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Ausgabe Nr. 43/2019 vom 22.10.2019, Foto: Trölß
ÖVP-Bürgermeister Hubert Koller ließ das Asylheim nach der Tat schließen.
Erleichterung über die Schließung des Asylheimes
Der Amoklauf eines afghanischen Asylwerbers in der vergangenen Woche in Wullowitz im Bezirk Freistadt (OÖ), bei dem ein 63jähriger Bauer und ein 32jähriger Sozialarbeiter getötet wurden, hat die Bewohner aufgerüttelt. Das dortige Asylheim wurde inzwischen geschlossen. In der Bevölkerung galt es als umstritten.
In Wullowitz im Bezirk Freistadt (OÖ) herrscht tiefe Trauer. Die beschauliche Ortschaft mit nur wenigen Häusern unmittelbar vor der tschechischen Grenze zählt gerade einmal 60 Bewohner und gehört zur Marktgemeinde Leopoldschlag. Ein aufgelassenes Zollamtsgebäude diente bis vor wenigen Tagen als Asylheim für 20 Flüchtlinge.

Hier spielte sich vor mehr als einer Woche eine Tragödie ab, als ein 33jähriger Afghane mit einem Betreuer, 32, in Streit geriet und ihm ein Messer in die Brust rammte. Er erlag Tage später seinen Verletzungen. Drei Asylwerber, die dem Sozialarbeiter des Roten Kreuzes zu Hilfe kamen, wurden ebenfalls verletzt. Auf der Flucht stach der Afghane einen 63jährigen Landwirt in dessen Garage nieder und flüchtete mit dessen Auto. Auch der Altbauer starb.

Glück hatte hingegen jene Familie, die dem Täter danach half, das in einem Feld steckengebliebene Fahrzeug wieder zum Fahren zu bringen. Weit kam der Mann dennoch nicht, er wurde am gleichen Tag gefasst. Gegen ihn wird wegen zweifachen Mordes ermittelt. Auslöser für die Tat war ein Streit um die Vermittlung einer gemeinnützigen Hilfstätigkeit. „Der Täter wollte zu einem bestimmen Zeitpunkt arbeiten, jedoch wurde ein anderer Asylwerber eingeteilt, worauf es zu den tragischen Vorkommnissen kam“, so der Staatsanwalt.

Vom ÖVP-Bürgermeister von Leopoldschlag, Hubert Koller, wurde das Asylheim wenige Tage nach der Tat aufgelassen, die 20 Asylanten kamen in anderen Heimen in Oberösterreich unter.

Es war eines von insgesamt rund 1.200 betreuten Asylheimen mit 32.000 Asylwerbern in unserem Land. „Nach der schrecklichen Tat war die Unterkunft nicht mehr zu halten“, sagt Koller. Schließlich handle es sich um eine kleine Ortschaft, hier kennt jeder jeden, natürlich auch die Mordopfer. Zudem sei der Standpunkt unglücklich gewählt gewesen, weil es hier keine ordentliche Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt.

Gewalttaten wie jene in Wullowitz hindern andere Politiker und Organisationen jedenfalls nicht daran, die Situation für sich zu nutzen. So hielt die als rechtsextrem eingestufte Bewegung der „Identitären“ in der kleinen Ortschaft bereits eine Mahnwache ab. Zudem ist der bayerische Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) der Meinung, „Bayern und Deutschland wären sicherer, wenn jeder anständige Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche haben dürfte.“ Damit spricht Aiwanger auch das gesunkene Sicherheitsgefühl vieler Menschen seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 an, zumal hierzulande viele Menschen ebenso empfinden.

Dass im Heim in Wullowitz nicht alles in Ordnung war, kritisiert die Nachbarin des Ermordeten, die anonym bleiben möchte. „Die Flüchtlinge haben am Wochenende oft untereinander gestritten und gerauft. Dann ist die Polizei gekommen. Viele Menschen haben sich von Anfang an gegen das Heim gewehrt, jetzt sind wir froh, dass es weg ist.“ Denn seit das Asylheim im Jahr 2015 anlässlich der Flüchtlingskrise eingerichtet wurde, regte sich auch reichlich Widerstand in der Gemeinde.

Arrangiert hat sich hingegen die 66jährige, unmittelbare Nachbarin des Heimes, Edeltraud Jachs. „Die Asylanten waren äußerst hilfsbereit und sind uns bei der Gartenarbeit zur Hand gegangen, wenngleich ich dabei auch Angst hatte“, gesteht sie. Den Täter habe sie persönlich gekannt. „Er war ein so netter, freundlicher Mensch“, die Tat sei für sie daher unfassbar.

Laut Polizei war der Afghane im Jahr 2015 „schlepperunterstützt“ in unser Land gekommen. Sein Asylantrag wurde jedoch voriges Jahr abgewiesen, woraufhin er Berufung einlegte. Der Fall ist beim Bundesverwaltungsgericht anhängig. Der Mann wohnte von 2015 bis 2017 im Asylheim Wullowitz, bezog dann samt Frau und seinen beiden Kindern eine eigene Wohnung in der Nähe und arbeitete gelegentlich im hiesigen Altstoffsammelzentrum. Dort galt er als hilfsbereit und beliebt, jedoch habe seine Zuverlässigkeit zuletzt nachgelassen.

Von der Polizei wurde der 33jährige heuer bereits zwei Mal angezeigt. Das erste Mal nach einer Rauferei mit Kursteilnehmern an einer Volkshochschule. Das zweite Mal, als er im Juli bereits zum dritten Mal die Führerscheinprüfung nicht schaffte. Er legte daraufhin auf dem Übungsplatz eine wilde Rennfahrt hin und beschädigte die Reifen des Fahrschulautos. Zudem war er im Mai 2019 gegen seine Frau gewalttätig geworden, sie sah aber von einer Anzeige ab.

Beim Verein Neustart in Linz musste der Afghane daher ein Anti-Gewalt-Training absolvieren. „Wir haben mit ihm über die eigene Gewalt gesprochen und darüber, wie es den Opfern ergeht. Grundsätzlich hatten wir keinen schlechten Eindruck von ihm“, solch eine Tat könne aber nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, erklärt der Sprecher des Vereines, Andreas Zembaty.

Der oberösterreichische Integrationslandesrat der Grünen, Rudi Anschober, zeigt sich über die Tat erschüttert. „Das Gesetz muss jetzt mit voller Härte angewendet werden“, sagt Anschober, der jedoch anmerkt, „Mord ist keine Frage des Geburtsortes.“

Anschober kritisiert, dass sich fremdenrechtliche Verfahren, von denen es hierzulande rund 30.000 gibt, oft über viele Jahre hinziehen würden, zumal problematische Fälle bereits jetzt vorgezogen werden könnten. Er fordert mehr Personal, um die Asylverfahren zu beschleunigen. Denn die Untätigkeit der Flüchtlinge berge ein großes Problempotenzial. „Derzeit dürfen Asylwerber lediglich bei gemeinnützigen Tätigkeiten maximal fünf Euro pro Stunde und 110 Euro im Monat dazuverdienen. Das ist eine der letzten Möglichkeiten für Asylwerber, sich während ihres Verfahrens sinnvoll zu beschäftigen.“ rb
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