Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 46/2019 vom 12.11.2019, Fotos: AdobeStock
Sanddünen in Maspalomas
Teror ist der bekannteste Wallfahrtsort.
Sandstrand in Puerto de Mogán
Insel der Kontraste
Wälder im Norden, eine Wüste im Süden und an jeder Ecke ist ein Sandstrand zu finden. Mittendrin setzt sich eine zweitausend Meter hohe Gebirgskette ins Rampenlicht. Zu finden ist das alles auf Gran Canaria, der drittgrößten der Kanarischen Inseln. Urlauber zieht es vor allem wegen der wohlig warmen Temperatur hin, die das ganze Jahr über herrscht.
Draußen im Dunkeln rauscht die Brandung, gleich schlägt es Mitternacht. Trotz der späten Stunde sitzen Menschen an Holztischen, sie essen und trinken. Und das an einem Donnerstag. In Spanien wird eben spät gegessen.

Diese für uns eher unübliche Angewohnheit macht auch nicht vor den zu Spanien gehörenden Inseln, den Kanaren, Halt. Auf Gran Canaria, der drittgrößten Kanarischen Insel, ist am Donnerstag nicht ans Schlafen zu denken. In der Hauptstadt Las Palmas findet an diesem Wochentag die Tapas-Tour in der Altstadt Vegueta statt. Ein Glas Wein und eine Tapa gibt es um drei Euro.

„Tapas sind eine Art kleine, belegte Brote“, erklärt Pablo Llinares vom Tourismusverband der Insel. Bei der Zusammenstellung sind die Insulaner erfinderisch. Sie belegen die Weißbrote mit süßer Blutwurst, Wachtelei und Ziegenkäse oder mit Tortilla und Dorsch.

Inmitten des Trubels leuchtet die Kathedrale Santa Ana, die abends von Scheinwerfern erhellt wird. Ihr Bau wurde bereits zehn Jahre nach der Insel-Eroberung durch die Spanier Ende des 15. Jahrhunderts begonnen. Zwischendurch brannte sie aus und wurde Ende des 18. Jahrhunderts restauriert.

Der Platz, auf dem die Kathedrale steht, wird von acht Hunden bewacht. Die Figuren wurden aus Bronze gegossen und sollen daran erinnern, dass die Vierbeiner die Namensgeber der Insel Gran Canaria sind. Hund bedeutet auf Lateinisch „canis“. „Ursprünglich soll es auf der Insel große Hunde gegeben haben“, erklärt Llinares.

Tierisch geht es auch im Kolumbushaus zu. Beim Eintritt werden die Besucher von Papageien begrüßt. „Kolumbus soll bei seiner ersten Reise nach Gran Canaria diese fliegenden Exoten dabeigehabt haben. Das Gebäude beherbergt ein Museum, das von den Reisen des Seefahrers erzählt. Zu sehen ist auch eine detailgetreue Nachbildung seiner Kapitänskajüte.“

Vom Kolumbushaus ist es nicht weit zum Strand. Die Hauptstadt wird von der drei Kilometer langen Bucht Las Canteras „umarmt“. Das vorgelagerte Naturriff schützt vor den Wellen. Für kältegeplagte Europäer ist Gran Canaria das ideale Urlaubsziel. Das ganze Jahr über hat es mindestens 25 Grad Celsius.

Wer Glück hat, trifft am Strand auf eine Gruppe, die für den „lucha canaria“, den kanarischen Ringkampf, trainiert. „Den gibt es nur auf den Kanarischen Inseln. Es ist der populärste Sport der Insel, sowohl bei Männern als auch bei Frauen“, sagt Llinares. Ziel ist, den Gegner durch verschiedene Griffe auszuhebeln und zu Boden zu werfen.

Die meisten Urlauber bekommen davon aber nichts mit. Sie zieht es an die Sandstrände im Süden. Ein sehenswerter Strand ist jener in Puerto de Mogán. Das Fischerdorf wird aufgrund seiner vielen Wasserkanäle gern mit Venedig (Italien) verglichen.

Der beliebteste Ferienort ist jedoch Maspalomas, das für seine weitläufigen Sanddünen bekannt ist. Die meterhohen Sandberge erstrecken sich über eine Fläche so groß wie 250 Fußballfelder. „Es lohnt sich, bereits kurz nach Sonnenaufgang die Dünen zu besichtigen. Zu dieser Zeit liegen die meisten Urlauber noch im Bett. Außerdem wurde der Sand von der Sonne noch nicht aufgeheizt.“ Der Sand besteht aus Korallen und Muschelkalk, den die Meeresbrandung zerrieben und angeschwemmt hat.

Die Insel hat neben einer Wüste aber auch eine üppige Natur zu bieten. Fast die Hälfte des Eilandes steht unter Naturschutz. In der Inselmitte verläuft ein fast zweitausend Meter hoher Gebirgskamm. Hier wird das Wetter gemacht. „Die Wolken bleiben in den Bergen hängen. Das ist der Grund, warum es im Norden öfter bewölkt und im Süden heiß und trocken ist“, erzählt Llinares.

Im Inselinneren gibt es duftende Kiefernwälder und Bergdörfer. Eines davon ist Teror. Die Häuser zieren Holzbalkone. „Die Balkone waren ein Statussymbol. Sie zeigten den Wohlstand der Eigentümer.“ Teror ist auch das religiöse Zentrum der Insel. Die Wallfahrtskirche „Nues-
tra Señora del Pino“ beherbergt eine Statue der Schutzheiligen der Insel.

Am Sonntag sind die Straßen rund um die Basilika mit Verkaufsständen voll. Verkäufer bieten am ältesten Markt der Kanaren Kunsthandwerk und mit Mandeln abgeschmeckte Streichwürste feil. Auf der Insel wachsen viele Mandelbäume. Im Jänner und Februar stehen sie immer in voller Blütenpracht.

Ein Pflanzenparadies ist auch der Botanische Garten, zehn Kilometer von Las Palmas entfernt. Hier wachsen 500 Pflanzenarten, die es nur auf der Insel gibt. Dazu gesellen sich 2.000 Kakteen und Sukkulenten, einige davon sind baumhohe Exemplare. „Unser Ziel ist, die Artenvielfalt unserer Insel zu erhalten. Der Eintritt ist frei“, erzählt Juan López Ramírez vom Botanischen Garten. widlak
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung