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Ausgabe Nr. 48/2019 vom 26.11.2019, Fotos: Martina Bauer
Lercherl von Hernals
Hernalser Hauptstraße 70, 1170 Wien

Tel.: 01/405 83 15

Mo. bis Sa. von 11 bis 23 Uhr, warme Küche von 11 bis 22.30 Uhr. Sonntags und feiertags geschlossen. www.lercherl.at.
Ein freundliches und nettes Team umgibt den Hausherren.
Gemütlichkeit mit Geschichte. Es gibt viele Erinnerungsstücke.
Das „Lercherl von Hernals“ ist 105 Jahre alt
In Zeiten des großen Wirtshaussterbens ist es eine gute Nachricht, wenn das 105jährige Jubiläum eines alt eingesessenen Lokales gefeiert werden kann. Dies ist im 17. Wiener Gemeindebezirk der Fall, wo das Gasthaus „Zum Lercherl von Hernals“ eine gern besuchte Institution ist.
Die Gaststätte besteht bereits seit 105 Jahren. Und doch ist die Historie vom „Lercherl aus Hernals“ im 17. Wiener Gemeindebezirk in der Hernalser Hauptstraße Nummer 70 recht spärlich festgehalten. Daten und Fakten gibt es kaum. Die wenigen Aufzeichnungen im Bezirksmuseum Hernals deuten darauf hin, dass im Jahr 1914 von einem gewissen Alois Kloiber an diesem Standort erstmals ein Gasthaus eröffnet wurde. Er gab seinem Lokal im Jahr 1927 den Namen „Zum Lercherl von Hernals“ und führte es bis 1929. Dem Vernehmen nach wurde das Wirtshaus nach der Wiener Operetten-Sopranistin Barbara Betty Fischer (1887 – 1969) benannt. Die Hernalserin trug eben diesen Spitznamen. Das Gasthaus könnte seinen Namen aber auch vom gleichnamigen Lied „Lercherl von Hernals“ aus der Operette „Hoheit tanzt Walzer“ haben.

Sicher ist, dass das Lokal zwischen 1929 und 2018 häufig den Besitzer wechselte. Seither ist die Gaststätte in den Händen von Thomas Lindtner. Ein Wirt mit Leib und Seele, dem die Tradition des Hauses ebenso am Herzen liegt wie die gute, qualitativ hochwertige Alt-Wiener Küche.

Darauf legt der Gastronom besonders viel Wert. Ebenso wie auf die althergebrachte Einrichtung, die er liebevoll und aufwändig restaurierte. „Die alten Lampenschirme sind noch aus Leder und eine Rarität. Sie waren ganz dunkelbraun, als ich das Lokal übernommen habe. Wir haben sie im Geschirrspüler gewaschen, was ein Risiko war, wegen der Borten, aber jetzt sehen sie aus wie neu, dabei hängen sie schon seit mehr als 60 Jahren hier. Auch die Schank und das Interieur erinnern eher an vergangene Zeiten, aber das ist gewollt. Der Gast soll das Gefühl haben, dass er in ein gutes altes Wiener Wirtshaus kommt. Einfach so wie damals“, meint Lindtner. Von damals zeugen auch zwei Bilder an den holzvertäfelten Wänden, auf denen die Hernalser Hauptstraße und eine Straßenbahn, aber noch keine Autos zu sehen sind.

Das Lokal ist im Sommer durch den lauschigen Schanigarten von der Jörgerstraße aus zu begehen. Einer humorigen Anekdote zufolge wurde einst ein Betrunkener aus dem Wirtshaus geschmissen. Er ging dann ein Mal um den Häuserblock, nach seinem Dafürhalten ins nächste Lokal, aber es war genau das, aus dem er kurz zuvor hinausgeschmissen wurde, das „Lercherl“. Daraufhin soll er gesagt haben: „Bin ich schon so besoffen, dass alle Wirtinnen in Hernals gleich ausschauen? Jetzt hör‘ ich auf zu saufen.“ Sprach‘s, verließ das Lokal und ward zumindest dort nicht mehr gesehen.

Dafür kamen und kommen viele andere Gäste. Vor allem solche, die gerne gute Speisen genießen. „Im Sinne der ganzheitlichen Verwertung eines Tieres, sind bei uns auch Innereien ein großes Thema. Manche rümpfen die Nase, aber viele mögen diese Alt-Wiener Schmankerl wirklich gerne. Bei uns gibt‘s das traditionelle Beuschel, den Kalbskopf, die Leber und auch Nieren, Hirn oder Kutteln stehen immer wieder auf der Karte. Das Fleisch von Rind, Schwein und Huhn kommt ausschließlich von heimischen Lieferanten. Obst und Gemüse werden von Erzeugern aus der Umgebung geliefert. Und auch die Getränkekarte ist von heimischen Premiumprodukten dominiert, wie zum Beispiel Schladminger Bio-Zwickl vom Fass, Weine aus den Häusern Thomas Ott, Artner, Hagn und Stadlmann sowie zahlreiche Edelbrände“, erklärt Lindtner, der sich freut, wenn die Gäste die gute Qualität bemerken.

Und so bietet er qualitätsbewusst das gebackene Schweinsschnitzerl mit gemischtem Salat um 10,90 Euro an. Auf der Karte finden sich aber auch ein Mittags-Menü um 7,40 Euro und diverse andere Schmankerl wie Rindsuppe mit Frittaten, Lungenstrudel oder Leberknödel (3,30 Euro), Rindsgulasch groß mit Beilagen (11,90 Euro), Senflinsen mit Serviettenknödel (8,90 Euro), faschiertes Kalbs-Butterschnitzerl mit Erdäpfelpüree (14,80 Euro), Waldviertler Bio-Karpfen-Filet gebacken oder natur gebraten mit Beilage (15,80 Euro) oder Marmelade-Palatschinken (2,90 Euro).

Heuer gibt‘s erstmals im stimmungsvollen Gastgarten den „Advent im Lercherl“. Neben kulinarischen Schmankerln vom Mangalitza-Schwein, besonderen Schokoladen- und Honigspezialitäten können sich Gäste beim Punschstand gemütlich mit Freunden treffen. M. Bauer
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