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Ausgabe Nr. 44/2019 vom 28.10.2019, Fotos: picturedesk
Schon bald jedes zweite
Begräbnis ist eine Feuerbestattung
Urnennischen
Der Trend geht zur Urne
Die letzte Ruhe finden immer mehr Menschen in einem Urnengrab. Aber auch zwischen Baumwurzeln oder in der Donau kann die Asche beigesetzt werden. Seit den 60ern erlaubt die katholische Kirche die Feuerbestattung.
Es war Kaiser Karl der Große, der in seinem Einflussgebiet im Jahr 785 den „heidnischen“ Brauch der Totenverbrennung verbot. Jahrhundertelang hielt vor allem die katholische Kirche daran fest. Heute sind „rund 40 Prozent der Begräbnisse Feuerbestattungen“, sagt Rainer Wernhart, der Sprecher der Bestatter-Innungen. Zur Jahrtausendwende war es erst ein Fünftel. „Wobei wir ein starkes West-Ost-Gefälle haben. In Vorarlberg machen sie knapp 90 Prozent, im Burgenland nur 25 Prozent aus.“

Dass es gerade in Vorarlberg so viele Feuerbestattungen gibt, hat wohl vor allem mit den kleineren Friedhöfen in den Bergen zu tun. „Die treibende Kraft für Kremierungen dürfte das Platzproblem sein“, gibt Rainer Wernhart zu bedenken. Auch in Tirol ist der Anteil der Urnen-Begräbnisse deutlich höher als im Landesschnitt. Und in der benachbarten Schweiz liegt der Anteil der Einäscherungen bei 85 Prozent.

Genaue Daten, wieviele Verstorbene hierzulande ihre letzte Ruhestätte in einer Urne finden, gibt es nicht. Die Bestatter sind auf Schätzungen ihrer Mitglieder angewiesen. „Sicher ist, dass in der Stadt eher der Trend zur Feuerbestattung geht, in ländlichen Gemeinden ist die Erdbestattung üblicher.“

Für die größte Stadt unseres Landes gilt das allerdings nicht. In Wien wird knapp ein Drittel der Verstorbenen eingeäschert, vor fünf Jahren war es erst ein Viertel. „In Wien hat die Erdbestattung eine lange Tradition“, weiß ein Sprecher der „Bestattung Wien“, die zu den Stadtwerken gehört. Die sprichwörtliche „schöne Leich“, ein würdiges Begräbnis mit vielen Trauergästen, ist hier meistens noch keine Urnenbeisetzung.

Dabei steht unweit des Wiener Zentralfriedhofes das erste Krematorium unseres Landes. Das „rote Wien“ eröffnete die Feuerhalle Simmering im Dezember 1922 trotz des Widerstandes aus der Kirche und von Konservativen. Die erste Feuerbestattung fand am 17. Jänner 1923 statt. Verbrannt wurde die Leiche einer Altkatholikin, die sich „die Einäscherung ausdrücklich gewünscht hat“, wie eine Zeitung damals berichtete. In Steyr (OÖ) ging das Krematorium im Jahr 1927 in Betrieb, Linz folgte 1929, Salzburg 1931 und die steirische Landeshauptstadt Graz 1932.

Der Kremierungs-Vorgang ist heute hochtechnisiert. In Simmering etwa wird der Leichnam im Holzsarg bei rund 1.100 Grad verbrannt. Für die Hitze sorgen Gasbrenner. Damit es nicht zu Verwechslungen kommt, geben die Mitarbeiter vorher dem Sarg ein feuerfestes Kunststoff- oder Keramik-Plättchen mit einer Kennzahl bei, das mitkremiert wird. Danach entfernen sie mit Hilfe eines Magneten etwaige Metallteile, zum Beispiel die Griffe des Sarges. Knochenreste und Asche werden in der Knochenmühle gemahlen, die sterblichen Überreste dann in der sogenannten Aschenkapsel verschlossen. Die Überurne wählen die Hinterbliebenen anschließend individuell aus.

Der Widerstand der katholischen Kirche gegen die Feuerbestattung endete erst in den 60er Jahren. Noch vor hundert Jahren war das katholische Kirchenrecht eindeutig: „Einem Gläubigen, der die Verbrennung seines Leichnams anordnet, wird das kirchliche Begräbnis zur Strafe entzogen.“ Erst das Zweite Vatikanische Konzil änderte die rigiden Vorschriften. Im Jahr 1963 stellten die obersten Glaubenshüter in Rom fest, dass die Feuerbestattung der christlichen Religion nicht „an sich“ widerspreche. Sakramente und Begräbnis durften nicht mehr verweigert werden. Die Voraussetzung dafür war allerdings, dass die Einäscherung nicht „aus Ablehnung der christlichen Dogmen, aus sektiererischer Gesinnung oder aus Hass gegen die katholische Religion und Kirche“ stattfand.

Seit der „Kirchen-Erlaubnis“ wächst die Zahl der Feuerbestattungen stetig. Der Trend zur Urne hat aber auch mit der größeren „Beweglichkeit“ der Aschenbehälter zu tun. Naturbegräbnisse im Wald sind ebenso möglich wie Donau-Bestattungen. Das ist allerdings je nach Bundesland und Gemeinde verschieden geregelt. Denn neben neun verschiedenen Bestattungsgesetzen haben die jeweiligen Bürgermeister das letzte Wort.

So ist etwa in Niederösterreich die Beisetzung in einem Gewässer zwar erlaubt, Donaubestattungen genehmigt aber nicht jeder Ortsvorsteher. Auch für die Mitnahme der Urne auf das eigene Grundstück oder in die Wohnung gibt es unterschiedliche Regelungen.

In Vorarlberg ist etwa die „Aufbewahrung einer Urne außerhalb eines Friedhofes“ in Ausnahmefällen gestattet. Dann muss allerdings laut Gesetz meist „eine Teilmenge der Asche in einer separaten Urne auf einem Friedhof beigesetzt werden.“ Das soll allen Angehörigen und Freunden die Möglichkeit geben, die sterblichen Überreste des Verstorbenen zu besuchen.

Die katholische Kirche ortete vor drei Jahren angesichts der neuen Möglichkeiten für die letzte Ruhestätte Erklärungsbedarf. In einer „Instruktion“ stellte die Glaubenskongregation fest, dass Katholiken „die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum“ bis auf seltene Ausnahmen nicht gestattet ist. Ebenso wenig wie die Aufbewahrung in „Erinnerungsgegenständen und Schmuckstücken“ oder das Ausstreuen der Asche in der Natur.

Das ist aber ohnehin bei uns im ganzen Land gesetzlich verboten. „Dafür gibt es eigens ausgewiesene Streuwiesen auf ein paar Friedhöfen“, weiß Rainer Wernhart, der in Niederösterreich als Bestatter tätig ist. In Amerika hingegen verstreuen die Hinterbliebenen bei rund einem Drittel der Todesfälle die Asche. Aber auch dafür gibt es Vorschriften. Im Meer muss zum Beispiel der Abstand von drei Seemeilen zum Ufer eingehalten werden.
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