Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 43/2019 vom 22.10.2019, Foto: AdobeStock
Tauben gelten als neugierige Vögel und sollen entgegen der landläufigen Meinung genauso intelligent sein wie die Raben. Sie untersuchen alle Gegenstände mit ihrem Schnabel und sind in der Lage, sich jahrelang bis zu 275 Muster zu merken. Selbst auf Fotos erkennen sie eine bestimmte Person, und zwar selbst dann, wenn sie anders angezogen ist.

Eine Taube kann auch genauso schnell zwischen zwei Aufgaben hin und her wechseln wie der Mensch – in manchen Situationen ist der Vogel sogar schneller. Als Ursache für die Vorteile beim „Multitasking“ vermuten die Forscher die höhere Dichte an Nervenzellen im Gehirn der Vögel. Tauben besitzen zudem ein außergewöhnliches Sehvermögen. Wie wir Menschen können sie Farben erkennen, zusätzlich aber auch noch ultraviolettes Licht.
Die gefiederten Liebesboten
haben ausgeturtelt
Die Turteltaube gilt auf der ganzen Welt als Sinnbild der Liebe und des Friedens. Dennoch haben wir Menschen sie an den Rand des Aussterbens gebracht. Unsere kleinste heimische Taube findet kaum noch geeignete Lebensräume und wird gnadenlos gejagt.
Wenn wir an Tauben denken, haben wir meist nur das Bild einer typischen Straßentaube vor Augen, die mit ihrem Kot Hausfassaden, Denkmäler oder Gehsteige verschmutzt. Und so dämonisieren viele Menschen diesen Vogel – der schon seit dem christlichen Altertum für Frieden und Liebe steht – zur „Ratte der Lüfte“.

Dass es auch andere Arten von Tauben gibt, wird dabei vergessen. Tatsächlich ist die Familie der Tauben recht groß. Weltweit gibt es etwa 300 Arten. Viele davon leben in Südasien bis Australien, in unserem Land sind es dagegen nur fünf. Neben der Stadttaube, die eigentlich von der Felsentaube abstammt, leben hierzulande auch noch Ringeltauben, Hohltauben, Türkentauben und Turteltauben. In den kommenden Jahren könnte es sich allerdings bald „ausgeturtelt“ haben, denn die amselgroße Turteltaube ist selten geworden.

„Früher war ihr Gurren an jedem Dorfrand oder Flussufer zu hören. Doch seit 1998 ist ihr Bestand um nahezu zwei Drittel eingebrochen. Aktuell brüten bei uns nur noch knapp 10.000 Brutpaare“, klagt Dr. Gábor Wichmann von der Vogelschutzorganisation „Bird Life“. Gründe dafür sind einerseits der Rückgang ihres Lebensraumes durch die Industrialisierung der Landwirtschaft, andererseits die teils legale, aber auch illegale Taubenjagd auf ihrer Reise in den Süden.

„Turteltauben sind die einzigen Langstreckenzieher unter den Taubenarten Mitteleuropas. Sie verlassen uns zwischen Ende Juli und Anfang Oktober, um in der Sahelzone zu überwintern, und kehren ab Ende April wieder in ihre Brutgebiete zurück“, erklärt der Ornithologe. Dabei erreichen die Tauben eine Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h und fliegen bis zu 700 Kilometer ohne Pause. Doch allein auf den kleinen Ionischen Inseln in Griechenland werden beim Durchzug etwa 70.000 Tiere jährlich getötet. Und zwar legal, da die EU-Vogelschutzrichtlinie die Jagd auf die Turteltaube in zehn Mitgliedsstaaten erlaubt. Mehr als zwei Millionen „Liebesboten“ kommen in der EU so jedes Jahr legal zu Tode. Auch in unserem Land, wo Turteltauben im Burgenland ab Mitte August, in Wien und Niederösterreich ab September geschossen werden dürfen.

„Die Jagd muss angesichts der tristen Bestandssituation endlich verboten werden“, fordert Wichmann. Zumal der Mensch oft aus reinem Vergnügen mit Blei auf Turteltauben schießt. Weil das im Mittelmeerraum als Sport gilt.

Bei unseren Ahnen waren diese Vögel hingegen noch hoch geschätzt. Immerhin leben Taube und Mensch schon über Jahrhunderte friedlich Seite an Seite. Forscher vermuten sogar, dass der Vogel das erste Haustier unserer steinzeitlichen Vorfahren war. Tauben spielen für uns Menschen aber nicht nur eine besondere Rolle, weil sie als Symbol des Friedens gelten, sondern weil sie mit ihrem ausgeprägten Orientierungssinn auch als Brieftauben zur Übermittlung von Nachrichten dienen. Eine regelrechte Brieftaubenpost errichteten im frühen Mittelalter die Ägypter. Doch seit damals konnten sich die Tauben durch das Zufüttern auch erstmals stark vermehren. Und sie lernten, dass dort, wo der Mensch ist, Nahrung anfällt. Daher finden sich heute fast in jeder größeren Stadt die sogenannten Stadttauben, die mittlerweile nur noch als „nutzlose Schädlinge“ verachtet werden. Hwie
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung