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Ausgabe Nr. 42/2019 vom 15.10.2019, Foto: picturedesk.com
Fischer erinnert sich in seinem neuen Buch an seine niederbayerische Heimat.
Ottfried Fischer, 65: „Wenn‘s vorbei ist, ist‘s vorbei“
Nach einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung vor zwei Jahren hat Ottfried Fischer, 65, sein Leben umgekrempelt und ist von München nach Passau, an den Ort seiner Kindheit, und zwar ins Haus seiner Großeltern, gezogen. In seinem neuen Buch „Heimat ist da, wo dir die Todesanzeigen etwas sagen“, beschreibt er, was Heimkehren bedeutet. Die WOCHE sprach mit dem an Parkinson erkrankten bayerischen Schauspieler und Kabarettisten über die Heimat, den Glauben und das Glück.
Herr Fischer, wie geht es Ihnen?
Danke, gleichbleibend gut, ich kann keinerlei Verschlechterung feststellen. Außerdem interessiert mich „der Parkinson“ nicht so wahnsinnig, dass ich dauernd über ihn nachdenken möchte.

Wie fühlt es sich für Sie an, im Haus Ihrer Großeltern zu leben?
Sehr gut, das Beste, das ich machen konnte, war, nach Passau zu ziehen. Für mich war München nichts mehr. Ich hatte mit meinen Serien abgeschlossen, der Parkinson war da und ich führte ein leichtes Lotterleben. Dann bin ich mit einer Sepsis auf der Intensivstation gelandet und war monatelang im Spital.

Haben Sie in dieser Zeit die Endlichkeit des Lebens gespürt?
Wenn du auf der Intensivstation liegst und mehrere Monate Reha brauchst, denkst du schon daran, dass dir das Leben nur für eine gewisse Zeit gegeben ist. Wenn‘s vorbei ist, ist‘s vorbei. Deswegen habe ich das Buch geschrieben. Ich hatte es schon im Bett liegend im Kopf. Der Lektor hat die Erzählungen geordnet, und so ist eine Biografie daraus geworden.

Hat Ihnen der Abschied von München wehgetan?
Nein, die Lokale, die ich zurückgelassen habe, machten alle dicht. Ich bin nur noch ab und zu in München. Wenn ich die Stadt im Rückspiegel sehe, ist sie auch schön. In Passau ist jetzt alles viel einfacher für mich. Die Termine beim Physiotherapeuten lassen sich auf dem kurzen Dienstweg regeln. In der Fußgängerzone begegne ich Menschen, die mich freundlich grüßen und fragen, wie es mir geht.

Weckt das Wohnen im großelterlichen Haus Kindheitserinnerungen?
Ich hatte dort eine schöne Zeit, war oft mit meiner Oma spazieren. Spaßeshalber sage ich, ich werde beim Fernsehen deshalb immer müde, weil dort, wo jetzt mein Fernsehsessel steht, früher mein Bett war. Vielleicht liegt‘s ja aber auch am Programm, dass ich einschlafe.

Im aktuellen Kinofilm „Otto Neururer“ spielen Sie einen an Parkinson erkrankten, im Rollstuhl sitzenden Pfarrer …
Für mich war dieser Film wichtig, weil ich mir beweisen wollte, dass ich das noch durchstehe. Gedreht haben wir den Film zu Beginn meiner Reha. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie jeder Mensch sein Recht mit seinem Glauben begründet, der Nazi mit seinem Glauben an Hitler, der Pfarrer mit seinem Glauben an Jesus Christus.

Sind Sie gläubig?
Es gibt diesen Spruch „Not lehrt beten“. So weit bin ich noch nicht. Ich spüre in mir zwar einiges Verschüttetes, das auf einen Glauben hindeuten könnte. Das kann aber auch das ständige Déjà-vu mit meiner Rolle als „Pfarrer Braun“ sein.

Sie haben 50 Kilo abgenommen. Achtet Ihre Lebensgefährtin Simone Brandlmeier darauf, dass Sie sich gesund ernähren?
Ich könnte noch ein paar Kilo abnehmen, esse aber nach wie vor am liebsten das, wonach ich aussehe. „Wurscht“ darf schon dabei sein. Simone und ich kaufen bevorzugt regionale Lebensmittel. Der Fleischer auf dem Wochenmarkt hat ein hervorragendes Bio-Fleisch. Da könnten wir uns den Stier sogar anschauen, bevor wir ihn essen. Die Frage ist, ob den vorher jemand sehen will, bevor er ihn isst.

Können Sie dem „Ruhestand“ etwas abgewinnen? Was wünschen Sie sich?
So viel arbeiten wie früher will ich nicht mehr. Es ist mir aber schon recht, dass in meinem Leben ständig ein bisschen was los ist. Wenn es um Wünsche geht, denken wir unweigerlich an das Glück. Dabei ist Glück nur die Fußnote, die uns unsere Zufriedenheit erklärt. Ich halte es für viel wichtiger, dass wir zufrieden sind, denn die Zufriedenheit ist das dauerhaftere Glück.
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