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Ausgabe Nr. 48/2019 vom 26.11.2019, Foto: Parlamentsdirektion/Simonis
Josef Muchitsch, Gerald Loacker
Ist die „Hacklerpension“ ohne Abschlag sinnvoll?
„45 Jahre sind genug“, dieses Pensions-Motto haben SPÖ, FPÖ und die Liste „Jetzt“ kurz vor der Nationalratswahl im Parlament umgesetzt. Ab 1. Jänner können Männer wieder ohne Abschläge mit 62 Jahren in Pension gehen, wenn sie 45 Jahre lang gearbeitet haben. Bisher hat das eine Renten-Einbuße von bis zu 12,6 Prozent bedeutet. Die Regelung gilt für ASVG-Versicherte, Bauern und Selbstständige. Beamte und alle, die vor dem 1. Jänner in Pension gehen, haben aber nichts davon.
JA: Josef Muchitsch,
SPÖ-Sozialsprecher:

„Ich halte es nicht nur für sinnvoll, sondern für fair und gerecht, dass Menschen, die 45 Jahre lang gearbeitet haben, ohne Strafabschläge in Pension gehen können. Das ist nicht eine Frage der Finanzierung, sondern der Wertschätzung. Unser Pensionssystem ist nachhaltig und langfristig abgesichert. Aber seit Jahrzehnten gibt es Angriffe der Lobbyisten von ,Mehr Privat weniger Staat‘ auf die staatliche Pensionssäule. Die sollten einmal versuchen, mit 65 Jahren noch auf einer Baustelle zu
arbeiten. Wenn wir 30 bis 40 Millionen Euro für Pensionen ohne Abschläge ausgeben, dann ist der Aufschrei laut. Wenn die ÖVP den Hoteliers Steuergeschenke in der Höhe von 120 Millionen Euro macht oder jetzt Unternehmen die Körperschaftssteuer im Volumen von zwei Milliarden Euro nachlassen will – da hört man wenig. Mir ist es jedenfalls lieber, Österreich gibt ein paar hundert Millionen Euro für unsere Pensionistinnen und Pensionisten aus, die 45 Arbeitsjahre geschuftet haben und Monat für Monat ihre Beiträge und Steuern geleistet haben, als dass wir Milliarden an Steuergeld für Großkonzerne, Immobilienmultis und Milliardäre verschenken.“

NEIN: Gerald Loacker,
Neos-Sozialsprecher:

„Wer im Alter von 62 schon 45 Jahre gearbeitet hat, muss nicht nur fleißig sein, sondern auch Glück haben: kein Konkurs des Arbeitgebers, keine Arbeitslosigkeit, keine lange Krankheit. Ganz oft kommen diese Menschen daher aus sicheren Bürostellen in einer Kammer, einer Sozialversicherung, einer Bank. Von dieser abschlagsfreien Frühpension profitieren ausschließlich Männer. Die Betroffenen bekommen im Schnitt eine Pension (nach Abschlägen) von 2.500 Euro brutto. Ein überdurchschnittlich hoher Wert. Diese hohen Pensionen werden ohne Abschläge bis zu 500 Euro höher ausfallen, was den Abstand zwischen Frauen- und Männerpensionen weiter vergrößert. Natürlich reiche 45 Beitragsjahre,
um in Pension zu gehen. Doch wer nach 45 Jahren im Alter
von 62 in Pension geht, bezieht seine Pension um drei Jahre länger als jemand, der erst mit 65 geht. 2.500 Euro Pension 14 Mal im Jahr ergeben über einen Zeitraum von drei Jahren die stattliche Summe von 105.000 Euro.
Ob also jemand diese 105.000 Euro bekommt oder nicht, muss ein faires System in Form von Abschlägen für den früheren Pensionsantritt berücksichtigen.“
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