hundes ins Gesicht. 16 Tage später verstarb er im Spital. Der Grund war ein Bakterium im Hundespeichel. Damit hatte sich der sonst gesunde Mann infiziert. Zunächst traten grippeähnliche Symp-
tome auf wie Kurzatmigkeit und Fieber. Es folgten Hauteinblutungen im Gesicht und an den Armen. Auf der Intensivstation angelangt, ergab ein Bluttest, dass der Mann einen Nierenschaden, eine Leberfunktionsstörung und eine schwere Blutvergiftung hatte. Trotz Medikamente bekam er eine Lungenentzündung, mehrere Organe versagten und Gewebe an Armen und Beinen starb ab. Auch sein Gehirn erlitt schwere Schädigungen. Dem Erkrankten konnte nicht geholfen werden. Ähnlich verhält es sich mit anderen Bakterien, die sich im Rachen und der Nasenschleimhaut von Hunden und Katzen befinden können. Während die Tiere sie ohne Folgen in sich tragen, kann der Mensch an einer Blutvergiftung, Knochen-, Lungen- oder sogar Hirnhautentzündung erkranken.

Wenn das „geistige Auge“ blind ist

Den meisten fällt es nicht schwer. Augen zu und im Geiste ein Wunschbild aufrufen. Ein schöner Strand, eine Blume oder ein Mensch. Diese Fähigkeit hat aber nicht jeder. Ungefähr zwei Prozent der Bevölkerung leiden unter dem neurologischen Phänomen Aphantasie. Das Unvermögen, sich etwas bildlich vorstellen zu können, scheint mehr unter Männern verbreitet zu sein. Die meisten Betroffenen wissen bis ins Erwachsenenalter nichts von ihrer Beeinträchtigung und sind auch sonst gesund. Die Ursachen dafür sind unklar. Klar ist, für die Phantasie müssen unterschiedliche, weit auseinanderliegende Hirnareale miteinander kommunizieren.

Wie Befragungen ergaben, haben die meisten Menschen mit Aphantasie Träume, wenn sie schlafen. Ihnen fehlt nur die Fähigkeit zum Tagträumen.
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