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Ausgabe Nr. 42/2019 vom 15.10.2019, Fotos: Paul Gruber, Stephan Doleschal
Elisabeth Köstinger, Rainer Will
Wegwerf-Verbot für Lebensmittel?
Wir Konsumenten sind die größten Verschwender. 19 Kilo Lebensmittel pro Jahr landen, statistisch gesehen, bei jedem von uns im Mistkübel. Pro Haushalt sind das im Schnitt 300 „weggeworfene“ Euro. Doch auch im Handel werden tausende Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. In Frankreich gibt es seit dem Jahr 2016 ein Gesetz, das größeren Supermärkten verbietet, noch genießbare Lebensmittel wegzuwerfen. Wer sich nicht daran hält, dem drohen dort Strafen bis zu 3.750 Euro.
JA: Elisabeth Köstinger,
stellvertretende ÖVP-Klubobfrau:

„Mir blutet das Herz, wenn ich sehe,wie genießbare Lebensmittel im Müll landen. Immer wieder sehen wir, dass der Lebensmittelhandel große Mengen nach Geschäftsschluss entsorgt, und zwar rund 70.000 Tonnen pro Jahr. Rund 12.000 Tonnen werden schon jetzt an soziale Einrichtungen oder Bedürftige weitergegeben, weitere 10.000 Tonnen werden zu Tierfutter verarbeitet. Es verbleibt aber noch eine große Menge, die einfach weggeschmissen wird. Das wollen wir in diesem Ausmaß nicht länger hinnehmen. Niemand kann diese Verschwendung verstehen, vor allem, wenn man weiß, mit wieviel Arbeit, Fleiß und Mühe die Herstellung unserer Lebensmittel verbunden ist. Viele Menschen, vor allem auch die ältere Generation, können sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen wir nicht in einem derartigen Überfluss gelebt haben. Zeiten, in denen nicht jedes Lebensmittel jederzeit verfügbar war. Deshalb wollen wir eine Regelung schaffen, die den Handelsketten das Wegschmeißen genießbarer Lebensmittel ab 2021 verbietet. Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir der Verschwendung und dieser Wegwerf-Gesellschaft Einhalt gebieten.“

NEIN: Rainer Will,
Handelsverband-Geschäftsführer:

„Für uns Händler sind Lebensmittel nicht nur kostbar, sie sind Kern der Geschäftstätigkeit und Lebensgrundlage für uns alle. Daher unterstützt der Handel freiwillige
Initiativen wie ,Lebensmittel sind kostbar‘, um Lebensmittelverschwendung aktiv zu bekämpfen. Geschäfte, in deren Umgebung es eine Tafel oder einen Sozialmarkt gibt, arbeiten mit diesen zusammen, freiwillig, effizient und ohne gesetzlichen Zwang. Pro Jahr werden 12.250 Tonnen an nicht mehr verkäuflichen, aber noch genießbaren Lebensmitteln vom Handel an Sozialorganisationen gespendet. Wir sind damit im internationalen Vergleich ein absolutes Vorzeigeland. Regelungen wie in Frankreich, wo Händler gesetzlich verpflichtet wurden, Lebensmittel an karitative Organisationen abzugeben, haben sich als ineffizient herausgestellt. Oft fallen große Mengen an Spenden in fragwürdiger Qualität an, die trotzdem verteilt werden müssen. Eine derartige gesetzliche Regelung würde in Österreich keinen Mehrwert für Armutsbetroffene bringen, sondern eine reine Überbürokratisierung. Stattdessen brauchen wir zusätzliche Anreizmodelle, eine Vereinfachung der Lebensmittelweitergabe und mehr Unterstützung von staatlicher Seite.“
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birne
Wegwerf - Verbot für Lebensmittel ?
Es wird leider nicht ausbleiben,dass wir immer wieder was zu entsorgen haben.Es wird zuviel Erzeugt,wir alle leben im Überfluss.Es bringt auch nichts,nimm zwei und zahle nur eins,dazu ist wegwerfen Vorprogrammiert.Das größte Problem ist schon,das wir zu viele Discounter haben,und die einheimischen Erzeuger,kaum was Verdienen.Es wird immer wieder den Bauern vorgeworfen Ihr bekommt ja eh Subventionen.Es wird aber nie davon gesprochen das jeder Flug von 10 Stunden mit 2.000 Euro Subventioniert ist,und noch nie Steuer für Flugbenzin bezahlt wurde.Ansonsten würden sich viele das Fliegen gar nicht leisten wollen,obwohl sie es sich leisten könnten.Aber bei denn Lebensmittel muss man sparen,und jammern das alles so Teuer ist.Bauernmärkte sind gefragt,werden auch genutzt.Beispiel LINZ am Marktplatz muss Parkgebühr bezahlt werden,in der nähe 200 Entfernung ein großer Discounter,genau in diesem Zeitraum vom Bauernmarkt sind die Fleischpreise beim Discounter um 25 % Verbilligt,und die Parklätze sind umsonst.Frage macht man dass bewusst ? Dazu habe ich beobachtet beim Discounter,jeden Mittwoch gibt es ab 17,30 das Huhn um den halben Preis,es kommen Leute nur zur dieser Zeit,wegen dessen Huhn.

Karl Gnadlinger, LINZ
Salzburger1
Besser kleinere Gemüsepackungen
Beim Billa, als Beispiel, gibt es nur zu große Karottenpackungen.
Da werfen wir als Zweipersonen -Haushalt jedesmal dann die Hälfte notgedrungen weg.
Besser, der Handel verpflichtet sich (wird verpflichtet) auch für Singelhaushalte kleinere Obst-Gemüse-Packungen anzubieten, um das große Wegwerfen zu vermeiden.
Zudem sollten verpflichtet Glas- und Entsorgungscontainer auch bei dne Supermärkten von den Gemeinden aufgestellt werden dürfen/müssen.
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