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Ausgabe Nr. 5152/2019 vom 17.12.2019, Foto: vario images
Die Knallerei zu Silvester verursacht mehr
Feinstaub als der Straßenverkehr eines Jahres.
Dicke Luft zum Jahreswechsel
Der Rutsch ins neue Jahr ist selten leise. Obwohl gesetzlich stark eingeschränkt, erfreuen sich Raketen und Kracher größter Beliebtheit. Für die Menschen und die Umwelt bedeutet dies eine enorme Belastung. Strafen werden jedoch nur selten verhängt.
Bunte Raketen erhellen den Nachthimmel, Böller krachen ohrenbetäubend und in der Luft hängen dichte, beißende Rauchschwaden. Zu Silvester, rund um Mitternacht, geht wieder die große Knallerei los.

Wenngleich ihr vielerorts gesetzlich ein Riegel vorgeschoben wurde, ist der Rutsch ins neue Jahr ohne Raketen und Kracher für viele Menschen unvorstellbar. Schätzungen der Wirtschaftskammer (WK) zufolge geben wir dafür jährlich etwa zehn Millionen Euro aus. Diese Summe geht buchstäblich in Rauch auf.

Für Mensch und Umwelt bedeutet das eine enorme Belastung, erklärt die Wissenschaftlerin Bruna Illini, die für den Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik (OEVK) eine Umweltstudie zu Feuerwerken erstellt hat. „Innerhalb der Silvesternacht werden rund 400 Tonnen Feinstaub emittiert, das entspricht in etwa der Menge des jährlichen Auto- und LKW-Verkehrs.“

Für die Gesundheit ist dies eine Gefahr, denn winzige Feinstaubpartikel können die Atemwege reizen und auf Dauer die Lungenfunktion stören. Besonders für Asthmatiker ist das gefährlich. Aber auch für gesunde Menschen birgt eine derart hohe Menge an Feinstaub und Schwermetallpartikeln ein Risiko. „Wenn die Konzentrationen so hoch sind, ist das mit einer längeren Periode des Zigarettenrauchens vergleichbar. Daran stirbt niemand, aber es stellt eine Gefährdung dar.“

Der Experte des Umweltbundesamtes, Karl Kienzl, kritisiert, „dass abgebrannte Knallkörper und Feuerwerksraketen jährlich bis zu 1.000 Tonnen Müll verursachen, der für Wild- und Nutztiere gefährlich werden kann, da sie die pyrotechnischen Rückstände für Futter halten. Außerdem gelangen Schwermetalle, die dem Feuerwerk Farbe geben, wie Arsen, Blei oder Selen, in Böden und in Gewässer.“ Für den Sprecher der Umweltorganisation Greenpeace, Herwig Schuster, besteht daher „das Risiko, dass die Schwermetalle auch mit der Nahrung aufgenommen werden.“ Studien gibt es dazu bislang jedoch keine.

Aber auch aus moralischer Sicht ist die Knallerei mehr als bedenklich, erklärt der Geschäftsführer der Hilfsorganisation „Jugend eine Welt“, Reinhard Heiserer. „Denn die größten Produzenten von Feuerwerkskörpern gibt es in China und Indien, wo Arbeitsbedingungen fast durchwegs ausbeuterisch und gesundheitsschädlich sind. Jahr für Jahr kommt es zu schweren Explosionen, denen Dutzende Menschen zum Opfer fallen. Zudem ist Kinderarbeit in Indien an der Tagesordnung.“ Heiserer empfiehlt, europäischen Produkten den Vorzug zu geben oder besser ganz darauf zu verzichten.

Hierzulande ist es neben der Umweltbelastung vor allem der Lärm, der die Silvester-Knallerei zu einer Belastungsprobe macht. Denn Feuerwerkskörper können einen Schalldruckpegel von bis zu 170 Dezibel erreichen. Zum Vergleich erreicht ein Düsentriebwerk in 25 Metern Entfernung etwa 140 Dezibel. „Für ältere Menschen, Kleinkinder sowie Wild- und Haustiere bedeutet der anhaltende Lärm einen großen Stressfaktor. Wild- und Haustiere leiden aufgrund ihres guten Gehörs besonders darunter“, erklärt Kienzl vom Umweltbundesamt.

