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Ausgabe Nr. 41/2019 vom 08.10.2019, Foto: Raunig
Eine Bombe, in einem Paket versteckt,
verletzte eine dreifache Mutter vor diesem Haus schwer
Eifersucht schürt Mordgedanken
Aus Eifersucht und Groll auf seine Exfrau baute ein ehemaliger Soldat gemeinsam mit einem Freund eine Paketbombe. Der Freund legte die Bombe dann vor dem Wohnhaus der jungen Frau ab, während der Exmann in Sichtweite wartete. Als die Frau zum Paket ging, zündete er die Bombe. Das Modell erlitt schwerste Hautverbrennungen.
Dass er sich einmal wie James Bond vorkommen würde, hätte sich der Kärntner Stefan Steindorfer nicht gedacht. „Am Dienstag, dem 1. Oktober, kurz vor acht Uhr, habe ich eine gewaltige Explosion gehört. Ich bin aus meiner Wohnung gerannt und sah vor dem Haus eine Stichflamme, die mehrere Meter hoch war. Plötzlich sah ich einen Mann in den nahegelegenen Maisacker laufen. Ich rannte hinterher, habe ihn aber leider nicht erwischt“, erzählt der 45jährige. Steindorfer wurde Zeuge einer unfassbaren Tat, die sich in der 1.500-Seelen-Gemeinde Guttaring im Bezirk St. Veit an der Glan (Kärnten) ereignet hat.

Es war 7.50 Uhr, als es an der Wohnungstür von Steindorfers Nachbarin, einer dreifachen Mutter, läutete. Die 27jährige, die im zweiten Stock des Mehrparteienhauses wohnt, ging nach unten. Vor der Haustür lag ein Paket, in der Größe einer Schuhschachtel. Als die junge Frau auf den Karton zuging, explodierte die Schachtel, eine drei Meter hohe Stichflamme schoss nach oben und traf die Frau. Trotzdem gelang es ihr noch, zurück in die Wohnung zu kommen und den Notruf zu wählen. Zwei Nachbarinnen kümmerten sich bis zum Eintreffen der Rettung um die schwerverletzte Mutter.

Der Tat verdächtigt wurde der geschiedene Ehemann der Frau. Der 28jährige wurde drei Stunden nach der Explosion von Mitarbeitern des Landeskriminalamtes Kärnten festgenommen. Der Mann hat die Trennung nie überwunden und hauste nur 200 Meter von der Wohnung entfernt in einem weiß-gelb gestreiften Partyzelt.

„Die Ehe wurde schon vor ein paar Jahren getrennt, die beiden haben aber einen gemeinsamen, siebenjährigen Sohn. Die Frau hat auch noch einjährige Zwillinge, die sind aber von ihrem zweiten Mann, von dem sie ebenfalls getrennt lebt“, erzählt eine Nachbarin.

Den vermeintlichen Täter beschreibt sie als Sonderling und einen Waffensammler. Ein Umstand, der unter anderem auch zur Trennung geführt haben soll.

„Außerdem war er ziemlich eifersüchtig. Sie wollte deswegen auch keinen Kontakt mehr zu ihm haben, wollte nicht, dass er seinen Sohn sieht. Doch er ließ nicht locker und hat sich neben ihrer Wohnung ein Grundstück gekauft, auf dem auch das Zelt steht.“

Zum Zeitpunkt des Anschlages war der siebenjährige Bub in der Schule. Die einjährigen Zwillinge waren in der Wohnung, blieben unverletzt und werden nun von Verwandten versorgt.

Wie die Polizei mitteilt, wurden sowohl der 28jährige Exmann des Opfers sowie sein 29jähriger Komplize verhaftet. Die beiden sind geständig, die Sprengfalle vor der Haustür der jungen Mutter platziert und gezündet zu haben. Die Männer wurden in die Justiz-
anstalt Klagenfurt (K) eingeliefert und sitzen in U-Haft.

Der Exmann des Opfers war in der Vergangenheit für das Bundesheer tätig. Sein Komplize ist ebenfalls Soldat und werde nun seines Dienstes enthoben, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Er darf keine Kaserne mehr betreten und sein Gehalt wird um ein Drittel gekürzt. Weitere Maßnahmen behält sich das Militär vor.

Gewalttaten gegenüber früheren Partnerinnen nehmen in unserem Land erschreckende Ausmaße an. Immer öfter sind Waffen im Gebrauch. Erst am Wochenende soll ein 25jähriger in Kitzbühel (Tirol) seine 19jährige Exfreundin, deren neuen Freund, deren Bruder sowie die Eltern erschossen haben. Er hat die Tat gestanden. Es heißt, er sei mit der Beendigung der Beziehung nicht fertiggeworden.

In Kärnten war es genauso. Weil er die Ablehnung nicht ertrug, informierte sich der mutmaßliche Täter im Internet über den Bau einer Bombe. Die erforderlichen Gegenstände kaufte er mit seinem Freund ebenfalls im Internet. Eine Probebombe ließen sie im Sommer in einem Waldstück explodieren.

Am 1. Oktober deponierte der 29jährige Freund dann eine neu gebaute Paketbombe vor dem Wohnhaus der Frau, läutete bei ihr an und lief davon. Der 28jährige Exmann wartete in Sichtweite. Als die dreifache Mutter vor das Wohnhaus ging, zündete er dann die Bombe, heißt es. Nach der Detonation flüchteten die beiden zu ihrem Auto und fuhren nach Klagenfurt, wo sie schließlich festgenommen wurden.

Die junge Frau wurde nach der Erstversorgung mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik Graz (Stmk.) geflogen. Sie wurde bereits zwei Mal operiert. „Die Patientin war lebensgefährlich verletzt, mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades, vor allem im Gesicht und an den Armen“, erklärt Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am LKH-Uniklinikum Graz. Bei den mehrstündigen Eingriffen konnten die betroffenen Areale im Bereich des Gesichtes, des Oberkörpers und der Arme chirurgisch versorgt werden, doch 40 Prozent der Haut waren verbrannt, daher wurden auch Hauttransplantationen durchgeführt.

„In den nächsten Tagen wird sich zeigen, wie gut die transplantierte Haut angenommen wird. Die Patientin ist vorerst außer Lebensgefahr. Ihr Zustand ist stabil, sie muss aber nach wie vor intensivmedizinisch betreut werden. In der nächsten Zeit sind Infektionen der großflächigen Wunden die größte Gefahr“, meint Dr. Kamolz.

„Sie war so ein hübsches Mädchen und hat zeitweise sogar als Modell gearbeitet. Es ist wirklich schlimm, was ihr der Exmann angetan hat“, sagt eine Nachbarin.

Eine 25jährige Mutter, die mit ihrem Kind eigentlich am 1. Oktober eine Erdgeschoßwohnung im Haus des Opfers beziehen hätte sollen, musste ihren Einzug aufgrund der Ereignisse verschieben. „Da die Bombe genau vor meinem Fenster, das ich gekippt hatte, explodiert ist, waren die Räume russgeschwärzt. Ich musste tagelang saubermachen.“
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