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Ausgabe Nr. 47/2019 vom 19.11.2019, Foto: Thomas & Thomas
Verena Altenberger,
geboren am 11. November 1987, in Schwarzach im Pongau (S), studierte Musik und Kunst in Wien.

Sie spricht Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Jiddisch und Türkisch. 2016 erhielt sie die Titelrolle in der RTL-Serie „Magda macht das schon!“, in der sie eine polnische Altenpflegerin spielt.

Für die Hauptrolle in dem Drama „Die beste aller Welten“ wurde sie als beste Schauspielerin beim Internationalen Filmfestival Moskau ausgezeichnet. Seit September ermittelt sie als Münchener Kommissarin in „Polizeiruf 110“.
„In der Früh sage ich ,Ja‘ zum Leben“
Am Sonntag gehört sie im „Tatort“ (20.15 Uhr, ORF 2) zum Kreis der Verdächtigen. In der ARD-Serie „Polizeiruf 110“ ist sie die neue Hauptkommissarin. Hier erzählt Verena Altenberger, 32, von ihrer Freude an Sprachen, ihrem Lieblingsritual und dem Verhältnis zu Waffen.
Frau Altenberger, für den jüngsten „Tatort“-Krimi drehten Sie im Mölltal. Mussten Sie für Ihre Rolle als Mordverdächtige den Kärntner Dialekt lernen?
Ich komme aus Dorfgastein. Wenn ich mit dem Zug einmal durch den Tunnel fahre, bin ich schon in Kärnten. Bis auf ein paar Ausdrücke und natürlich Feinheiten ist das Dialekt-Gebiet relativ ähnlich.

Ob Dialekte oder Sprachen, Sie sprechen immerhin sechs – sind Sie ein Sprachtalent?
Ich hatte schon als junges Kind eine große Freude an Fremdsprachen. Auf Empfehlung meiner Volksschullehrerin ging ich schließlich in ein Gymnasium mit Sprachenschwerpunkt.

War das schon der Grundstein für das Schauspielen?
Meine Liebe zur Sprache hat bestimmt damit zu tun.

Und wie taten Sie sich in Mathematik?
Um Gottes willen (lacht), mit Sprachen tue ich mir wirklich leicht, aber in Mathematik überhaupt nicht.

Sie sind im Salzburger Land aufgewachsen. Hat Sie das ländliche Umfeld geprägt?
Ich war durchaus ein Dorfkind, habe aber schon auch Stadtluft geschnuppert, weil mein Gymnasium in der Stadt Salzburg war. Was mir sicher in die Wiege gelegt wurde und mich bis heute prägt, ist die Liebe zur Natur und Achtsamkeit im Umgang mit Nahrung.

Hat das damit zu tun, dass Ihre Mutter als Landwirtin gearbeitet hat?
Meine Mutter leitete den Winklhof, eine landwirtschaftliche Fachschule, die sie auf Bio und Offenstallhaltung umgestellt hat. Ich habe schon als Kind mitbekommen, was ethisch vertretbar und für unsere Tiere gut sein kann.

Der Verlust Ihrer Mutter vor drei Jahren muss für Sie ein schwerer Schlag gewesen sein …
Natürlich. Einen geliebten Menschen zu verlieren, tut einfach wahnsinnig weh. Meine Mutter starb an Brustkrebs, sie hat vor ihrem Tod einige Jahre gegen den Krebs gekämpft. Ich bin ihr wahnsinnig dankbar, dass sie es während dieser schweren Zeit geschafft hat, so offen wie möglich mit uns zu reden. Wir haben als Familie viel über das Negative gesprochen, die Einsamkeit, die eine lebensbedrohliche Krankheit mit sich bringt, die schwierigen Therapien und auch darüber, wie sich meine Mutter oft nicht mehr schön fühlen konnte. Und wir haben uns gesagt, wie lieb wir uns haben. Diese Offenheit hat mir geholfen. Ich finde es wichtig, miteinander zu reden. Über Ängste, über Unangenehmes und über Gefühle. Diese Offenheit hat mir meine Mutter geschenkt.

