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Ausgabe Nr. 50/2019 vom 10.12.2019, Fotos: STARPIX/Alexander Tuma, Wikipedia/Manuel Rusch
Hermann Feiner, Andreas Maislinger
Ist Polizei-Station im „Hitler-Haus“ die beste Lösung?
An der Adresse „Salzburger Vorstadt 15“ in Braunau (OÖ) wurde 1889 Adolf Hitler geboren. In der Nazi-Zeit ein NS-Kulturzentrum, waren später eine Bücherei, eine Schule und eine Behindertenwerkstätte in dem Biedermeierhaus untergebracht. 2016 beschloss das Parlament die Enteignung der bisherigen Besitzerin. Sie erhielt als Entschädigung 812.000 Euro. Jetzt soll die Polizei ins „Hitler-Haus“ einziehen. Der Politikwissenschaftler Andreas Maislinger setzt sich allerdings schon seit Jahren für ein „Haus der Verantwortung“ ein.
JA: Hermann Feiner,
Innenministerium:

„Die Republik Österreich trifft eine besondere staatspolitische und historische Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass das Geburtshaus Hitlers nicht zum bejahenden Gedenken an den Nationalsozialismus missbraucht wird. Im Jahr 2016 tagte im Bundesministerium für Inneres eine Kommission aus namhaften Experten. In ihrem Bericht empfahl die Kommission, dass keine Nutzung stattfinden soll, die eine weitere Assoziierung mit der Person Hitler begünstigt, wie es der Fall bei einem Museum wäre oder einer Einrichtung, die sich mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschäftigt. Vielmehr soll ein starkes Zeichen gesetzt werden, um die Symbolik des Ortes zu durchbrechen, entweder durch eine staatliche Institution, die sich durch hohe Beständigkeit und Vertrauen in der Öffentlichkeit auszeichnet, wie es bei der Polizei der Fall ist, oder eine soziale Einrichtung. Aufgrund dieser Überlegungen hat der Bundesminister für Inneres, Dr. Wolfgang Peschorn, entschieden, dass durch die zukünftige Nutzung des Hauses durch die Polizei ein unmissverständliches Zeichen gesetzt wird, dass dieses Gebäude für immer der Erinnerung an den Nationalsozialismus entzogen ist.“

NEIN: Andreas Maislinger,
Politikwissenschaftler:

„Wien sollte die Provinz nicht länger unterschätzen. In diesem Fall ist es die kleine Bezirkshauptstadt Braunau am Inn. Die Braunauer Zeitgeschichte-Tage etwa sorgen seit dem Jahr 1992 jährlich für positiven Gesprächsstoff über das sonst meist nur mit Hitler verbundene schöne Städtchen. Vorbildlich war auch die einstimmige Unterstützung des Projektes ,Haus der Verantwortung‘ durch alle Gemeinderatsfraktionen und mehr als tausend Braunauerinnen und Braunauer. Das Hitler-Geburtshaus würde dadurch zu einer internationalen Begegnungsstätte, wo junge Menschen aus aller Welt ihre eigene Geschichte und ihre Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft diskutieren würden. Natürlich würden sie sich auch mit dem Haus und Adolf Hitler beschäftigen. Es wäre aber kein Hitler-Museum, keine Gedenkstätte und kein NS-Dokumentationszentrum. Das Haus hat seit 1945 verschiedene Verwendungen gehabt, es ist aber immer das ,Hitler-Haus‘ geblieben. Das wird auch mit der Polizei so sein. Aber es wäre wichtig, dass das Haus einen Namen bekommt und einen Inhalt, der weltweit kommuniziert werden kann. Weil es halt nicht ein Haus wie jedes andere ist.“
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