Zudem endet die Silvesterknallerei jährlich für rund 1.000 Menschen im Spital. Schwerste Verletzungen wie verstümmelte Hände und auch Todesfälle sind keine Seltenheit. Der Umgang mit Raketen und Krachern ist auch aus diesem Grund streng geregelt. Prinzipiell gibt es ein bundesweites ganzjähriges Verbot für Feuerwerkskörper ab der Klasse F2, dazu gehören verschiedenste Raketen, Knallfrösche, Batteriefeuerwerke und die berüchtigten Schweizer Kracher, die für ihren lauten Knall bekannt sind. Sie enthielten früher einen Blitzknallsatz, damit sie mit einem hellen Lichtblitz explodieren. Weil er stark umweltschädlich ist, dürfen deshalb nur noch mit Schwarzpulver als Knallsatz befüllte Produkte verkauft werden. Das Feuerwerksverbot gilt im Ortsgebiet, nicht aber außerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Grundsätzlich können Bürgermeister das Verbot im Ortsgebiet umgehen, indem sie Ausnahmen erlassen. So ist in manchen Städten und Gemeinden zu Silvester das Schießen von Raketen und Krachern etwa eine halbe Stunde vor und nach Mitternacht erlaubt.

Der ÖVP-Bürgermeister der Stadt Salzburg, Harald Preuner, will heuer keine Ausnahme mehr machen. „Maßgeblich waren Umwelt- und Tierschutzüberlegungen sowie eine Vielzahl von Lärmbeschwerden.“ Es werde aber ein großes Feuerwerk im Bereich des Festungsberges geben, erklärt der Ortschef. Mit der Umsetzung des Verbotes kann sich auch die Gastronomie abfinden, heißt es von der Wirtschaftskammer, zumal es ohnehin keine Feuerwerke von Restaurants oder Gasthäusern in der Stadt gebe.

Anders in Wals-Siezenheim im Bezirk Salzburg-Umgebung. Hier ist Preuners Amtskollege und Parteifreund Joachim Maislinger mit der Umsetzung des Feuerwerks-Verbotes am Widerstand der Gastronomie gescheitert. „Auch das Casino hat sein Veto eingelegt und damit gedroht, die Silvesterfeier abzusagen. Auf der anderen Seite hätten viele Menschen ein Verbot jedoch begrüßt.“

In Wien bleibt ein solches auch zu Silvester aufrecht. „Privatpersonen dürfen keine Raketen und Kracher abfeuern“, erklärt Polizeisprecher Paul Eidenberger. „Kontrollen sind aber schwierig, etwa weil Raketen aus dem Fenster geschossen werden. Wir müssten Menschen schon auf frischer Tat ertappen, wobei bereits das Mitführen von Raketen als Versuch für das Abfeuern gewertet wird.“ Landesweit drohen Strafen von bis zu 3.600 Euro, in der Praxis sind es meist aber nur 50 Euro. In der Bundeshauptstadt gab es vor einem Jahr weniger als 50 Anzeigen. rb
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pfarrer
Nichts als Polemik!
1.) Die kolportierte Summe von etwa zehn Millionen Euro reduziert sich mal ganz schnell um die Mehrwertsteuer die der Staat kassiert.
Also sind wir schon bei nur mehr ca. 8.5 Millionen Euro.
2,) Von diesen 8.5 Millionen Euros geht ein Teil für Gehälter und sonstige Abgaben weg. Die Leute zahlen Lohnsteuer, der Arbeitgeber sprich Händler div. Abgaben wir Sozialversicherung ect.
Bleiben großzügig gerechnet 7 Millionen Euro über.
3.) Auch wenn Feuerwerk eigentlich fliegen kann, muß es trotzdem von Spediteuren verbracht werden. Gehen nochmal ca. 100 000 Euro weg.
4.) Wollen Groß und Einzelhändler ja auch Was verdienen. Nehmen wir mal an, es gibt ca 1500 -2000 Verkaufsstellen in Österreich die von 5 Großhändlern beliefert werden, so steckt da eine Menge Verwaltungs
arbeit dahinter und natürlich auch Arbeiter und Angestellte.
Alle die oben Genannten erhalten Lohn. Von dem Geld wird der Lebensunterhalt bestritten, also das Geld kommt zurück in die öst. Wirtschaft.
Der Rest von den etwa zehn Millionen Euro wie Eingangs erwähnt, hat sich wahrscheinlich auf den wahren Importwert reduziert und der liegt sicher weit unter 3 Millionen Euro. Und da steckt wieder Arbeit drinnen.
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