Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 43/2019 vom 22.10.2019, Foto: AdobeStock
Die Folgen dieser Besiedelung unserer Schlafstätten mit Hausstaubmilben können gravierend sein.
Die Gefahr lauert zu Hause
Milben, Schimmel und Gefahren durch Ekel-Keime können auch in sauber geführten Haushalten auftreten. Haben sie Einzug gehalten, sollte gehandelt werden, andernfalls drohen Allergien, Schlafstörungen oder möglicherweise Infektionen. Hygiene-Experten verraten, wo die größten Gefahren lauern und wie sie aus dem Weg geräumt werden.
Den Verdacht gab es schon länger. Nun ist es wissenschaftlich bestätigt. Waschmaschinen können zu gefährlichen Keimschleudern werden, sagen deutsche Hygienewissenschaftler. Sie haben kürzlich resistente Keime in Babywäsche nachgewiesen, die mit einer handelsüblichen Waschmaschine in einem Kinderspital gewaschen worden war. Bei den gefundenen Keimen handelte es sich um ein Bakterium, das zu Magen-Darm- oder Atemwegsinfektionen führen kann. Ein Antibiotikum wäre gegen diesen Erreger höchstwahrscheinlich nutzlos. Zu einer Infektion kam es in der betroffenen Kinderklinik aber Gott sei Dank nicht. Das Untersuchungsergebnis lasse Schlüsse für Privathaushalte zu, sagen die Experten.

„Kochen“ tötet Waschmaschinen-Keime

Dennoch bestehe kein Grund zur Panik, beruhigt Dr. Andrea Grisold vom Diagnostik- und Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Med Uni Graz. „Tatsächlich sammeln sich in der faltenreichen Gummidichtung von Waschmaschinen Rückstände an, die unangenehm riechen können, sowie Bakterien, zum Beispiel Hautkeime. Einem Gesunden mit intaktem Immunsystem können die Keime nichts anhaben“, weiß die Expertin.

Leben im Haushalt allerdings schwerkranke Menschen, die zum Beispiel das Immunsystem unterdrückende Medikamente einnehmen, chronische Wunden haben oder mit Dauerkathetern leben, sollte die Waschmaschinen-Hygiene ernst genommen werden.

„Damit die Keime nicht nur aus der Wäsche, sondern auch aus der Waschmaschine entfernt werden, sollten die Gummidichtung, das Flusensieb und die Füllfächer für das Waschmittel mit einem herkömmlichen Haushaltsreiniger regelmäßig gereinigt werden. Zusätzlich empfehle ich, einmal pro Monat Kochwäsche mit 90 Grad zu waschen, dazu Vollwaschmittel verwenden und kein Kurzprogramm einschalten. Dann ist garantiert, dass die Waschmaschine nicht zur Keimschleuder wird.“

Milben können Körper und Psyche quälen

Unsichtbar, aber dennoch in allen Wohnungen, und hier vor allem in unseren Betten, vorhanden, sind kleine Krabbler, die große Probleme verursachen können. Hausstaubmilben. „Sie mögen es feucht und benötigen für ihre Ernährung Hautschuppen. Da sich diese am häufigsten im Bett, in der Matratze und im Kopfpolster in großen Mengen befinden und wir beim Schlafen viel Wasser mit der Atemluft und dem Schweiß ausscheiden, leben Hausstaubmilben bevorzugt in Betten“, erklärt Prof. Franz Reinthaler, ebenfalls am Diagnostik- und Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Med Uni Graz tätig.

Die Folgen dieser Besiedelung unserer Schlafstätten mit Hausstaubmilben können gravierend sein, weiß Dr. Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums in Wien. „Mehr als eine halbe Million Menschen leidet an einer Allergie auf Hausstaubmilben. Jeder Vierte darunter ist auch asthmakrank. Milbenallergiker leiden besonders unter einem gestörten Schlaf, der sie auf Dauer an ihre körperlichen und psychischen Grenzen bringen kann. Sie schnarchen und es kommt zum nächtlichen Erwachen.“

Bis zu zwei Millionen dieser lichtscheuen Tierchen leben in den Betten. Ihre Allergene sind im Kot der Milben, in ihren Eiern und auch Milbenreste können Allergien auslösen. Eine in der Früh verstopfte Nase ist ein typisches erstes Anzeichen einer Hausstaubmilbenallergie. Husten und Atemnot führen die Betroffenen zum allergologisch geschulten Arzt.

Um dem Leiden ein Ende zu setzen, lohnt es sich, die Anzahl der Hausstaubmilben in den eigenen vier Wänden zu verringern. „Bettwäsche und abnehmbare Matratzenbezüge können nach dem Waschen mit 60 Grad zu einer Verringerung von Hausstaubmilben führen. Wer die Milben mit Kälte abtöten möchte, sollte die Textilien zum Beispiel über mehrere Stunden „einfrieren“. Wer die Möglichkeit hat, kann Bettdecken und Polster einige Stunden in die sommerliche Sonne hängen. Ebenso können Matratzen abgesaugt und einige Stunden der warmen Sonne ausgesetzt werden. Nur Latex-Matratzen sind dafür nicht geeignet. Ergänzend sollte die Raumtemperatur unter 20 Grad und die Luftfeuchtigkeit nicht mehr als 55 Prozent betragen. Regelmäßiges Querlüften oder vollständiges Öffnen von Fenstern ist ebenfalls hilfreich. Staubsaugen und feuchtes Aufwischen können ebenso ihre Population dezimieren“, verrät Prof. Reinthaler. Betroffenen
Allergikern helfen auch Medikamente und auf lange Sicht die „Allergie-Impfung“.

Schimmel greift die Lunge an

Eine andere Gesundheitsplage, die einmal mit dem freien Auge sichtbar ist, in anderen Fällen gut versteckt vor sich hin gedeiht, ist Schimmel an den Wänden. Das sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Es gibt ausreichend Beweise für einen Zusammenhang von feuchten und verschimmelten Innenräumen mit dem Auftreten von Krankheitssymptomen des oberen Atemtraktes, Bronchialasthma, hörbaren Atemnebengeräuschen und Husten“, warnt Prof. Reinthaler. Bisher konnte jedoch nicht festgestellt werden, ab welcher Konzentration von Schimmelpilzen die gesundheitlich negativen Auswirkungen eintreten. „Wird eine Schimmelpilzquelle gefunden, ist das nicht gleichzusetzen mit einer akuten Gesundheitsgefährdung. Ihr Ausmaß ist abhängig von der Intensität und der Empfindlichkeit der Menschen, die in den Räumen leben. Immungeschwächte Menschen sind rascher betroffen. Als vorbeugender Gesundheitsschutz sollten daher auch kleine Schimmelpilz-Stellen in Innenräumen immer und vollständig entfernt werden. Größere Flächen sollten von Fachleuten gereinigt werden“, lautet der Rat des Hygiene-Experten. Kann die Feuchte etwa durch Querlüften oder technisches Belüften nicht aus dem Raum entfernt werden, sind vielfach Baumängel oder feuchte Kellerräume schuld. Diese Ursachen müssen professionell behoben werden, damit am Ende nicht die Gesundheit Schaden nimmt.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung