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Ausgabe Nr. 44/2019 vom 28.10.2019, Foto: picturedesk
Linda Hamilton, 63, kämpft im Kino.
Daheim genießt sie ihre Ruhe.
„Ich lebe seit 15 Jahren
enthaltsam wie eine Nonne“
Es hat lange gedauert, bis Linda Hamilton zusagte, noch ein Mal in die Rolle der Sarah Connor zu schlüpfen. Ausschlaggebend war ein Anruf von Arnold Schwarzenegger. Der „Terminator“ überzeugte sie davon, nach 28 Jahren wieder an seiner Seite ums Überleben zu kämpfen. Fürs beinharte Training gab Hamilton ihre gewohnte Beschaulichkeit mit zwei Hunden, die daheim warten, auf.
Turk“, der riesige Anatolische Hirtenhund, und „Noodle“, der kleine Mischling, haben sich vor dem Sofa ausgestreckt. Sie scheinen zu dösen. Ihr Frauchen Linda Hamilton hat es sich ebenfalls bequem gemacht und liest ein Buch. Diese ruhigen Momente liebt die 63jährige Schauspielerin. Tief im Süden Amerikas, in der Stadt New Orleans im Bundesstaat Louisiana, hat sie sich neu eingerichtet. Auf der Flucht vor der Traumfabrik Hollywoods und den Erinnerungen, die sie damit verbindet.

In der Stadt am Mississippi hat sie ein doppelstöckiges Haus gekauft und es renoviert. Es ist geschmackvoll mit schönen Möbeln und Gemälden gestaltet. „Ich liebe die Kultur und die Musik von New Orleans. Hier fühle ich mich wohl. Ich kenne meine Nachbarn und sie kennen mich“, meint Hamilton, die kurze, blondgefärbte Haare trägt. „Ich habe eine äußerst romantische Beziehung zu meiner Welt und den Menschen, die darin leben.“

Vor zwei Jahren allerdings wurde sie aus dieser Wohlfühlzone herausgerissen. Damals rief ihr Exmann, der Produzent und Regisseur, James Cameron, 65, an. Der Mann, der mit „Titanic“ und „Avatar“ die kommerziell erfolgreichsten Filme gedreht hat, wollte Hamilton zurück vor die Kamera holen. Für ein weiteres, auf seiner Idee beruhendes Werk – der „Terminator“-Serie. Die 63jährige sollte dort anknüpfen, wo sie im Jahr 1991 im legendären Science-Fiction-Thriller „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ begonnen hatte. Als Sarah Connor gegen Killer-Roboter aus der Zukunft ums Überleben zu kämpfen. Linda Hamilton war damals die erste starke Frau beim Film, durch einen ehemaligen Elitekämpfer geschult im Umgang mit Waffen und im Nahkampf.

Ein extremer Widerspruch zu jenem Mädchen, das am 26. September 1956 in Salisbury (US-Staat Maryland) das Licht der Welt erblickt hat. „Ich war ein Bücherwurm“, erinnert sich die Darstellerin. „Gemeinsam mit meiner Zwillingsschwester Leslie und meinem Bruder verschlang ich Berge von Gedrucktem.“ Allerdings habe sie es gehasst, auszusehen wie ihre Schwester, gesteht Hamilton. Um sich von ihr zu unterscheiden, schnitt sie sich als Schulmädchen die Haare und ihre langen Wimpern ab. Später stopfte sie sich aus Frust große Mengen an Lebensmitteln in sich hinein, bis sie bei einer Körpergröße von 168 Zentimetern 85 Kilo auf die Waage brachte.

Aus der Bahn geworfen hat sie freilich auch der frühe Tod des Vaters. Er war Arzt und starb bei einem Autounfall, als die Tochter gerade einmal fünf Jahre alt war. Ein wenig Halt gab ihr daheim die Mutter, die ihr schließlich noch in jungen Jahren erlaubte, Schauspielerin zu werden. Das gestaltete sich allerdings nicht nach Linda Hamiltons Vorstellung. Erst mit 24 Jahren gelang ihr der erste beachtenswerte Film. Zwei Jahre später, 1982, lernte sie bei den Dreharbeiten zu „T.A.G. – Das Killerspiel“ ihren Kollegen Bruce Abbott kennen und lieben. Was sie bis dahin verbergen konnte, brach dann allerdings durch. Es ist ihre dunkle Seite. Hamilton leidet seit ihrem 23. Lebensjahr an einer Bipolaren Störung. In depressiven Anfällen trank sie zu viel und nahm Drogen. „Alle“, gesteht sie. „Ich war ein chaotischer Haufen und sank ganz tief hinab.“ Dennoch hielt Abbott um ihre Hand an. Die beiden heirateten, aber es wurde eine turbulente Ehe, die ständig unter Hamiltons Zustand litt. „Manchmal verkroch ich mich tagelang in meinem Schlafzimmer“, erinnert sie sich. Abbott beschimpfte sie als „Tyrannin“ und verließ sie nach sieben Jahren, als sie mit ihrem Sohn Dalton schwanger war. Auch ihre zweite Ehe mit James Cameron war nicht von Dauer. Begonnen hat die Liebe wieder beim Film, dieses Mal stand „Terminator“ auf dem Drehplan. Das war im Jahr 1984, bis zur Hochzeit vergingen dann aber noch 13 Jahre.

Sie wurde seine vierte Frau. Doch auch in dieser Ehe spielten die Stimmungsschwankungen der Schauspielerin eine wesentliche Rolle, wie sich Cameron erinnert. „Ich liebte die Person, die ich in der Früh verließ, um zur Arbeit zu fahren. Aber ich wusste nicht, wen ich abends bei der Heimkehr vorfinden würde.“ Zwei stürmische Jahre blieb das Paar zusammen, das eine Tochter namens Josephine, 26, hat, dann reichte er die Scheidung ein. „Wir waren eine schreckliche Fehlplanung“, gesteht Linda Hamilton, die zum Abschied noch 50 Millionen Dollar bekam.

Danach hatte die 63jährige mehrere Liebschaften, die glanzlos endeten. „Seit mindestens 15 Jahren lebe ich nun enthaltsam wie eine Nonne. Ich mag meine Zeit alleine.“ Als jedoch Arnold Schwarzenegger anrief, weil er noch ein Mal als Terminator an ihrer Seite kämpfen wollte, ließ sich Hamilton nach langem Zögern doch noch aus ihrer Wohlfühlzone locken. Zumal sie ihre Depressionen heute unter Kontrolle hat. Dank der richtigen Medikamente, durch Psychotherapie, Akupunktur und körperliche Übungen.

Die kamen ihr jetzt bei den Dreharbeiten zum aktuellen „Terminator: Dark Fate“ zugute. „Aber das zusätzliche Training mit Waffen und in der Wüste war hart“, gesteht Hamilton. „Ich habe viel geweint. Und auch deutlich abgenommen. Sogar zu viel“, lacht die Schauspielerin, „mir musste der Po ausgestopft werden. Das fällt bei all der Action freilich gar nicht auf.“
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