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Ausgabe Nr. 5152/2019 vom 17.12.2019, Fotos: BKA/Andy Wenzel, Stephan Doleschal
Gernot Blümel, Walter Rijs
Sollen die Geschäfte am Sonntag aufsperren?
Rund 500 Tourismuszonen gibt es in unserem Land, in denen die Geschäfte etwa auch am Sonntag aufsperren dürfen. Sie werden von den jeweiligen Landeshauptleuten genehmigt. In fast allen Bundesländern gibt es diese Ausnahme-Gebiete, in der Bundeshauptstadt allerdings nicht. Das will der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel ändern, der für eine neue Regierung auch schon als Finanzminister gehandelt wurde. Die katholische Kirche hingegen ist für geschlossene Rollbalken am „Tag des Herrn“.
JA: Gernot Blümel,
Landesparteiobmann ÖVP Wien:

„Gerade in der Adventzeit ist Wien voll von Touristen, die am Sonntag vor verschlossenen Ladentüren stehen. Daher sind Tourismuszonen eine große Chance für Wien, für mehr Flexibilität, mehr Umsatz, mehr Arbeitsplätze und Wertschöpfung in unserer Stadt. Derzeit fließt Kaufkraft entweder ins benachbarte Bratislava (Slowakei) oder ins Internet ab und Wertschöpfung geht verloren. Das ist absurd und schadet unserer Stadt. Tourismuszonen würden rund 800 neue Arbeitsplätze für Wien und rund
140 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz in den Geschäften bringen. Gerade in Zeiten, in denen die Menschen rund um die Uhr im Internet einkaufen können, braucht es mehr Flexibilität, für Kunden und Geschäftsleute. Alles andere ist ein regelrechtes Amazon-Förderungsprogramm. Wir wollen, dass die schönen Geschäfte in unserer Stadt erhalten bleiben. Das passiert aber nur, wenn dort auch eingekauft wird. Dazu sollten wir den Touristen ermöglichen, ihr Geld hier auszugeben. Ich werbe dafür, dass Wien einen Schritt Richtung Weltstadt macht und mit Tourismuszonen den Kaufkraftabfluss in Nachbarstädte und ins Internet stoppen kann.“

NEIN: Walter Rijs,
Katholische Aktion:

„Es gibt viele Gründe, für geschlossene Geschäfte am Sonntag zu sein, zum Beispiel, dass der Sonntag ein Familien- und Beziehungstag ist. Oder dass der Sonntag ein Tag ist, an dem unterschiedlichste Menschen gemeinsame Dinge tun können wie Fußball spielen, mit einer Musikkapelle oder einem Chor auftreten oder auch in die Kirche gehen. Aber seit Kurzem gibt es für mich auch einen weiteren wichtigen Grund: Geschlossene Geschäfte am Sonntag führen dazu, dass es in unserem Land ruhiger wird. Und diese Entschleunigung bedeutet auch, die
Energiesysteme der Städte und Dörfer sind heruntergefahren, funktionieren viel langsamer. Und das heißt, das Klima wird viel weniger belastet und das ist in Zeiten der Klimakrise extrem wichtig und dürfen wir nicht ändern. Eine regelmäßige Sonntagsöffnung in Wien zum Beispiel, auch wenn sie nur in sogenannten Tourismuszonen passiert, führt unweigerlich zu einer Kettenreaktion: mehr Lieferverkehr, mehr privater und öffentlicher Verkehr, mehr offene Kindergärten. Sanfter,
klimafreundlicher Tourismus liegt im Trend. Und da ist der arbeitsfreie Sonntag in Wien ein guter Beitrag dazu.“
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ursus
Greisslerprivileg
Betrifft Sonntags öffnen: Das Thema ist so alt wie die Republik. Liberalere Öffnungszeiten sind international schon längst gegeben. Selbst im gewerkschaftlich gut kontrollierten Großbritannien gibt es Geschäfte mit 24 Stunden-Öffnung schon seit Jahrzehnten. Es gibt zwei große Kritiken der Touristen über Österreich: Einerseits die mangelnde Freundlichkeit im Dienstleistungsgewerbe, andererseits die Öffnungszeiten, Ich habe schon vor über 10 Jahren einmal eine öffentliche Frage gestellt, die ich aus gegebenem Anlass hier gerne wiederholen möchte: Warum schafft man nicht ein Greisslerprivileg in der Form, dass man Kleinegerbetreibenden Betrieben, welche aus einer Person bis maximal dem Ehepartner bestehen, völlige Freiheit gibt, ihr Geschäft zu öffnen oder zu schließen, wann sie wollen. Es gäbe kein Ausbeutungsargument, die Nahversorgung wäre verbessert, dem Fremdenverkehr Genüge getan und eine Maßnahme gegen das Greisslersterben getroffen.
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