Sie wirken positiv. In der Früh sagen Sie gleich drei Mal „Ja“ zum Leben …
(lacht) Ja, das ist ein liebgewordenes Ritual. Wenn ich aufwache, sage ich zu den ersten drei Dingen, die ich wahrnehme, „Ja“, egal ob sie positiv oder negativ sind. Ich kann sagen, „Ja, ich habe etwas Schönes geträumt“, „Ja, ich freue mich auf den Tag“ und „Ja, ich freue mich auf meinen Kaffee“. Oder ich sage, „Ja, ich habe Kopfweh“, „Ja, es regnet“, und „Ja, ich muss jetzt aufstehen“. Denn es ist auch okay, etwas anzunehmen, was gerade nicht in Ordnung ist.

Schaffen Sie es, sich selbst zu motivieren?
Ja, ich weiß nicht, woher ich das kann. Wahrscheinlich wurde mir das auch in die Wiege gelegt. Ich habe einfach ein großes Urvertrauen in mich und in die Welt und denke, es wird schon alles gutgehen.

Wie halten Sie es mit dem Sport?
Ich gehe jeden Tag laufen und so oft wie möglich schwimmen. Ich koste die Bergwelt und das Wandern aus, wenn ich meine Oma in Dorfgastein besuche. Wann immer sich die Chance bietet, gehe ich einen Berg hinauf. So ist es auch beim Reiten. Wo immer ich auf Urlaub bin, suche ich nach einem Reitstall.

Liegt Ihnen auch der Kampfsport?
Das Lernen von Kampfsportarten wie Fechten oder Aikido ist mehr der Schauspielerei geschuldet. Wie auch das Schießen. Das alles kann ich in meinem Beruf gut gebrauchen. Den einen oder anderen kleinen Stunt gibt es in den meisten Rollen und geschossen wird natürlich auch in „Polizeiruf 110“.

Wo Sie seit September als Hauptkommissarin in Aktion sind. Mussten Sie erst einmal lernen, mit einer Waffe umzugehen?
Ich musste den Umgang mit Waffen nicht neu lernen, da ich bereits vor Jahren in Vorbereitung auf eine andere Rolle den Waffenführerschein gemacht habe. Privat möchte ich aber niemals eine Waffe besitzen und natürlich nicht benutzen, nie würde ich die Waffenindustrie unterstützen. Aber ein geübter Umgang mit Waffen ist für viele Rollen wichtig. Auch wenn wir beim Drehen nur Attrappen benutzen – du musst trotzdem verstehen, was du da in der Hand hast und wie viel Verantwortung damit einhergeht.

Hat Ihnen das für Ihre Rolle etwas gebracht?
Absolut, weil es nicht nur darum geht, zu wissen, wie ich die Waffe halte. Jemand, der schon einmal scharf geschossen hat, weiß, wie gefährlich dieses Ding ist und welche Verantwortung es bedeutet, eine Waffe zu tragen. Wenn ich eine Polizistin spiele, die den ganzen Tag mit der Waffe an der Hüfte herumgeht, sollte ich wissen, mit welchem Respekt dieses „Tötungsding“ zu behandeln ist.

Was unterscheidet die Krimi-Formate „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ voneinander?
„Polizeiruf 110“ wird gerne als „kleine Schwester“ des „Tatort“ bezeichnet. Wenn „Tatort“ draufsteht, schalten einfach eine Million mehr Menschen ein, das liegt an der Marke. Was ich jedoch schätze, ist, dass der „Polizeiruf“ oft noch mutiger ist. Jedenfalls gefällt es mir, am kommenden Sonntag im „Tatort“ des Mordes verdächtig zu sein, um dann zwei Wochen später als Oberkommissarin in „Polizeiruf 110“ zu ermitteln. Ich liebe die Abwechslung.
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