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Ausgabe Nr. 47/2019 vom 19.11.2019, Foto: zVg
Lukas und Julia Huber scheiben bei der
Champions-League in die Vollen.
„Alle neune“ für das Kegel-Pärchen
Eine 2,8 Kilo schwere Kunstharz-Kugel ist ihr Sportgerät, die Kegelbahn ihre Bühne. Das Ehepaar Lukas, 32, und Julia, 25, Huber aus Oberwölbling (NÖ) kann auf sieben Weltmeistertitel und mehrere Dutzend Staatsmeistertitel verweisen. Ab Freitag räumt das Kegelpärchen in der Champions League ab.
Wie viele Kegel sie in ihrer erfolgreichen Karriere schon „flachlegten“, lässt sich nur schätzen, etliche Millionen müssen es sein. Denn „gut Holz“ ist schon lang der Leitspruch von Lukas, 32, und Julia, 25, Huber. Sogar nach der Geburt ihres Sohnes Ben vor einem Jahr blieb ihr Kalender randvoll von Terminen im Zeichen der neun Kegel.

„Der Sport hat für uns beide einen hohen Stellenwert. Unter der Woche trainieren wir mehrmals und am Wochenende treten wir für unseren Verein FWT Neunkirchen (NÖ) an“, verrät Huber, der sich dafür fast täglich in der Kraftkammer quält und anstrengende Trai-
ningseinheiten absolviert, um nicht wie die meisten Kegler eines Tages Verletzungsprobleme mit Schulter, Knie oder Rücken zu bekommen.

Der mehrfache Weltmeister, dessen größter Erfolg der Titel im Duobewerb 2006 in der allgemeinen Klasse war, versammelt gemeinsam mit Herzblatt Julia eine Vielzahl von Pokalen und Medaillen in einer Vitrine in ihrem Haus in Oberwölbling (NÖ). Die beiden Berufspolizisten haben zusammen an die 50 nationale Meistertitel gewonnen. „Den kleinen Ben nehmen wir auch öfter mit zum Kegeln“, schmunzelt Mama Julia, deren WM-Bronze aus dem Jahr 2014 ihr größter Erfolg war. „Es gefällt ihm und er hat auch schon ein paar Mal versucht, eine Kugel zu rollen.“

Das Ehepaar kennt die 19,50 Meter lange Kegelbahn längst wie seine Westentasche, viele Kegel haben sogar eigene Namen. „Bauer“ heißen etwa die beiden außen stehenden Kegel, „Damen“ die zweitäußersten, zentral in der Mitte steht der „König“ und als hinterster der „Bismarck“. „Alle neune abzuräumen, nennen wir nicht wie in Hobbykreisen eine ,Sau‘, sondern ein ,Holz‘“, erklären Lukas und Julia Huber, die auch für viele Kegelbilder einen Namen kennen. „Räumen wir den vordersten, den König und den Bismarck ab, ist das ein ,Durchstich‘, bleiben beide Bauern und ein mittlerer Kegel stehen, nennen wir das ein ‚Lübeck‘.“ Die Faszination des Kegelns kann Lukas Huber nur schwer in Worte fassen. „Du bekommst nach jedem Wurf eine unmittelbare Rückmeldung über den Erfolg wie in keiner anderen Sportart“, beschreibt er deren magische Anziehungskraft.

Das Pärchen lernte sich wenig überraschend vor einigen Jahren auf der Kegelbahn kennen. Dass beide beruflich auch noch die Polizeiuniform tragen, ist allerdings Zufall. Frau Inspektorin Julia Huber geht im ersten Wiener Gemeindebezirk auf Streife, ihr Mann wiederum ist Revierinspektor in St. Pölten (NÖ). „Ich bin für Kleinkriminalität zuständig und kenne jeden kleinen Gauner im Bezirk“, lacht er.

Am Freitag tauschen beide bei der europäischen Champions League des Kegelns wieder ihre Dienstwaffen gegen die Kugel, Lukas Huber in Raindorf (D), seine Frau mit den Damen in Novi Sad (Serbien). „An guten Tagen spüre ich, wenn die Kugel noch unterwegs ist, wie viele Kegel fallen werden“, sagt Lukas Huber und hofft auf seine derzeit bestechende Form. Sechs Spieler treten in jedem Duell pro Verein gegeneinander an. Dabei bestreiten sie je 120 Würfe, 60 davon „in die Vollen“ (auf immer neun Kegel), bei den anderen 60 Würfen wird abgeräumt, wobei erst wieder alle neun aufgestellt werden, wenn zuvor jeder einzelne umgeworfen wurde. „Das Glück ist nicht unwichtig und entscheidet im Kegeln ein Drittel des Erfolges“, relativiert Huber, denn auch Profis tun sich schwer. „Selbst uns Spitzenspielern gelingt das Abräumen aller neun Kegel mit einem Wurf höchstens ein Mal in fünf Versuchen.“ Kreuziger
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