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Ausgabe Nr. 45/2019 vom 05.11.2019, Foto: Warner Brothers
Bruce Springsteen
Eine musikalische Zeitreise
Eineinhalb Stunden dauert der Flug von Wien nach Hamburg (D). Diese 90 Minuten reichen aber auch
dem „Boss“ Bruce Springsteen, 70, Anschauliches aus seinem Leben zu bieten. Zusammengefasst im Film „Western Stars“, benannt nach seinem gleichnamigen Album. Live-Aufnahmen eines einzigartigen Konzertes bilden die Basis des Filmes, der noch um Archivaufnahmen sowie selbstkritische Betrachtungen des Künstlers ergänzt wurde. Der Streifen ist in den nächsten Tagen in ausgewählten Kinos zu sehen, am 14. und 17.11., Filmhaus, 24.11., Filmcasino, alle Wien. Der
WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat sich vorab bei der Europa-Premiere in London (England) mit dem Künstler unterhalten.
Wie entstand die Idee, Ihr im Juni veröffentlichtes Album „Western Stars“ als Film umzusetzen?
Eigentlich aus rein pragmatischen und praktischen Gründen. An diesem Album habe ich seit 2012 gearbeitet, legte es einige Jahre weg, um das Buch und das Broadway-Stück zu schreiben, und widmete mich ihm wieder im vergangenen Jahr. Irgendwann hatte ich vierzig Lieder beisammen und wusste: Es ist eine ungewöhnliche musikalische Sammlung. Ich werde nicht damit auf Tour gehen, aber ich wollte etwas tun, um diese Lieder zu unterstützen. Da kam mir die Idee mit dem Film, damit die Menschen sehen, wie es ist, diese Lieder live zu spielen. Ursprünglich wollten wir bloß das Konzert filmen und fertig.

Wo haben Sie die „Konzert“-ähnlichen Szenen aufgenommen?
In unserer Scheune, daheim in Colts Neck (New Jersey, USA). Das war im vergangenen Mai. Wir hatten Glück, dass es noch nicht so heiß war, denn im Sommer ist dieser Ort eine Sauna. Aber so war die Scheune phantastisch, wir haben sie hergerichtet und dekoriert. Die Pferde leben im Untergeschoß, wir haben in der oberen Etage aufgebaut und das 30-köpfige Orchester hineingesetzt. Dann haben wir zwei Tage lang aufgenommen.

Gehört die Scheune zu Ihrem Anwesen?
Ja, ich glaube, sie ist schon hundert Jahre alt. Wir haben dort schon diverse Feste gefeiert, und die kleine Bar, an der Patti (seine Frau Patti Scialfa, sie spielt die Gitarre, Anmerkung) und ich während des Abspannes sitzen, die haben wir keineswegs extra für den Film eingebaut (lacht).

Wann haben Sie Ihre Liebe zu Pferden entdeckt?
Als ich mit Patti zusammenkam und wir auf diesen Hof gezogen sind. Reiten hat etwas Meditatives, ich kann mich gut dabei sammeln.

Haben Sie sich auch schon einmal beim Rodeo versucht?
Na ja, „versucht“ trifft es wohl. Ein bisschen, aber das möchte ich grundsätzlich doch lieber den Profis überlassen.

Im Film haben Sie gemeinsam mit dem Regisseur Thom Zimny zwischen die einzelnen Lieder unterhaltende und informative Sequenzen eingefügt. Darin sind Sie unter anderem beim Autofahren durch die kalifornische Wüste zu sehen, auch alte Aufnahmen von Ihnen sind dabei – sogar verwackelte von Ihren Flitterwochen …
(lacht) Ja, Patti und ich vor unserem Wohnwagen. Wir hielten es für eine gute Idee, einfach mit dem Wohnmobil irgendwo hinzufahren, nur wir beide. Wer sich die Aufnahmen anschaut, die Thom an diversen verregneten Sonntagnachmittagen in unserem Wohnzimmer ausgesucht hat, dem fällt auf: Es sind viele Rituale zu sehen. Hochzeiten, Partys, Familienfeiern. Thom hatte dazu gleich jede Menge weiterer Bilder im Kopf, die wir im Laufe des Sommers aufnahmen. Und was meine Worte angeht? Ich saß eines Abends vor dem Fernseher und fing an, zu jedem der Lieder meine Gedanken aufzuschreiben. Viele meiner Betrachtungen über das Leben haben wir in den Film eingebaut. So ist es am Ende ein richtiger Film geworden und nicht nur ein Konzertfilm.

Sie sind im September 70 Jahre alt geworden, haben die Autobiographie „Born To Run“ geschrieben, mehr als ein Jahr lang am Broadway gespielt und jetzt „Western Stars“ gemacht. Woher kommt Ihre Energie?
Ich bin ein Mann mit vielen Talenten (lacht). Als Nächstes werde ich mich als Astronaut versuchen. Ich glaube, ich komme in ein Alter, in dem ich künstlerisch zusammenfassen möchte, was ich in meinem bisherigen Leben gelernt habe. Das Buch war das erste Kapitel, die Broadway-Show entstand in gewisser Weise aus dem Buch heraus. In den vergangenen fünf Jahren hatte ich einen Lauf, das kann ich sagen. Ich fühlte und fühle mich inspiriert und habe kreative Dinge getan, die ich vorher nie getan habe. Ich habe wirklich Glück, denn man weiß ja nie.

Wie, hoffen Sie, werden die Zuschauer auf den Film reagieren?
Ich stelle mir vor, die Menschen schauen ihn sich mit ihrer oder ihrem Liebsten an, und gegen Ende fangen sie an, Händchen zu halten.
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