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Ausgabe Nr. 44/2019 vom 28.10.2019, Foto: AdobeStock, zvg
Hier gibt‘s die Kastanienschmankerln:
Obstbau Plemenschits,
Klostermarienberg, Hauptstraße 47. Info-Tel.: 0664/9536585; 02611/2373.
Ab-Hof-Verkauf:
von Mo. bis Fr. (7 bis 18 Uhr)
und Sa. (7 bis 16 Uhr).
Wird‘s bei uns kalt, sind sie heiß
Heiße Maroni“ – so locken die Straßenverkäufer ihre Kundschaft ab Allerheiligen überall an. Denn was wäre die kalte Herbst- und Winterzeit ohne die gerösteten Esskastanien, die Magen, Herz und Hände wärmen.
Harte Schale, weicher Kern. Früher sammelten die Menschen Edelkastanien, weil es kaum etwas zu essen gab. Immerhin haben die gesunden Waldfrüchte mit 220 kcal pro 100 g einen hohen Nährwert und wurden deshalb schon seit jeher zu Mehl verarbeitet. Heutzutage gilt das einstige „Brot der Armen“ hauptsächlich als wärmende Genussfrucht der Stadtbewohner in der kalten Jahreszeit.

Zur Freude der zahlreichen Maronibrater. Etwa 190 sind es heuer in ganz Wien. Einst gab es in der Bundeshauptstadt sogar mehr als 1.200 Standler. Geht das mehr als zweihundert Jahre alte Geschäft mit den braunen Nüssen doch bis in die Zeit von Kaiserin Maria Theresia zurück. Sie gestattete den damaligen „Gottscheern“, einer deutschen Minderheit aus dem heutigen Slowenien, als Wanderhändler, die in ihrer Heimat gewachsenen Edelkastanien zu verkaufen.

Mittlerweile ist der Handel ein freies Gewerbe. Viele Standler bieten auf der Straße jedoch nicht nur Kastanien an.

„Wir versuchen, die Kunden auch mit anderen Schmankerln wie Erdäpfelchips oder Fladenbroten zu locken“, sagt ein Maronibrater, der in Wien-Mitte sein Geld verdient. Allerdings kommen bei unseren Standlern statt heimischen Esskastanien – im Volksmund auch „Kästn“ genannt – oft italienische oder türkische Früchte aufs Feuer. Unterscheiden kann sie freilich nur der Fachmann.

Die Wirtschaftskammer schätzt, dass pro Saison in Wien etwa eine Million Kilo Maroni gegessen werden. Meist zum Preis von drei Euro für zehn Stück. Dabei ist zum Ärger der Kundschaft bedauerlicherweise nicht jede Nuss im Stanitzel genießbar. Und das muss sie auch nicht.

„Esskastanien sind nichts anderes als Obst und werden von Natur aus gerne von Insekten angeknabbert. Weshalb der Gesetzgeber regelt, dass von 100 Früchten gezählte 20 schlecht sein dürfen“, erklärt Alexander Hengl vom Wiener Marktservice. Sind also im Stanitzel mehr als zwei von zehn Maronis für den Müll, können Kunden Ersatz verlangen. Doch eigentlich ist die europäische Edelkastanie, die mit der ungenießbaren Rosskastanie nicht verwandt ist, bei uns gar nicht heimisch. Es waren die Römer, die den bis zu 30 Meter hohen Baum in ihre nordischen Provinzen und somit auch in unser Land brachten.

In diesen Tagen werden heimische Maroni vor allem im Burgenland, in der Südsteiermark, in Teilen Nieder-
österreichs, im Kärntner Lavanttal sowie beim Attersee in Oberösterreich geerntet. Ungefähr bis Mitte November fallen die Zwillingsfrüchte aus ihrem aufgeplatzten Stachelkleid von den Bäumen und werden von den Bauern mühsam per Hand eingesammelt. Manche Bäume sind mehrere hundert Jahre alt und werfen im Durchschnitt zwischen 30 bis 40 Kilo Kastanien ab.

„Beim jungen Baum vergehen jedoch 20 bis 30 Jahre, bis er das erste Mal blüht. Vorher gibt‘s keine Früchte“, wissen die Maronibauern, die zur Zeit mit dem Kastanienklauben alle Hände voll zu tun haben.

Hektische Betriebsamkeit herrscht jetzt auch beim „D‘Kästnklauba“-Verein (www.dkaestnklauba.at) in Klostermarienberg im mittleren Burgenland. Zwischen drei und sechs Tonnen Kastanien, die die Dorfbewohner gesammelt haben, werden am Maronihof von Herta und Stefan Pichler jedes Jahr mit großem Aufwand zu edlen Schmankerln weiterverarbeitet. „Neben den haltbar gemachten rohen Esskastanien produzieren wir auch Püree, Mehl, Nudeln und Knödel bis hin zu Schokolade und Honig aus den braunen Früchten“, berichten die Maroniexperten. Und sogar ein „kühles Blondes“ wird im Burgenland aus den Kastanien gebraut. Hwie
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