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Ausgabe Nr. 42/2019 vom 15.10.2019, Fotos: AdobeStock
An den Sandstränden tummeln sich auch Leguane.
Die bunten Häuser stehen in Willemstad.
Ein bisschen Holland in der Karibik
Auf der Karibikinsel Curaçao herrscht das ganze Jahr Traumwetter. Urlauber freuen sich auf heiße Tage, warme Nächte, Sandstrände und türkisfarbenes Meer. Die Hauptstadt Willemstad wirkt wie ein Abbild der niederländischen Stadt Amsterdam. Das liegt daran, dass das Eiland zu den Niederlanden gehört.
Das erste blaue Wunder auf Curaçao erlebten die spanischen Eroberer. Ihre Orangenbäume wollten auf den kargen Böden der Karibikinsel nicht wachsen. Deshalb setzten sie die Segel und zogen enttäuscht wieder ab. Das war ein Fehler, denn in den aufgegebenen Plantagen entstand eine verwilderte Art der Bitterorange.

Die Früchte waren für die Safterzeugung viel zu sauer. Nicht einmal die Ziegen zeigten Interesse daran. Ein Insulaner begann, mit den Schalen zu experimentieren und stellte daraus den heute weltberühmten blauen Likör namens Curaçao her.

Das hochprozentige Getränk gibt es nicht nur in Blau, sondern auch in Rot, Orange, Grün und in klarer Form. Mittlerweile produziert den Orangenlikör nur noch eine einzige Firma auf der Insel.

Curaçao liegt 60 Kilometer nördlich von Venezuela. Sie ist die mittlere der ABC-Inseln, zu denen auch Aruba und Bonaire gehören. Geologisch gesehen gehört Curaçao zu Südamerika, politisch ist die Insel aber eine eigenständige Provinz der Niederlande.

Der Einfluss der niederländischen Krone ist am besten in der Inselhauptstadt Willemstad zu erkennen. Sie erinnert mit ihren pastellfarbenen Häusern und gepflasterten Plätzen an Amsterdam, die malerische Hauptstadt der Niederlande.

„Für die Bewohner ist die Erhaltung der bunten Fassaden ein ziemlicher Aufwand, denn die salzhaltige Meeresluft setzt den Fassaden zu. Sie müssen jedes Jahr gestrichen werden“, erzählt Paul Pennicook, der Präsident des Tourismusverbandes der Insel.

Die Bewohner dürfen sich dafür beim Gouverneur Albert Kikkert bedanken. Der Legende nach ordnete er zu Beginn des 19. Jahrhunderts an, den ursprünglich weiß gestrichenen Gebäuden einen farbigen Anstrich zu verpassen. „Das Weiß der Häuser in Kombination mit dem grellen Sonnenlicht soll bei ihm Migräne ausgelöst haben“, schmunzelt Pennicook.

Die bunten Häuser machen den Charme von Willemstad aus, in der Stadt leben mehr als die Hälfte der 160.000 Insulaner. Die Stadt ist durch die St. Anna Bucht in zwei Hälften geteilt und durch die Königin-Emma-Brücke verbunden. Sie ist eine Pontonbrücke und klappt auf wie eine Tür, sobald Schiffe in den Hafen wollen.

„Die Brücke ist manchmal bis zu zwei Stunden geöffnet. In dieser Zeit pendeln Gratisfähren zwischen den Ortsteilen. Von der Brücke aus haben die Besucher einen schönen Blick auf die Stadt.“

Beim Erkunden von Willemstad hallen Besuchern oft die Worte „Bon bini“ entgegen. Das bedeutet „Herzlich willkommen“ in der Umgangssprache „Papiamentu“. Die Insulaner sprechen aber auch Niederländisch, Englisch und Portugiesisch.

Auf Curaçao ist es das ganze Jahr über warm. Tagsüber klettern die Temperaturen auf mehr als 30 Grad, nachts sinken sie selten unter 25 Grad. Das heiße Klima tut auch den Kakteen und den Leguanen gut, die in großer Zahl die Insel bevölkern.

Die Reptilien nehmen gerne ein Bad in der Sonne. Sie hocken in Baumkronen, auf Felsen und lassen sich auch an den Stränden blicken. „Also nicht wundern, wenn plötzlich ein Leguan einen neugierig betrachtet. Die drachenähnlichen Tiere tun einem aber nichts, sie sind gutmütig“, beruhigt Pennicook.

Wenn es sein muss, stürzt sich ein Leguan auch in die Fluten. Zum Wasser zieht es auch die Urlauber. Die Strände finden sich alle an der Südküste. Der weiße Sandstrand „Grote Knip“ ist einer der schönsten der Insel. Ein Paradies für Schnorchler ist der Strand „Kalki“. Der größte Strand heißt „Blue Bay“. Er befindet sich im Fischerdorf Sint-Michiel. Aufgrund der vielen Palmen merken Urlauber sofort, dass sie in der Karibik sind.

Die raue Nordküste ist hingegen wild und nicht zum Baden geeignet. Für einen Besuch, zum Beispiel im „Nationalpark Shete Boka“, eignet sie sich aber allemal. „Die Wellen schlagen hier über die Felsen und haben riesige Einbuchtungen geschaffen“, erzählt der Insulaner.

In der Nähe befindet sich auch ein weiteres Naturschutzgebiet, der Christoffel-Nationalpark. Er beherbergt den höchsten Berg der Insel, den Sint-Christoffelberg. „Er ist sage und schreibe 375 Meter hoch“, schmunzelt Pennicook.

Im Vergleich zu anderen karibischen Regionen regnet es auf Curaçao wenig, weshalb die Insel ein Ganzjahresziel ist. Der fehlende Niederschlag ist auch der Grund, warum auf der Insel kaum Obst und Gemüse angebaut wird. „Das meiste wird von Venezuela importiert. Alle Güter kommen auf dem Seeweg innerhalb von fünf Stunden zu uns.“

Mit den frischen Lebensmitteln werden in den Garküchen und Restaurants schmackhafte, exotische Gerichte zubereitet. Auf den Speisekarten finden sich Kaktussuppe, gebratene Bananen, Erbsensuppe mit Schweinefleisch und Kürbisomelette. Beliebt sind auch gegrillte Fische und „Keshi Yená“, ein gefüllter Käse. Wer sich bei den Bewohnern für das gute Essen bedanken will, sagt „danki“. Das bedeutet auf Papiamentu, wie kann es anders sein, „danke“. widlak
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