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Ausgabe Nr. 47/2019 vom 19.11.2019, Foto: Mostviertel Tourismus/weinfranz.at
Auf nach Mariazell

Zwei Termine: 29.11.–1.12. und 13.–15.12., inkl. 2 Übernachtungen in Gasthöfen, Transfers, Gepäcktransport und Pilgerbegleitung, 211 Euro im Einzelzimmer,

Tel.: 07482/20 444,

www.viasacra.at
Pilgern im Advent
Der älteste Wallfahrerweg unsers Landes ist die „Via Sacra“, die Heilige Straße. Sie führt nach Mariazell (Stmk.). Auf einem Teilstück dieses Pfades sind Maria Kvarda und Christa Englinger unterwegs. Die beiden ausgebildeten Pilgerbegleiterinnen machen sich im Advent zu diesem Wallfahrtsort auf. Unterwegs werden das Stift Lilienfeld und Annaberg (beide NÖ) besucht.
Wenn die stillste Zeit des Jahres naht, wird es draußen hektisch. Wer eine Weile dem Trubel und Kaufrausch entfliehen möchte, schließt sich Christa Englinger, 53, und Maria Kvarda, 60, an. Die beiden laden zum Adventpilgern nach Mariazell in der Steiermark ein.

An zwei Terminen laden sie ein, drei Tage lang die Natur zu genießen und sich auf Weihnachten einzustellen. Im Stift Lilienfeld (NÖ) stimmen sich die Ausflügler auf den Advent ein. „Wir besichtigen das Stift, das für den größten mittelalterlichen Kreuzgang unseres Landes berühmt ist“, erzählt Maria Kvarda.

Abends geht es weiter nach Annaberg (NÖ), wo um 17 Uhr der Adventmarkt eröffnet wird. Kvarda tauscht für einen Moment ihre Rolle als Pilgerbegleiterin gegen die einer Sängerin ein. „Ich singe bei einem gemischten Chor mit. Wir eröffnen den Adventmarkt in Annaberg musikalisch. Die Lieder hat alle mein Bruder geschrieben“, erzählt die 60jährige.

Auf dem Christkindlmarkt, der von 13. bis 15. Dezember geöffnet ist, präsentieren Menschen aus der Region ihre Werke. „Auch Kinder verkaufen selbst gebastelte Geschenke, die sie gemeinsam mit ihren Großeltern hergestellt haben.“

Die Besucher sind eingeladen, neben dem Adventmarkt auch die Kirche zu besuchen. „Annaberg ist wie Mariazell ein Wallfahrtsort. Sie war die erste Kirche unseres Landes, die der Heiligen Anna geweiht wurde“, erklärt die Pilgerbegleiterin.

Im Inneren des Gotteshauses befindet sich die aus dem Jahr 1440 stammende Anna-Selbdritt-Gruppe. Das Kleinod gotischer Schnitzkunst ist eine Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. „Pilger flüstern der Heiligen Anna ihre Wünsche ins Ohr, in der Hoffnung, dass sie ihnen weiterhilft“, verrät Kvarda.

Beim Gotteshaus kommen die frommen Wanderer auch am zweiten Tag vorbei, wenn sie sich auf nach Mariazell machen. Wenn das Wetter mitspielt und nicht zu viel Schnee liegt, geht es über die drei „heiligen Berge“ zum steirischen Wallfahrtsort.

Kvarda führt die Gruppe an. In ihrer rechten Hand hält sie einen Pilgerstab, den sie mit Fichten-, Tannen- und Eibenzweigen geschmückt hat. Sie folgen der „Via Sacra“, der Heiligen Straße. Von Annaberg geht‘s in Richtung „Annabründl“ und weiter zum Joachimsberg, der nach dem Gemahl der Heiligen Anna benannt ist.

Der dritte Berg ist der Josefsberg. Der dortige Pfarrhof ist sehenswert für seine Seccomalereien aus der Arbeitswelt der Holzknechte. „Pfarrer Chrysostomos Sandweger malte um 1830 Szenen aus dem Leben der Holzknechte im Ötschergebiet an die Wände des Speisezimmers im Pfarrhof. Die Gemälde zeigen, wie die Holzknechte die Landschaft geformt haben“, erklärt Kvarda.

Der Pfarrhof steht inmitten einer schönen Landschaft. „In der kalten Jahreszeit hat das Pilgern einen anderen Reiz als im Sommer. Die Region sieht anders aus. Wenn es geschneit hat, reflektiert der Schnee das Mondlicht und wir stapfen über unberührte Flächen.“ Den gesamten Weg von Annaberg nach Mariazell legen die Pilger aber nicht zu Fuß zurück. „Wir fahren zwischendurch auch mit der Mariazellerbahn. Die reine Gehzeit beträgt vier Stunden.“

Die letzten Kilometer nach Mariazell legen die Pilger auf dem „Rosenkranzweg“ zurück. Sobald sich der Wald lichtet, taucht die Basilika vor den Pilgern auf. Gegen 16 Uhr werden sie die Stufen zum gewaltigen Eintrittsportal erklimmen und das Gotteshaus betreten.

„Ich freue mich immer, wenn ich in Mariazell ankomme. Dann haben wir die gesamte Familie Jesu beisammen“, sagt die 60jährige und holt zu einer Erklärung aus. „In Mariazell wird Maria, die Mutter von Jesu verehrt. Marias Gemahl Josef sowie ihre Eltern Joachim und Anna haben wir ja schon beim Überschreiten der Berge erfahren.“

Am Abend können die Pilger den Adventmarkt in Mariazell besuchen, der in diesem Jahr sein 20. Jubiläum feiert. Aus diesem Grund gibt es eine Neuheit, den weltweit ersten begehbaren Adventkalender. Im Ort werden Fenster gestaltet, die zu einer Entdeckungsreise einladen.

„Beim Pilgern war das Ziel immer ein Heiligtum“, sagt Kvardas Kollegin Christa Englinger. „Das Pilgern hat seinen Ursprung im Mittelalter. Es wurde von weltlichen Gerichten auch als Strafe verhängt oder diente dazu, sich von gesellschaftlichen Verpflichtungen davonzustehlen. Wenn eine Frau im Mittelalter zum Beispiel einen Mann nicht heiraten wollte, ist sie auf Pilgerschaft gegangen“, schmunzelt Englinger.

Früher stand der Glaube im Mittelpunkt, heute geht es darum, sich mit den Fragen des Lebens auseinanderzusetzen und sich eine Auszeit zu gönnen. Das größte Geschenk ist für viele oft Zeit und Stille. widlak
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