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Ausgabe Nr. 47/2019 vom 19.11.2019, Fotos: picturedesk.com, Universal Music
Max Raabe
Auf „MTV Unplugged“ bietet Max Raabe mehr als zwei Stunden Unterhaltung mit
illustren Gästen.
„Ich habe eine Vorliebe für Ironie“
Im Mai hat Max Raabe, 56, mit seinem „Palast Orchester“ und zahlreichen Gästen wie Herbert Grönemeyer, Lars Eidinger, Mr. Lordi und Lea in Berlin (D) sein stimmungsvolles und üppiges „MTV Unplugged“-Album aufgenommen. Es ist ab Freitag, 22. November, im Handel – das Werk eines Nachtschwärmers. Davon erzählte Raabe dem
WOCHE-Reporter Steffen Rüth im Gespräch.
Herr Raabe, Sie haben Ihr neues Album „MTV Unplugged“ im Berliner (D) Tanzlokal „Clärchens Ballhaus“ aufgenommen. Nun sitzen wir hier in diesem Veranstaltungshaus im ehemaligen Raucherzimmer. Haben Sie einmal geraucht?
Als ich mit der Schule fertig war, fand ich es gut und entspannend, Pfeife zu rauchen. Bis ich merkte, dass das ganz schön auf Hals und Rachen geht und meinem Beruf alles andere als zuträglich ist.

Warum gerade Pfeife?
Ich bin damals viel gewandert. Sich irgendwo hinzusetzen, ein Päuschen zu machen, die Pfeife zu stopfen, und die Sonne untergehen zu sehen, das war schon eine schöne, kleine Betäubung. Vom Pfeife rauchen wirst du ja ein kleines bisschen benebelt.

War nur Tabak drin?
Ja. Nichts, was lustig macht. Beim Kiffen habe ich keine Freude gehabt. Ich habe das zwei Mal probiert und beide Male gefroren wie ein Schneider. Danach war ich mit dem Thema durch. Jetzt bleibt mir nur noch der Alkohol (lacht).

Sind Sie ein Nachtschwärmer?
Durchaus. Ich tanze gern, und weitgehend ist es mir egal, zu welcher Musik. Wenn alle auf die Tanzfläche rennen, bin ich dabei.

In Berlin geht das Nachtleben spät los. Bei Ihnen auch?
Ich stelle mir jetzt nicht den Wecker auf drei Uhr, um mich dann ab vier Uhr bis in die Morgenstunden irgendwo in die Schlange zu stellen. Aber es passiert schon, dass ich lange unterwegs bin. Gestern war eine Freundin aus München (D) zu Besuch, wir sind mit ein paar anderen Bekannten in einer Bar gesessen und haben bestimmt bis drei Uhr gequatscht. Das war ein lustiger Abend.

Dafür sind Sie aber schon recht munter?
Die Stimme hängt noch ein bisschen runter. Und rasiert habe ich mich auch nicht. Ich habe jetzt zwei Tage frei, da gönne ich mir diese kleine Nachlässigkeit.

Bei den Aufnahmen zu Ihrem „MTV Unplugged“-Album vor einigen Monaten war vermutlich eher Präzision erforderlich?
Im Nachhinein gesehen war es schon sportlich, das ganze Konzert mit weit mehr als zwei Stunden Länge an zwei Tagen aufzunehmen. Das ging nur mit einem so guten Ensemble wie dem „Palast Orchester“. Außerdem haben wir die Lieder zum Teil umarrangiert, Tonarten verändert und intensiv mit den Gästen geprobt.

War das mit dem „MTV Unplugged“-Album Ihre Idee?
Nein, wir sind gefragt worden. Ich selbst wäre gar nicht auf die Idee gekommen, denn diese „MTV Unplugged“-Shows sind ja immer so „cool“, und ich bin gar nicht „cool“. Ich fand die Idee allerdings reizvoll, Musiker einzuladen, auf die niemand kommt, wenn er an uns denkt.

Sie sind nicht „cool“?
Ich will gar nicht „cool“ sein, mir reicht es, entspannt zu sein.

Herbert Grönemeyer ist auch dabei. Sie singen seinen „Mambo“ und er singt Ihr Stück „Du weißt nichts von Liebe“. Ist er ein Freund?
Nein. Wir sind uns ab und zu über den Weg gelaufen und miteinander bekannt. Ich war glücklich, als er zugesagt hat. Herbert hat mir gesagt, dass „Du weißt nichts von Liebe“ sein Lieblingsstück von mir sei. Ich habe es auch immer gern gesungen, vor allem wegen der Zeile „Ich krieg noch Geld von dir zurück/ das überweist du“. Nach einer Trennung kann das Miteinander äußerst unangenehm werden.

Was möchten Sie mit Ihren Liedern ausdrücken?
Ich habe eine Vorliebe für Ironie. Ich glaube, wer Sachen ironisch hinterfragt, kann nicht hassen. Ich denke auch, dass sich rechtsnationales Denken und Ironie ausschließen. Die Rechten sind ja alle so verbissen und unlustig.

Ist Ironie erlernbar?
Ein bisschen ist Erziehung, aber das meiste Veranlagung. Bei uns liegt die Ironie in der Familie. Mein Bruder und ich haben oft erst am nächsten Tag über einen Spruch meines Vaters gelacht, weil es so lange dauerte, bis der Groschen fiel. Bei uns hat es immer einen zurückhaltenden, angenehmen Humor gegeben, wir alle haben oft und gerne über uns selbst gelacht.

Sie haben so ein ausgeglichenes Gemüt. Werden Sie eigentlich auch einmal laut und schreien herum?
Auch bei mir gibt es solche finsteren Momente. Sie sind aber Gott sei Dank äußerst selten.
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