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Ausgabe Nr. 41/2019 vom 08.10.2019, Foto: picturedesk.com
Michael Sylvester Gardenzio Stallone wurde am 6. Juli 1946 in New York (USA) geboren. Eine eingesetzte Geburtszange verursachte eine Nervenschädigung und dauerhafte Muskellähmung der unteren linken Gesichtshälfte, die ihm besonders während seiner Kindheit zu schaffen machte.

Dennoch wurde Stallone einer der erfolgreichsten Action-Darsteller.

Der 73jährige ist seit 22 Jahren in dritter Ehe mit Jennifer Flavin verheiratet und hat drei Töchter. Die Familie lebt im US-Staat Kalifornien in Los Angeles.
„Den Zorn habe ich von meinem Vater geerbt“
Er wollte ja eigentlich immer nur seine Ruhe. Aber John Rambo, der Vietnam-Veteran, fand sie nicht. Bislang vier Mal zog er dann eine Spur der Verwüstung. So auch in seinem fünften und letzten Abenteuer „Rambo: Last Blood“, das derzeit in unseren Kinos zu sehen ist. In der Hauptrolle sorgt wie immer Sylvester Stallone, 73, für Tod und Verderben.
Seit dem ersten „Rambo“-Film sind 37 Jahre vergangen. Nun ist John Rambo wieder da …
Es ist unglaublich, dass ich in der Lage war, zwei einmalige Männer zu erfinden, den Optimisten „Rocky“ und den pessimistischen „Rambo“. Ich glaube, aufgrund dieser Charaktere werden sich die Menschen an mich erinnern. Deshalb dachte ich: Warum nicht ein neuer Versuch?

Ist John Rambo ein Aushängeschild für Machos?
Er vertritt die Männer dieser Generation, die ziemlich aufgestaut sind. Wenn sich ein Mann zu viel öffnet, wird er als weich eingestuft. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, deine Männlichkeit zu zeigen. Eine ist Krieg, die andere Sport.

Wie denken Sie über Krieg?
Man tötet nicht für sein Land, sondern für die paar alten Männer da oben, die Krieg wollen. Alte Männer beginnen Krieg, junge Männer kämpfen. Alle in der Mitte sterben.

Ist es nicht langweilig, immer denselben Charakter darzustellen?
Ich habe ein bestimmtes Gebiet, das ich gut beherrsche. Dustin Hoffman hätte nicht Rambo sein können und ich nicht Tootsie. Ich spiele „Ein Mann gegen sich selber und das System“, und ich versuche, es zu perfektionieren. Ich will aus dieser Box nicht zu weit raus, weil es andere Menschen gibt, die es besser machen. Jedes Mal, wenn ich es probiert habe, kam es zu einem „Stop, oder meine Mami schießt“. Die achtziger und neunziger Jahre waren voll mit Flops, was ich bedauere. Meine Töchter fragen manchmal: „Warum hast du das gemacht?“ Worauf ich antworte: „Womit, glaubt ihr, habe ich eure Schule bezahlt?“

Gibt es sonst noch etwas, das Sie bedauern?
Etwa 80 Prozent von dem, was ich getan habe. Es gab Tonnen von Fehlern. Bedauern ist der Treibstoff, der mich antreibt. Es ist nicht der Erfolg, es ist nicht das Geld. Ich habe mir im Leben Bärendienste erwiesen. Von 1985 bis 1995 nahm ich alles zu leicht, ließ den Wagen einfach laufen. Danach habe ich wieder unter Volldampf gearbeitet, und deshalb bin ich immer noch da. Ich habe viel von Clint Eastwood gelernt, der auch hinter den Szenen bestimmt, was geschieht. Und von Arnold.

Von Arnold Schwarzenegger?
Ja, er ist brillant, wird aber häufig unterschätzt. Er läuft nicht wie ein Professor umher, aber er ist smart. Es gab eine Zeit, da waren wir Konkurrenten. Ich fühlte sogar so etwas wie Hass. Doch mit der Zeit begann ich, unseren Konkurrenzkampf zu mögen. Er hatte eine größere Waffe, ich erschoss mehr Feinde. Aber dann begann er mit Science Fiction und ließ mich allein mit meinen Kampfszenen. Heute sind wir Freunde und haben Respekt voreinander.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die „Rambo“-Filme im Ausland besser ankommen als in Ihrer Heimat Amerika?
Das liegt an der Sprache, Rambo redet nicht viel. Die Filme sind eher visuell.

Gibt es etwas, womit Sie nicht zufrieden sind?
Ich habe eine angeborene leichte Sprachbehinderung. Ich mag meine Stimme nicht.

Finden Sie, dass Ihr Action-Status Sie in Hollywood an den Rand gedrängt hat?
Absolut. Es herrscht die Meinung, dass Action-Filme geistlos sind. Manche sind es ja auch. Aber wenn sie richtig gemacht werden, sind sie faszinierend. Ich schreibe die meisten Drehbücher selber. Trotzdem halten mich viele für einen Nicht-Intellektuellen. Vielleicht liegt das an meinem Aussehen. Ich falle äußerlich nicht in die Kategorie der Belesenen. Deshalb denken gewisse Menschen wohl, meine Zeilen würden mir unter der Tür zugeschoben.

Können Sie privat richtig zornig werden?
Das habe ich von meinem Vater geerbt, der ständig stritt. Das übertrug sich auf mich. Besonders wütend werde ich, wenn die Ehre verletzt wird. Es klingt schmalzig, doch wenn du ehrlich bist und betrogen wirst, dann schmerzt das. Ich werde wütend und identifiziere mich mit Menschen, die von jemandem betrogen werden, den sie lieben. Es gibt nichts Schlimmeres.

Hat Sie Ihre Kindheit geprägt?
Sie war nicht perfekt. Andererseits wäre ich nicht hier, wenn sie perfekt gewesen wäre. Das versorgte mich mit genug Munition, Wut, Konkurrenz-Fähigkeit und Unsicherheit, um forwärts zu kommen. Ich sage anderen: „Akzeptiere deinen Frust und deine Furcht, denn sie machen dein Leben interessant. Niemand ist perfekt.“

Sie sagten einmal, Sie könnten sich nur an zwei Augenblicke erinnern, in denen Ihre Mutter Sie küsste …
Nur ein Mal, ganz kurz. Das war, als sie sich scheiden ließ. Sie war so erzogen worden, konnte nichts dafür.

Was ist das Beste am Älterwerden?
Dass ich jeden Tag toleranter werde. Als mein Vater im Sterben lag, sagte er zu mir: „Lerne zu vergeben.“

Und das Schwierigste?
Die Schmerzen im Rücken.
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