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Ausgabe Nr. 5152/2019 vom 17.12.2019, Foto: Hochkönig Tourismus Sochor
In Dienten im Bundesland Salzburg thront die Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus vor der Kulisse des Hochkönigs.
Sagenhafte Weihnachten
Um die Gemeinde Dienten am Hochkönig im Bundesland Salzburg ranken sich viele Sagen. Das ehemalige Bergbaudorf ist mittlerweile ein beliebter Wintersportort. Zu Weihnachten zieht es die Bewohner aber nicht auf die Piste, sondern in die Pfarrkirche St. Nikolaus in die Christmette. Dort wird ein alter Brauch, das „Fraueinsingen“, zelebriert.
Der Hochkönig im Bundesland Salzburg ist ein wahrhaft majestätischer Gebirgsstock. Die steile Wetterwand mit ihren Graten und die abfallenden Felswände geben ihm ein imposantes Aussehen. Vor dieser mächtigen Kulisse posiert die Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus in Dienten im Pinzgau. Sie thront auf dem steilen Kirchbühel. Sobald die Dunkelheit hereinbricht, wird das Gotteshaus beleuchtet.

Zu Weihnachten treffen sich hier die Bewohner, um die Geburt Jesu zu feiern. Ab sieben Uhr in der Früh wird eine Rorate abgehalten, um 15 Uhr gibt es eine Kinderkrippenfeier und um 22 Uhr wird nach dem „Fraueinsingen“ die Christmette gefeiert.

„Das ,Fraueinsingen‘ ist ein alter Brauch“, erzählt der Dientner Pfarrer Oswald Scherer. „An den Adventabenden werden drei Marienbilder von Haus zu Haus getragen. Jeden Abend verbringen sie in einem anderen Haus, wo gebetet wird. Die Bilder versinnbildlichen die Herbergsuche. Am 24. Dezember tragen drei Mädchen die drei Bilder in die Kirche und stellen sie am Seitenaltar auf. Sie werden vom Kirchenchor empfangen, der einige Marienlieder singt. Danach beginnt die Mette“, erzählt der 63jährige.

Die Kirche bietet 200 Sitzplätze und ist dem Heiligen Nikolaus geweiht. Der Kirchenpatron ist als Statue in der Mitte des Hochaltars verewigt. „Eine weitere Statue des Heiligen befindet sich an der rechten Seitenwand“, informiert der Pfarrer. Der Heilige Nikolaus war im Mittelalter der Patron der Wirtschaft sowie des Handels und erinnert somit an die lange Geschichte des Bergbaues in Dienten.

Die Kirche hat weitgehend ihre gotische Gestalt behalten, nur der romanische Turm mit den vier Glocken bekam einen barock geschwungenen Zwiebelhelm.

„Im Jahr 1784 hat bei einem Gewitter ein Blitz in den Turm eingeschlagen und den oberen Teil vernichtet. Weil sich aber niemand zur Reparatur hinaufwagen wollte, wurde ein Seil um den Turm gelegt. Bauern und Bergknappen haben mit aller Kraft daran gezogen, um das Turmgerüst auf den Friedhof zu werfen“, schrieb Franz Portenkirchner im Heimatbuch „Dienten am Hochkönig“. Der ehemalige, bereits verstorbene Bürgermeister Dientens hat die wichtigsten Geschehnisse über seine Gemeinde niedergeschrieben.

Zu Papier gebracht wurden auch einige Sagen, die sich um das charmante Bergdorf ranken. Auf dem Sagenwanderweg können Urlauber im Sommer zwölf verschiedenen Legenden lauschen.

Warum es gerade in Dienten so viele Sagen gibt, kann nur gemutmaßt werden. „Das liegt wohl daran, dass wir sagenhafte Menschen sind“, sagt Robert Chudyk, Mitarbeiter des Gemeindeamtes, mit einem Augenzwinkern. „Vermutlich hat es aber damit zu tun, dass in Dienten lange Zeit Bergbau betrieben wurde“, sagt Chudyk.

Die ersten Aufzeichnungen über den Bergbau stammen aus der Zeit um 1200. Als im Jahr 1864 die Schichtenglocke das letzte Mal geläutet wurde, war dies das Ende des Eisenerzabbaues. „Es brach ein Jammern im Dorf aus. Viele weinten, denn es war das Grabgeläute für ihre Existenz. Kein Ereignis hat eine so tiefgreifende Wirkung hinterlassen wie dieses, weil es viele Familien brotlos machte“, schrieb Portenkirchner in der Chronik.

Heute ist der ehemalige Bergbauort ein Tourismusziel für Erholungssuchende. Anziehungspunkt sind im Sommer wie im Winter die Berge. Jetzt, wo die weiße Pracht vom Himmel fällt, hat der Schizirkus wieder Einzug gehalten.

Das 758-Seelen-Dorf ist Teil des Schigebietes Hochkönig, zu dem auch die Orte Maria Alm und Mühlbach gehören. Rund um den 2.941 Meter hohen Gipfel des Hochkönigs dehnt sich das 120 Kilometer große Schigebiet aus. Mehrere Talabfahrten in drei Orten sorgen für individuelle Einstiegsmöglichkeiten.

Hinzu gesellen sich 85 Kilometer lange Winterwanderwege, 40 Kilometer gespurte Langlaufloipen und zahlreiche Naturrodelbahnen.

In diesem Jahr ging die neue Gabühelbahn in Betrieb. „Die 10er-Kabinenbahn bringt die Gäste in weniger als sechs Minuten vom Schizentrum in Dienten zur Bergstation am Gabühel“, berichtet Eva Unterrainer vom Hochkönig Tourismus.

Das Schigebiet lässt sich bei der Königstour am besten erkunden. Das ist ein Rundkurs, der in jedem der drei Orte begonnen werden kann. Die Schifahrer erklimmen sechs Gipfel und spulen 35 Pistenkilometer sowie 7.500 Höhenmeter ab.

Unterwegs gibt es mehrere Aussichtspunkte, riesige Holzthrone, die zu einer Rast einladen, und drei Fotostationen, bei denen die Urlauber ein Erinnerungsfoto machen können. Die Kamera wird mithilfe des Schipasses ausgelöst. Das Foto kann im Anschluss heruntergeladen werden.

Die Königstour lässt sich auch mit einem Drei-Gänge-Menü verbinden (44 Euro p.P.). „Einen Schitag lang fahren die Sportler von Hütte zu Hütte und genießen ein Gericht, bevor es wieder auf die Piste geht. Die Hütten liegen
genau so weit auseinander, dass bis zur nächsten Einkehr wieder Hunger aufkommt“, erzählt Unterrainer.

Apropos Essen. Zu Weihnachten wird in Dienten wie überall im Pinzgau zu Mittag traditionell ein „Bachlkoch“ aufgetischt. „Ein ,Koch‘ ist bei uns ein Brei“, informiert Pfarrer Scherer. „Das ,Bachlkoch‘ besteht aus Mehl, das mit Milch aufgekocht wird. Wenn die Masse eingedickt ist, wird zerlassene Butter untergemischt und zum Schluss mit Honig und Zimt verfeinert. Diese Speise variiert von Dorf zu Dorf“, erklärt Scherer. widlak
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