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Ausgabe Nr. 41/2019 vom 08.10.2019, Fotos: PRO-GE/Lux, Christian Jungwirth
Rainer Wimmer, Christian Knill
Muss das Lohnplus auch heuer üppig ausfallen?
Sieben Verhandlungsrunden und sogar Warnstreiks waren im Vorjahr für die Metaller-Lohnerhöhung notwendig. Gewerkschaft und Unternehmer einigten sich schließlich auf ein Plus von durchschnittlich 3,5 Prozent. Ursprünglich hatten die Arbeitnehmer-Vertreter fünf Prozent gefordert. Heuer wollen sie 4,5 Prozent mehr Lohn: „Es muss rascheln.“ Die Pensionisten bekamen im Vorjahr 2 bis 2,6 Prozent mehr, Beamte im Schnitt 2,76 Prozent und im Handel stiegen die Gehälter um 2,83 Prozent.
JA: Rainer Wimmer,
Gewerkschaft PRO-GE:

„Es gibt genug zu verteilen. Die österreichischen Unternehmen sind äußerst erfolgreich und meldeten in den vergangenen Jahren nahezu täglich neue Rekorde. Gerade in den exportstarken Branchen wie der Metallindustrie haben wir einen unglaublichen Boom erlebt. Auch heuer ging der Aufwärtstrend weiter, Absatz und Auftragsstand erhöhten sich im ersten Halbjahr deutlich. Es gibt damit gute Voraussetzungen für ein ordentliches Plus, aber die Unternehmer sehen das vor Lohnverhandlungen natürlich anders. ,Die Party ist vorbei‘ verkündete zuletzt ein prominenter Arbeitgeber. Während also die Arbeitnehmer Tag und Nacht gearbeitet haben, feierten Eigentümer und Aktionäre bereits. Das beweisen die enormen Gewinnausschüttungen. Mehr als zwei Milliarden Euro, 90 Prozent des erzielten Jahresüberschusses, wurden in der Metallindustrie 2018 an die Eigentümer ausgeschüttet. Darum geht es bei der traditionellen Herbstlohnrunde auch immer um Verteilungsgerechtigkeit. Es ist Erntezeit für die Arbeitnehmer und die ,Metaller‘ sind traditionell die Lohn-Lokomotive. Sie kämpfen für 4,5 Prozent mehr. Eine absolut gerechte Forderung.“

NEIN: Christian Knill,
Fachverband Metalltechnische Industrie:

„Für die Beschäftigten in der Metallindustrie wird es auch heuer wieder ein Plus geben, das ist sicher. Aber es kann kein sehr großes Plus sein. Warum? In unserer Branche verdienen wir acht von zehn Euro im Export und sind daher abhängig von der Entwicklung auf den Weltmärkten. Dort schaut es im Moment gar nicht gut aus. Vor allem unser Hauptpartner Deutschland steckt schon in der Rezession und viele unserer Betriebe spüren deutliche Rückgänge. Wir müssen uns jetzt darauf konzentrieren, wettbewerbsfähig zu bleiben, nur das sichert unsere Arbeitsplätze. Die Beschäftigten in der Metallbranche verdienen überdurchschnittlich gut, auch die
Lohnerhöhungen waren in den vergangenen Jahren äußerst gut und immer deutlich über der Inflation. Allerdings nimmt der Staat durch viel zu hohe Steuern den Menschen einen großen Teil der Erhöhungen wieder weg, da muss die neue Regierung ansetzen und die Lohnabgaben senken. Wir werden auch heuer wieder einen fairen Kollektivvertrags-Abschluss machen, aber wir dürfen es nicht übertreiben. Zu hohe Lohnabschlüsse verteuern unsere Produkte, wir können sie dann nicht mehr verkaufen und das schadet am Ende allen.“
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