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Ausgabe Nr. 47/2019 vom 19.11.2019, Foto: AdobeStock
Solidarität und Fürsorge machen die geselligen Goldschakale stark.
Die kaum bekannten Zuzügler
Er ist so klein wie ein Fuchs und heult wie ein Wolf. Nur wenige haben ihn deswegen in freier Wildbahn bemerkt. Doch kaum ist der Goldschakal still und heimlich bei uns eingewandert, soll er auch schon wieder abgeschossen werden. Der „günstige Erhaltungszustand“ sei bereits erreicht, heißt es.
Am Abend heult er. Immer wieder ruft er lauthals in die Dämmerung. In unserem Land hat sich ein faszinierender Räuber niedergelassen. Er gilt als der kleine Bruder des Wolfes und sieht dem Fuchs zum Verwechseln ähnlich – der Goldschakal.

Bislang haben allerdings nur wenige Menschen von dem heimlichen Zuwanderer mit dem goldbraunen Fell Notiz genommen. Schließlich klingt das meist nachtaktive Tier fast genauso wie ein Wolf, nur ein bis zwei Oktaven höher. Zudem glauben viele Menschen bis heute, dass diese Raubtiere ausschließlich in Afrika und Asien vorkommen. Doch mittlerweile sind Schakale in ganz Europa auf dem Vormarsch. Vor allem in Ungarn gab es wegen der starken Bejagung der Wölfe – seinem Hauptnahrungskonkurrenten – in den vergangenen Jahren einen starken Populationsanstieg. Und genau von dort kommen die Goldschakale nun auch zu uns.

Experten schätzen, dass es europaweit schon mehr als 110.000 Goldschakale gibt, aber nur noch 17.000 Wölfe. In unserem Land tauchte der erste Schakal im Jahr 1987 in der Oststeiermark auf. 20 Jahre später konnten im Nationalpark Neusiedler See (B) dann zum ersten Mal Welpen beobachtet werden. Danach folgten weitere Würfe. Für die Wildtierökologin Jennifer Hatlauf ein Beweis, dass sich diese Tiere bei uns wohlfühlen. Allerdings wissen die Forscher bis heute nicht genau, wie viele Besucher aus dem Osten tatsächlich durch unsere Felder und Flure streifen. Weshalb an der Universität für Bodenkultur in Wien vor fünf Jahren eine großflächige Erhebung begann. Mit dem Ergebnis, „dass bei uns nur eine Handvoll Schakalgruppen ansässig sind, hauptsächlich an den Grenzen zu Ungarn und Slowenien“.

Trotzdem wurde der Goldschakal nun von der burgenländischen Landesregierung von Anfang Oktober bis Mitte März zum Abschuss freigegeben. Hauptsächlich deshalb, weil die Goldschakale wieder „reproduzieren“, also Nachwuchs zeugen. Damit sei im Burgenland ein „günstiger Erhaltungszustand“ erreicht, der laut EU-Richtlinie notwendig ist, um geschützte Tiere abschießen zu können.

Laut dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) könne davon aber keine Rede sein. Schlüsse darüber, was ein Heimischwerden der Goldschakale für die hiesige Tierwelt und mögliche Konflikte mit Nutztierhaltern bedeuten könnte, lassen sich nach Ansicht der Experten noch nicht ziehen. Schließlich ist der Goldschakal gerade erst bei uns eingewandert. Noch dazu sollen die Tiere mitten im Winter bejagt werden. „Gerade da haben es die Paarhufer aber besonders schwer, überhaupt Nahrung zu finden.

Und wird nach Weihnachten noch in den Revieren herumgeballert, führt das auch zu Stress insbesondere bei Rehen und Hirschen, und in der Folge zu erhöhtem Waldverbiss“, kritisiert VGT-Obmann Dr. Martin Balluch. Zudem spielt der Goldschakal durch das Verwerten von Aas auch eine wichtige ökologische Rolle. Aufgrund seiner Größe ist er im Gegensatz zu „Meister Isegrim“ auch gar nicht in der Lage, Schafe oder Kälber zu reißen.

Seine Hauptnahrung besteht überwiegend aus Kleintieren, meist Nagetiere und Vögel, von denen nichts sichtbar zurückbleibt. Auch Fische, Insekten und pflanzliche Kost verschmäht er nicht. Zu gewissen Jahreszeiten können sich Goldschakale sogar fast nur von Obst ernähren.

Bemerkenswert ist auch ihr Sozialverhalten. Hat ein Goldschakal-Männchen eine Partnerin gefunden, bleibt es ihr für immer treu. Die Paare gehen auch äußerst zärtlich miteinander um, sie kraulen und lecken sich, helfen und verteidigen sich gegenseitig. Und natürlich jagen sie auch gemeinsam. „Stirbt ein Tier, dann leiden die anderen stark unter dem Verlust. Es müsste also schon gewichtige Gründe für einen Abschuss geben, was aber von sämtlichen ökologischen Studien widerlegt wird“, weiß Dr. Martin Balluch. hwie
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